20:14 27 März 2017
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    Ein Uncle-Sam-Luftballon

    Verfehlte Welt-Dominanz: „Die USA sind in eine sehr gefährliche Phase eingetreten“

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    Politik
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    Nach dem Zerfall der Sowjetunion wähnten sich die USA als endgültiger Sieger – umso peinlicher ist nun die Einsicht, dass eine globale Dominanz verfehlt wurde. Das sagt der russische Auslandsexperte Sergej Karaganow in einem Interview mit der Wochenzeitung „WPK“.

    „Es läuft ein intensiver Vorgang der wirtschaftlichen De-Globalisierung. Das vom Westen nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Wirtschaftssystem bröckelt“, so Karaganow.

    US-Flagge
    © REUTERS/ Stephen Lam
    „Die Amerikaner versuchen, ihre Führungspositionen zu behalten – wenn nicht in der ganzen Welt, dann zumindest in einem wesentlichen Teil. Daraus resultieren Pläne für eine Wirtschaftskooperation der USA mit Pazifikstaaten und Europa. Es klappt aber nicht besonders“, erläutert Karaganow. 

    „Das US-amerikanische und das chinesische Projekt befinden sich vorerst auf dem Kollisionskurs. Dabei braucht China keine solchen Kollisionen. Stattdessen will es seine Positionen festigen und den Status einer Supermacht erlangen – zumindest in Asien. Die Amerikaner hindern China daran auf jede Weise und betreiben eine aus meiner Sicht absolut unvernünftige Politik, indem sie ihre Beziehungen mit China im Rahmen einer Eindämmung oder gar Konfrontation gestalten“, kritisierte der Experte. 

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    Mit seinem Einstieg in mehrere Militärkonflikte habe Amerika versucht, Stärke zu demonstrieren, dabei aber versagt. Dazu noch habe die Wirtschaftskrise die Attraktivität des US-Wirtschaftsmodells untergraben: „Die USA haben das Gefühl ihrer moralischen Überlegenheit verloren. Obwohl sie nach wie vor ein in jeder Hinsicht starkes Land sind, sind sie jetzt in eine sehr gefährliche Phase eingetreten. Die USA müssen sich nun bewusst werden, dass sie zwar ein mächtiger Staat sind, aber keine dominierende Weltmacht.“ 

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    Dies werde eine schwierige Aufgabe sein: „Das Gefühl des eigenen Auserwähltseins und des Dominanz-Rechtes steckt in den Genen des amerikanischen Volkes. In den 1990er Jahren wurde dieses Gefühl kräftig geschürt – die USA schienen überall und in allem gesiegt zu haben. Nun werden sie sich lange daran gewöhnen müssen, dass jener Sieg nicht für immer war und die Situation sich geändert hat.“

    Als Washington begriffen habe, dass ein endgültiger Sieg ausbleibe, habe es damit begonnen, die Spielregeln zu ändern. „Die USA sind nun die wichtigste Herausforderung für die internationale Stabilität. Dies wird durch die Spaltung der regierenden Eliten erschwert“, sagte Karaganow im Hinblick auf die aktuelle Rivalität von Hillary Clinton und Donald Trump.

    Seine politischen Niederlagen des vergangenen Jahrzehnts habe Amerika selbst vorbereitet. Vor diesem Hintergrund habe der Aufstieg anderer Länder begonnen, die dabei seien, sich gegen die bisherige Konstellation einzusetzen: „Das ist vor allem Russland, dem die ihm aufgezwungene Ordnung nicht gefällt. China tut derzeit dasselbe – wenn auch nicht so frech (aus Sicht der USA) wie wir. Der Widerspruch besteht also darin, dass wir mit der alten Ordnung nicht zufrieden sind, während eine neue vorerst ausbleibt. Die USA wollen dagegen die alte Ordnung zurück, was unmöglich ist“, so der Experte.

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    Tags:
    Dominanz, Globalisierung, Donald Trump, Hillary Clinton, Sergej Karaganow, China, USA
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    • Al Mobi
      Da wollen einige ihre alte Ordnung zurück und ihre Vasallen mühen sich rührend.
      Es war nie ihre Ordnung. Es war ein historisches Zwischenspiel.
      Die Musik spielt im Herzland und nicht auf den Inseln.
      Der Geist ist aus der Flasche.
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      FreddyAntwort anziheihähh-baby(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      ziheihähh-baby, ein Tier? Ja was soll es denn? Hat so ein Känguruh eine Bombe im Beutel? Zudem treibt niemand die USA. Oder ist dort grad ein Angriff?
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      Freddy
      Viel hat die Beterei "God bless America" nicht gebracht. Oder ist es etwa Gottes Strafe, dass der Ami an seiner eigenen Dummheit zugrunde geht?
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      Udo
      Längerfristig werden die USA nicht mehr die absolute Dominanz sein, auch wenn sie weiterhin militärisch stark sein werden. Aber die Welt ändert sich, und im Grunde sind Kriege langsam aber sicher nicht zukunftsfähig, wenn man nicht in 200 Jahren genau so dastehen will wie heute. Oder sich selber in die Steinzeit zurückgebombt haben will. Das will aber kein vernünftiger Mensch. Dann lieber gemeinsam in die Zukunft, es wartet so viel auf uns. Und es gibt so viel zu tun.
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      palmakunkel
      Freilich, die Versuchungen nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten waren für die USA übermächtig. Sie wähnten sich nun als echter und einziger Tschämpien off the Wörld. Das machte sie trunken, und in dieser Euphorie verloren sie den Blick für die tatsächlichen Entwicklungen. Auf der ganzen Linie sind sie halt mit diesem Anspruch gescheitert. Man darf gespannt sein, wie sich "unsere" transatlantischen Deppen verhalten.
    • Denk mit!
      Die "Auserwählten"? Ja, "Außerirdische“=„Systemvernichter" treffe mehr zu, wie in den Hollywood auch gezeigt wird. In den Filmen sieht man sehr schön, die Moral der Amis. Wir sind immer die Superhelden mit überirdischen Kräfte. Gott sei Dank, haben diese Denker nicht die Intelligenz dazu. Alles nur KINO !!!!!!
    • ziheihähh-babyAntwort anFreddy(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Freddy, nochmal für dich: also USA mit machtverlust in der welt ,klar bis jetzt???? wie wird USA darauf reagieren....???
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      mhbhAntwort anpalmakunkel(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      palmakunkel, unsere transatlantischen Deppen werden den VSA immer tiefer in den Allerwertesten kriechen, bis sogar die Fußsohlen verschwunden sind.
    • Гражданин
      Konfrontation mit China.
      Klingt nach Selbstmord.
      Wie dumm ist das denn ?
    • zivilistAntwort anmhbh(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      hallo mhbh,

