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09:46 24 Juli 2019
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    Ein Wagen mit Porträts von Putin und Assad in der syrischen Provinz Hama (Archivfoto)

    US-Wortoffensive im Syrien-Streit: „Antwort auf Moskaus gerechte Vorwürfe“

    © AP Photo / Pavel Golovkin
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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Angesichts des mangelnden Vertrauens zwischen Moskau und Washington wird es äußerst schwer sein, die syrische Waffenruhe-Vereinbarung zu reanimieren, prognostiziert der russische Analyst Georgi Bowt.

    In einem am Donnerstag veröffentlichten Kommentar für den russischen Sender BFM beschäftigt sich Bowt mit dem jüngsten Angriff auf einen Hilfskonvoi bei Aleppo: „Die USA warfen Russland, und auch Syrien, eindeutig vor, den Konvoi zerbombt zu haben. Diesen Vorwürfen mangelte es nicht an Emotionen und harten Ausdrücken. In allen westlichen Zeitungen erschienen Nachrichten mit verbrannten Fahrzeugaufbauten im Bild und mit Überschriften, wo den Russen durch die Erstellung einer eindeutigen Konnotation die (Mit)schuld gegeben wird – Russland streitet ab, einen UN-Konvoi zerbombt zu haben, hieß es etwa, als ob dabei etwas Offensichtliches abgestritten wurde.“

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    Doch dann stellte es sich laut Bowt heraus, dass etwas mit dem Luftangriff nicht stimmt: „Nicht nur weil Moskau und insbesondere Außenminister Lawrow eine Verwicklung der russischen Luftwaffe in den Angriff scharf dementierten (von syrischen Kampfjets, die nachts keine Einsätze fliegen, ganz zu schweigen), sondern weil Hinweise darauf auftauchten, dass es sich offenbar um einen Artillerie-Angriff gehandelt hatte. Dieser wurde wahrscheinlich von Al-Nusra-Kämpfern verübt, die in jenem Gebiet eine Gegenoffensive versuchten.“

    „Die betont scharfe beschuldigende Rhetorik der USA im Stil des hehren Zorns war wahrscheinlich eine emotionale Antwort auf Moskaus gerechte Vorwürfe, wonach die US-geführte Koalition drei Tage früher syrische Regierungstruppen bombardiert hatte“, so Bowt.

    Wie er ferner feststellt, versuchen Moskau und Washington nun, die syrische Waffenruhe-Vereinbarung zu reanimieren – jedoch vergeblich: „Trotz der Vereinbarungen sind die Amerikaner offenbar nicht in der Lage, die sogenannten gemäßigten Oppositionellen von den Terroristen abzugrenzen, um gegen diese weiter zu kämpfen, und mit jenen das Feuer einzustellen. Denn weder die einen noch erst recht die anderen werden von den Amerikanern in vollem Maße kontrolliert.“

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    Bowt kommentiert weiter: „Wie soll sich aber eine Reanimation gestalten, wenn die ‚Ärzte‘ so wenig Vertrauen zueinander an den Tag legen? Das Vertrauen fehlt praktisch zur Gänze. Die syrische Opposition, vertreten durch das sogenannte Hohe Verhandlungskomitee, forderte bereits auf, Moskau und Damaskus eine ‚Abfuhr zu erteilen‘. Dies ähnelt kaum dem Wunsch, das Feuer einzustellen. Eher rechnen die gemäßigten und ‚ungemäßigten‘ Oppositionellen damit, die Atempause zu nutzen, um neue Attacken auf die Assad-Truppen vorzubereiten.“ 

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    In seiner Rede bei der 71. UN-Vollversammlung in New York entschuldigte sich Lawrow dafür, dass die Vereinbarungen zwischen den USA und Russland vom 9. September bislang nicht veröffentlicht wurden. Er zeigte sich bereit, diese publik zu machen.

    „Im Gegenzug ist nun offenbar ein weiterer ‚irrtümlicher Schlag‘ der US-geführten internationalen Koalition gegen die syrischen Regierungstruppen zu erwarten. Überhaupt entsteht der Eindruck, dass eine mehr oder weniger langfristige Waffenruhe in Syrien derzeit kaum möglich wäre. Es gibt zu viele, die den Krieg noch nicht satt haben“, schließt Bowt.

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    Tags:
    Waffenruhe, Luftangriff, UN-Vollversammlung, Sergej Lawrow, Georgi Bowt, Aleppo, Russland, USA, Syrien