04:06 27 September 2020
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    Situation in Syrien (2016) (851)
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    Während die USA und Russland einander vorwerfen, die Waffenruhe in Syrien vereitelt zu haben, spricht ein russischer Analyst von einem „tiefen Misstrauen“ zwischen den beiden Ländern. Experteneinschätzungen zufolge gehen die Amerikaner „demonstrativ und frech“ vor und brauchen einen Frieden in Syrien gar nicht.

    Der russische Orientalist Wladimir Issajew sagte der Online-Zeitung vz.ru: „Das gegenseitige tiefe Misstrauen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten dauert seit langem an. Die Differenzen sind sehr ernsthaft. Russland wirft den USA vor, jene Vereinbarung nicht zu erfüllen, die John Kerry und Sergej Lawrow getroffen hatten. Die USA erheben indes Vorwürfe gegen Russland, weil Damaskus aus dem Waffenstillstand ausgestiegen ist.“

    John Kirby, Sprecher des US-Außenministeriums, hatte am Dienstag gesagt: „Angesichts des gravierenden Verstoßes gegen die Waffenruhe werden wir die Aussichten auf die Kooperation mit Russland korrigieren.“ Er bezog sich dabei auf den jüngsten Angriff auf einen UN- und Rothalbmond-Hilfskonvoi bei Aleppo. Die USA vermuten entweder russische oder syrische Flieger hinter jener Attacke, Moskau weist den Vorwurf zurück. Als entscheidenden Rückschlag für die Waffenruhe betrachtet die russische Führung dagegen den Luftangriff der US-geführten Koalition auf Stellungen der syrischen Regierungsarmee in der Provinz Deir ez-Zor am Samstag.

    Der russische Nahost-Experte Jewgeni Satanowski kommentierte für vz.ru im Hinblick auf den Luftangriff in Deir ez-Zor, die Amerikaner hätten gegen die Waffenruhe-Vereinbarung „sofort, demonstrativ und frech“ verstoßen: „Ein solcher Angriff ist ohne stillschweigende Zustimmung des Weißen Hauses nicht möglich.“

    Laut Satanowski ist die Situation ein Beleg dafür, dass ein Kalter Krieg trotz aller diplomatischen Erklärungen auf Hochtouren läuft: „Die Amerikaner führen ihn, ohne in ihren Methoden wählerisch zu sein und sich durch die Erfüllung der unterzeichneten Vereinbarungen beengen zu lassen.“

    Der russische Politik-Experte Georgi Filimonow schrieb in einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbetrag für die Tageszeitung „Iswestija“, der Bürgerkrieg in Syrien habe längst den Rahmen eines lokalen Konflikts überschritten: „Das geht auf die strategische Bedeutung des syrischen Territoriums zurück, wo geopolitische Interessen der USA, Russlands, Chinas, der EU, der Türkei, des Iran, Saudi-Arabiens und weiterer Golfstaaten kollidieren (…) Davon ganz zu schweigen, dass der Nahe Osten zwischen den zwei Zentren der globalen Wirtschaft liegt – zwischen China und der EU, die diese Region sowohl als Rohstoffbasis als auch als Handelsplattform betrachten.“

    „Ausgerechnet deshalb betrachten die Amerikaner den Friedensprozess in Syrien als Bedrohung. Man kann sie verstehen. Ein Waffenstillstand in Syrien würde ja Moskau, Peking und Teheran ermöglichen, in der Region Fuß zu fassen und sich mit der Erstellung einer von Washington unabhängigen Energie-Karte in Westeuropa und Ostasien zu beschäftigen“, meinte Filimonow.

    Um dieses Szenario zu verhindern, greife Washington zu allen Mitteln, darunter zu einer Wirtschafts- und Informationsblockade gegen Damaskus und zur Rückendeckung für die syrische „gemäßigte“ Opposition und die dort agierenden Terrorgruppen, so Filimonow weiter.

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    Tags:
    Hilfskonvoi, Luftangriff, Waffenruhe, Wladimir Issajew, John Kirby, Jewgeni Satanowski, John Kerry, Aleppo, Syrien, USA, Russland