      das nennt man Unterwanderung !
    • ziheihähh-babyAntwort anFreddy(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Freddy, //// für dich das tier ist USA und machtverlust googel mal.....und "böser russe "googeln .
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      matschie2006
      Zu dem Bericht hier bei Sputnik passt auch ein Artikel des deutschen Handelsblattes von heute, indem die Londoner "Denkfabrik" IISS zu ähnlicher Schlussfolgerung kommt.

      hier der Link dazu: www.handelsblatt.com/politik/international/bericht-der-londoner-denkfabrik-iiss-ein-geopolitisches-e

      Die Überschrift irretiert etwas jedoch der Inhalt ist ein ganz Anderer.
    • Piero DoldiAntwort anzivilist(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      zivilist, was bisher von Donald Trump zur Aussenpolitik zu vernehmen war, werden sich die USA unter seiner Führung wohl isolationistischer geben. Clinton wird versuchen den bisherigen expansionistischen, konfrontativen Kurs gerade gegenüber Russland fortzusetzen, wenn nicht gar zu verstärken. Immerhin verstieg sie sich schon dazu Putin mit Hitler zu vergleichen, was bereits ihre antirussische Einstellung zeigt.
    • zivilistAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      hallo Piero Doldi,

      Ich hab gesehen, wie sich Clinton im Falle Libyens aufgeführt hat, das reicht !

      Trump's biz ist nicht Krieg, aber ob er gerade den Weg des Iolationismus gehen wird ? Historisch ist das die Alternative.

      Als Gaddafi vor der UN gesprochen hat und keinen Platz für sein Zelt fand, hat ihn Trump in seinem Garten campieren lassen.

      Oder in Stuttgart ist vor 10 Jahren das Projekt des Trump-towers gescheitert, 200m waren den Stuttgartern zu viel.

      Aber WAS Trump als Präsident so treiben würde, ahne ich auch nicht. Vielleicht hat er verstanden, daß die Libyer bisher garkeine Miete gezahlt haben, und will das jetzt ändern. . .
    • boroser1502
      Machtsucht ist eine Suche nach Anerkennung, ein

      Minderwertigkeits- Komlex.

      Machtsucht ist eine egoistische Gier, Machtsucht ist ungesund.

      Niemand möchte von einer Weltmacht bestimmt werden -

      keine Person, kein Land und kein Volk.

      Die Geschichte der Menschheit war voller egoistischer

      Machtsüchtiger:

      Das Ende der Macht der Machtsüchtigen war in der

      Geschichte regelmässig das Ergebnis.

      So wird es auch diesesmal kommen:

      Das Ende einer Machtgier ist ungeschriebenes Gesetz!
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      palmakunkelAntwort anmhbh(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      mhbh, freilich, diese Figuren finden den Furz von Uncle Sam hocharomatisch, eben nach Ambra riechend!
    • Piero DoldiAntwort anUdo(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Udo, ich befürchte halt, dass die Menschheit, was die Lösung von Problemen mit Gewalt angeht, leider nicht lernfähig ist. Dazu müsste die Einstellung der Menscheit zu Geben und Nehmen fast auf den Kopf gestellt werden und viel mehr nichtmaterielle gesamt-gesellschaftliche Ziele anvisiert werden. Dazu bräuchte man sehr viele Mahatma Ghandis und noch mehr Geduld.
    • Wegen der Kriege und Kriegsverbrechen sollte die USA weltweit geächtet werden.
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      boehlig
      .....Moral hat mit Stärke nichts zu tun....die moralische Überlegenheit hatten die USA noch nie und die militärische Stärke geht ihnen dank ihrer kriegstreiberischen arroganten Politik verloren....Goodby Amerika!
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      boehlig
      ...die USA haben zwei Optionen: lethargisch dem wirtschaftlichen Kollaps entgegen gehen, oder tollkühn einen Krieg gegen Russland für sich entscheiden ......So oder so wird es ein böses Erwachen geben...
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