05:46 18 Juni 2018
SNA Radio
    Ein Graffiti von Chelsea (Bradley) Manning in Wien

    Im Tausch gegen Whistleblowerin Manning: Assange will sich US-Gericht stellen

    © Flickr/ smuconlaw
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 214

    Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange will sich selbst an die US-Behörden ausliefern und vor ein Gericht treten, wenn Präsident Barack Obama im Gegenzug den Informanten Chelsea (Bradley) Manning begnadigt. Dies teilte WikiLeaks auf Twitter mit.

    „Wenn Obama Manning die Begnadigung gewährt, wird Assange zustimmen, im Tausch dafür in ein amerikanisches Gefängnis zu gehen – ungeachtet aller deutlichen Rechtswidrigkeit“, heißt es in der Mitteilung.

    Assanges Anwalt, Barry Pollack, bekräftigte im Gespräch mit CNN, dass Assange mit einer solchen Bedingung einverstanden sei. Wie dem TV-Sender aus dem Justizministerium mitgeteilt wurde, sei der Behörde jedoch nichts von dem von Assange oder seinen Vertretern vorgeschlagenen Deal bekannt. Der Sprecher der Justizverwaltung der USA für den Ostbezirk  des Bundesstaates Virginia, wo das Strafverfahren gegen Assange eingeleitet werden soll, habe diese Information nicht kommentiert, heißt es.

    Held oder Verbrecher? Whistleblower, die für ihre Enthüllungen leiden mussten 

    Manning war im Jahr 2013 verurteilt worden. Er wurde des Diebstahls und der Weiterleitung von 750.000 Seiten geheimer Militärberichte und diplomatischer Dokumente sowie Videos an WikiLeaks beschuldigt. Wie CNN hervorhebt, war es die bislang größte Übertragung von Geheimdokumenten an die Öffentlichkeit in der Geschichte der USA. Gegen Manning wurden insgesamt 22 Anklagen erhoben, darunter wegen des Verstoßes gegen das Spionagegesetz. Zu 20 Punkten der Anklage wurde er schuldig gesprochen und zu 35 Jahren Haft verurteilt. Während der Haft erhielt Manning eine Genehmigung zu einer Geschlechtsangleichung, wonach er den Namen änderte und sich nun Chelsea Elizabeth nennt. Im März 2015 wurde er vom Militärappellationsgericht amtlich als Frau anerkannt.

    2012 hat Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London Zuflucht gesucht, nachdem er in Großbritannien alle Rechtsmittel gegen einen Antrag Schwedens auf seine Auslieferung ausgeschöpft hatte. In Schweden wird Assange Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen. Seine Schuld streitet der Journalist jedoch ab. Assange befürchtet, dass Stockholm ihn nach einer Auslieferung an die schwedischen Behörden weiter an die USA überstellen würde, wo ihm wegen der Veröffentlichung von geheimen Informationen die Todesstrafe drohen könne.

    Zum Thema:

    Hungerstreik beendet: Verurteilte WikiLeaks-Informantin kriegt Geschlechts-OP
    WikiLeaks-Whistleblowerin Manning droht Strafe für Selbstmordversuch
    Held oder Verbrecher? Whistleblower, die für ihre Enthüllungen leiden mussten
    Whistleblowerin Chelsea Manning legt Berufung ein
    Tags:
    WikiLeaks, Barack Obama, Chelsea Manning, Julian Assange, USA