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    Uneinigkeit bei „Washington Post“: Verdient Snowden Begnadigung?

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    Nach einer Reihe von Menschenrechtsorganisationen und Hollywood-Stars hat sich nun auch die US-amerikanische Zeitung „Washington Post“ für eine Begnadigung des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden ausgesprochen und an Präsident Barack Obama appelliert. Kurz zuvor hatte jedoch die Redaktionsleitung das Gegenteil getan.

    In einem Artikel für die US-Zeitung mit dem Titel „Als Quelle – und als Patriot – verdient Edward Snowden eine Begnadigung durch den Präsidenten“ schreibt die Kolumnistin Margaret Sullivan, dass Obama den ehemaligen Geheimdienstler begnadigen und „ihm erlauben (sollte – Anm. d. Red.), von seinem Exil in Russland ohne Anklage in die USA zurückzukehren“.

    Auch Katrina vanden Heuvel schrieb am Dienstag für die „Washington Post“, dass Snowden der „perfekte Kandidat für eine Begnadigung“ sei. 

    „Edward Snowden ist ein ehemaliger Mitarbeiter von NSA, der seinen Job, sein Ansehen und seine Freiheit riskiert hat, um die geheimen Massenüberwachungsprogramme der NSA zu entlarven, die die Persönlichkeitsrechte der Amerikaner regelrecht mit den Füßen treten. Dafür hat er den Dank von Millionen Amerikanern und den Hass des Sicherheitsstaates erhalten“, so vanden Heuvel.

    Damit folgen die zwei Redakteurinnen der Zeitung einer Reihe von Hollywood-Stars wie Susan Sarandon und Daniel Radcliff, Politikern wie Bernie Sanders und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. All diese haben sich bislang für eine Begnadigung Snowdens ausgesprochen. Auch Snowden selbst hat in einem Interview mit „The Guardian“ erläutert, warum das US-Staatsoberhaupt eine Amnestie für ihn beschließen sollte.

    Nicht so jedoch die Redaktionsleitung der „Washington Post“: In einem am Freitag veröffentlichten Artikel schrieb sie, dass Snowden keine Begnadigung verdiene, und untermauerte diese Meinung mit einigen Argumenten.

    „Er stahl und veröffentlichte außerdem Informationen zu einem separaten NSA-Internet-Überwachungsprogramm im Ausland, PRISM, das sowohl eindeutig legal als auch eindeutig nicht die Privatsphäre bedrohte. (…) Schlimmer – viel schlimmer – ist, dass er auch Details zu im Grunde vertretbaren internationalen Geheimdienstoperationen geleakt hat: Kooperationen mit skandinavischen Behörden gegen Russland, Spionage gegen die Ehefrau eines Partners von Osama bin Lade und bestimmte offensive Cyber-Operationen in China. Kein konkreter Schaden, tatsächlicher oder versuchter, für auch nur einen einzigen Amerikaner wurde jemals als Ergebnis des Telefon-Metadatenprogramms der NSA, das Snowden ans Licht gebracht hatte, nachgewiesen“, schreibt die Redaktionsleitung.

    Die Kolumnistin Sullivan verwies jedoch darauf, dass Zeitungen wie „The Washington Post“ von Snowdens Enthüllungen profitiert hätten.

    „Einer der Empfänger (der geleakten Dokumente – Anm. d. Red.) war ‚The Washington Post‘, die den Pulitzer Preis für Dienst an der Öffentlichkeit bekommen hat – für  Storys, die nur durch Snowdens Enthüllung von Tausenden Dokumenten möglich waren“, erinnerte Sullivan. 

    Seit dem 1. August 2014 lebt Snowden in Russland im Exil.

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    Tags:
    US-Geheimdienst NSA, The Washington Post, Barack Obama, Edward Snowden