23:59 21 Februar 2018
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    US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden

    US-Kongress veröffentlicht Snowden-Bericht: „kein Held, sondern Verräter“

    © REUTERS/ Charles Platiau
    Politik
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    Der US-Parlamentsausschuss hat dem ehemaligen Geheimdienstler Edward Snowden in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht unlautere Motive hinter seiner Veröffentlichung von Geheimdokumenten vorgeworfen. Der Whistleblower wehrt sich gegen die Vorwürfe auf seinem Twitter-Account.

    Snowden sei „kein Held“, sondern lediglich ein „unzufriedener Angestellter gewesen, der häufige Konflikte mit Vorgesetzten hatte“, heißt es im Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentantenhauses. Seine Motive seien alles andere als ehrenhaft.

    „Er ist ein Verräter, der seine Kollegen und sein Land vorsätzlich verraten hat.“

    Der Bericht des Repräsentantenhauses sei „schlicht verzerrt“, schreibt Snowden hingegen auf Twitter. Er bestreitet einige Behauptungen, die in dem Dokument enthalten sind.

    Die Autoren des Berichts werfen dem Amerikaner beispielsweise Manipulation und das „Frisieren“ seines Lebenslaufs vor. Er hätte neue Positionen innerhalb des US-Geheimdienstes NSA erringen wollen.

    ​„Die Aussage, ich hätte meine ‚Leistungsbeurteilungen gefälscht‘? Wirklich erstaunlich: Ich meldete die Anfälligkeit für Hackangriffe auf das System der jährlichen Überprüfung der CIA“, schreibt Snowden. Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit hätte „das amerikanische Volk Besseres verdient.“

    ​​Zudem betreffe die Mehrheit der geleakten Dokumente zu Abhörpraktiken der NSA Fragen aus dem Militär- und Verteidigungsbereich und stünden somit nicht in direktem Zusammenhang mit den US-Bürgern. Snowdens Unterstützer hatten zuvor immer wieder betont, dass der Ex-Geheimdienstler im öffentlichen Interesse agiert habe und die amerikanische Bevölkerung schlicht auf das Fehlverhalten der Regierung aufmerksam machen wollte. 

    Die Vorsitzende des für die NSA zuständigen Unterausschusses, Lynn Westmoreland, beschuldigte indes Snowden, „der Sicherheit der USA schwereren Schaden als jeder andere Mensch in der Geschichte der USA zugefügt“ zu haben.

    Am 13. September hat Snowden in einem Interview mit „The Guardian“ den US-Präsidenten Barack Obama vor dem Ende dessen Amtszeit um Begnadigung gebeten. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben zudem eine Petition gestartet, um den Whistleblower in seiner Forderung zu unterstützen. Auch internationale Politiker wie Bernie Sanders und Hollywood-Stars wie Susan Sarandon und Daniel Radcliff haben sich öffentlich für eine Amnestie für den Amerikaner ausgesprochen.

    Von dem Ausschussbericht wurde eine dreiseitige Zusammenfassung der Öffentlichkeit präsentiert. Snowden lebt bislang in Russland im Exil.

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    Tags:
    Enthüllungen, US-Geheimdienst NSA, Edward Snowden, Barack Obama, USA