03:43 26 Juni 2017
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    Ein russischer Pilot auf dem Stützpunkt Hmeimim in der syrischen Provinz Latakia

    Keine Syrien-Lösung ohne Russland: „Der Westen muss das zähneknirschend akzeptieren“

    © Foto: Russlands Verteidigungsministerium
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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Russlands Luftwaffeneinsatz in Syrien jährt sich in der laufenden Woche zum ersten Mal. Der russische Militärexperte Anatoli Sokolow zieht in einem Beitrag für die Wochenzeitung „WPK“ eine politische und militärische Zwischenbilanz.

    Sokolow betont, der russische Luftwaffeneinsatz habe völlig dem Völkerrecht entsprochen, denn die Regierung in Damaskus habe um militärische Hilfe im Kampf gegen Terroristen und bewaffnete Radikale gebeten.

    „Der erste und wichtigste politische Erfolg besteht darin, dass Russland nach der Misere der 1990er Jahre in den Nahen Osten nicht nur zugekehrt ist, sondern dort auch Fuß gefasst hat (…) Ein weiterer Fakt zu unseren Gunsten ist der Verzicht der westlichen politischen ‚Falken‘ auf die Illusion, dass Baschar al-Assad schnell gestürzt und Damaskus von der ‚moderaten‘ Opposition besetzt werden kann“, so Sokolow.

    Auch die offizielle Entschuldigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für die abgeschossene russische Su-24 könne Russland politisch für sich verbuchen: „Für die internationale Gemeinschaft ist das eine sehr bedeutsame Tatsache, die davon zeugt, dass man sich mit Russland lieber verständigen soll, anstatt Ultimaten zu stellen.“

    „Fazit: Alle sind sich nun darüber im Klaren, dass sich das Syrien-Problem ohne Russland nicht lösen lässt. Das politische Establishment des Westens muss – oft zähneknirschend – diese politische Realität akzeptieren“, so der Kommentar. 

    Im Laufe des groß angelegten Krieges gegen den internationalen Terrorismus habe der „Islamische Staat“ (auch IS, Daesh) schwere Verluste einstecken müssen. Auch die illegale Ölförderung als Finanzquelle der Terroristen habe durch die russischen Luftangriffe einen Rückschlag erlitten. Nach Angaben des russischen Generalstabs seien 209 solche Öl-Anlagen zerstören worden. Wegen Geldmangel sei die Zahl von Anschlägen, aber auch die von IS-Söldnern zurückgegangen, hieß es.

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    Sokolow weist darauf hin, dass Russland die Luftwaffenbasis in Hmeimim sowie die Marine-Versorgungsstation in Tartus auch weiterhin nutzen könne: „Diese Objekte sichern die Präsenz russischer Kriegsschiffe im Mittelmeer und deren Deckung aus der Luft.“ 

    Generell habe der Syrien-Einsatz die Kampffähigkeit der russischen Streitkräfte erhöht. Verschiedene Kampfjets, darunter Su-34-Jagdbomber und Su-35-Jäger, hätten ihre Möglichkeiten unter Beweis gestellt. Mehr als 100 Marschflugkörper, insbesondere Kh-101 und Kalibr, seien insgesamt abgefeuert worden, schreibt Sokolow weiter.

    Er stellt aber fest: „Bei allen offensichtlichen Erfolgen konnte ein entscheidender Sieg über die Terroristen in Syrien vorerst nicht erreicht werden.“ Sokolow verweist auch darauf, dass 20 russische Soldaten in Syrien inzwischen gefallen sind. Bei den technischen Verlusten handelt es sich um einen Su-24-Kampfjet und vier Hubschrauber.

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    In Bezug auf die geopolitischen Ergebnisse schreibt Sokolow zum Schluss: „Washington und seine Verbündeten – Katar, Saudi-Arabien, die Türkei – konnten ihre Pläne nicht umsetzen, während Russland nicht nur seinen Verbündeten unterstützte, sondern auch die Bereitschaft demonstrierte, sich dem internationalen Terrorismus in abgelegenen Gebieten entgegenzusetzen. Der syrische ‚Arabische Frühling‘ ist für dessen Drahtzieher auf einen kalten Winter hinausgelaufen.“

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    Tags:
    Terrorismus, Su-24, Terrormiliz Daesh, Recep Tayyip Erdogan, Baschar al-Assad, USA, Russland, Syrien