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    US-Präsidentschaftswahl: Europa drückt Trump heimlich die Daumen – Politico

    © AFP 2019 / Molly Riley
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    Viele europäische Politiker hoffen insgeheim auf den Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen im November, schreibt „Politico“. Und warum? Das erklärt der Europa-Korrespondent des Magazins, Matthew Karnitschnig.

    Es vergehe kein Tag, ohne dass irgendein hochrangiger europäischer Politiker seine Besorgnis über den möglichen Wahlsieg Donald Trumps zum Ausdruck bringe, schreibt Karnitschnig.

    Dennoch scheine durch diese Schwarzmalerei ein Hoffnungsschimmer hindurch: „Kein europäischer Politiker würde das je offen zugeben, viele von ihnen sehen Trump aber als die einmalige Gelegenheit, den US-Einfluss loszuwerden“, schreibt der Korrespondent.

    Seit Jahrzehnten kritisierten linke wie rechte Politiker Washington. Die negativen Aspekte der US-Dominanz seien der kleinste gemeinsame Nenner europäischer Volkvertreter, betont der Experte.

    Es gebe fünf Hauptgründe dafür, dass die Europäer Trump heimlich die Daumen drücken.

    An erster Stelle: das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen, kurz TTIP. Viele Europäer seien mit dem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU unzufrieden, zumal es ohnehin seit Monaten in der Luft hänge. Die TTIP-Kritiker sehen darin „ein Trojanisches Pferd“, mittels dessen die US-Konzerne ihren Einfluss in Europa ausweiten werden. Trump warnt zudem davor, dass dieses Abkommen amerikanische Arbeitsplätze kosten werde, schreibt Karnitschnig.

    Zweitens: die Nato. Trump trete gegen die Allianz ein, während viele Politiker in Europa sich für ein europäisches Militärbündnis aussprächen, erklärt der Korrespondent. Der Spitzenkandidat der Republikaner habe nie einen Hehl daraus gemacht: Es störe ihn, dass die Europäer sich in Verteidigungsfragen auf die USA verlassen. Da sich nun die Wenigsten Trump als einen Oberbefehlshaber wünschen, hätten die Befürworter einer gemeinsamen europäischen Armee im Falle seines Wahlsiegs die größten Chancen, ihre Idee durchzusetzen.

    Der dritte Grund sei das Eigentor, das die Vereinigten Staaten geschossen haben: der NSA-Abhörskandal. Snowdens Enthüllungen hätten gezeigt, dass nicht mal die Bundeskanzlerin vor den Abhörungen sicher sei. Zwar sei die Lage bei Weitem nicht so dramatisch, wie es oft dargestellt werde, viele Europäer glaubten jedoch, ebenfalls abgehört zu werden. Die EU kooperiere mit den USA weiterhin bei der Überwachung. Trumps Wahlsieg könne dem jedoch ein Ende setzen, schreibt der Journalist.

    Viertens: Der Einfluss der Wall Street auf das europäische Banken- und Finanzsystem sei vielen Europäern seit Langem ein Dorn im Auge. Der Chef der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker kritisierte jüngst seinen Amtsvorgänger, José Manuel Barroso, dafür, dass dieser einen Posten bei der Investmentbank Goldman Sachs angenommen hatte. Die Bank habe die Weltwirtschaftskrise maßgeblich mitbefeuert, behauptete der amtierende EU-Kommissionsvorsitzende.

    „Trumps Präsidentschaft wäre die perfekte Gelegenheit, den Einfluss der US-Banken auf Europa in die Schranken zu weisen“, folgert Karnitschnik.

    Und dann sei da noch die Böswilligkeit – „die stärkste Motivation der Europäer in dieser Situation“, schreibt der US-Korrespondent. Trumps Sieg werde beweisen, was viele Europäer schon immer wussten: „Dass die USA nicht weniger Probleme haben als Europa“, so der Experte. „Washingtons Erklärungen über Amerikas Exklusivität und moralische Überlegenheit glauben die meisten Europäer ohnehin schon lange nicht mehr“, konstatiert Karnitschnig von „Politico“.

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Goldman Sachs, US-Geheimdienst NSA, TTIP, Jean-Claude Juncker, Edward Snowden, Matthew Karnitschnig, Donald Trump, Europäische Union, USA