11:12 18 November 2017
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    Verfehlte Welt-Dominanz: „Die USA sind in eine sehr gefährliche Phase eingetreten“

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    Politik
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    Nach dem Zerfall der Sowjetunion wähnten sich die USA als endgültiger Sieger – umso peinlicher ist nun die Einsicht, dass eine globale Dominanz verfehlt wurde. Das sagt der russische Auslandsexperte Sergej Karaganow in einem Interview mit der Wochenzeitung „WPK“.

    „Es läuft ein intensiver Vorgang der wirtschaftlichen De-Globalisierung. Das vom Westen nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Wirtschaftssystem bröckelt“, so Karaganow.

    US-Flagge
    © REUTERS/ Stephen Lam
    „Die Amerikaner versuchen, ihre Führungspositionen zu behalten – wenn nicht in der ganzen Welt, dann zumindest in einem wesentlichen Teil. Daraus resultieren Pläne für eine Wirtschaftskooperation der USA mit Pazifikstaaten und Europa. Es klappt aber nicht besonders“, erläutert Karaganow. 

    „Das US-amerikanische und das chinesische Projekt befinden sich vorerst auf dem Kollisionskurs. Dabei braucht China keine solchen Kollisionen. Stattdessen will es seine Positionen festigen und den Status einer Supermacht erlangen – zumindest in Asien. Die Amerikaner hindern China daran auf jede Weise und betreiben eine aus meiner Sicht absolut unvernünftige Politik, indem sie ihre Beziehungen mit China im Rahmen einer Eindämmung oder gar Konfrontation gestalten“, kritisierte der Experte. 

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    Mit seinem Einstieg in mehrere Militärkonflikte habe Amerika versucht, Stärke zu demonstrieren, dabei aber versagt. Dazu noch habe die Wirtschaftskrise die Attraktivität des US-Wirtschaftsmodells untergraben: „Die USA haben das Gefühl ihrer moralischen Überlegenheit verloren. Obwohl sie nach wie vor ein in jeder Hinsicht starkes Land sind, sind sie jetzt in eine sehr gefährliche Phase eingetreten. Die USA müssen sich nun bewusst werden, dass sie zwar ein mächtiger Staat sind, aber keine dominierende Weltmacht.“ 

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    Dies werde eine schwierige Aufgabe sein: „Das Gefühl des eigenen Auserwähltseins und des Dominanz-Rechtes steckt in den Genen des amerikanischen Volkes. In den 1990er Jahren wurde dieses Gefühl kräftig geschürt – die USA schienen überall und in allem gesiegt zu haben. Nun werden sie sich lange daran gewöhnen müssen, dass jener Sieg nicht für immer war und die Situation sich geändert hat.“

    Als Washington begriffen habe, dass ein endgültiger Sieg ausbleibe, habe es damit begonnen, die Spielregeln zu ändern. „Die USA sind nun die wichtigste Herausforderung für die internationale Stabilität. Dies wird durch die Spaltung der regierenden Eliten erschwert“, sagte Karaganow im Hinblick auf die aktuelle Rivalität von Hillary Clinton und Donald Trump.

    Seine politischen Niederlagen des vergangenen Jahrzehnts habe Amerika selbst vorbereitet. Vor diesem Hintergrund habe der Aufstieg anderer Länder begonnen, die dabei seien, sich gegen die bisherige Konstellation einzusetzen: „Das ist vor allem Russland, dem die ihm aufgezwungene Ordnung nicht gefällt. China tut derzeit dasselbe – wenn auch nicht so frech (aus Sicht der USA) wie wir. Der Widerspruch besteht also darin, dass wir mit der alten Ordnung nicht zufrieden sind, während eine neue vorerst ausbleibt. Die USA wollen dagegen die alte Ordnung zurück, was unmöglich ist“, so der Experte.

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    Tags:
    Dominanz, Globalisierung, Donald Trump, Hillary Clinton, Sergej Karaganow, China, USA
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