10:17 06 Dezember 2019
SNA Radio
    US-Militärs mit Mr. Potato Head

    Weniger Abhängigkeit von den USA durch EU-Armee: „Sie sehen das als Humor“

    © Flickr / The U.S. Army
    Politik
    Zum Kurzlink
    4236
    Abonnieren

    Nachdem sich Großbritannien gegen eine EU-Verteidigungsunion ausgesprochen hat, kommentieren russische Experten die Situation. Sie weisen darauf hin, dass die Idee einer europäischen Armee an Geldmangel scheitern könnte, aber auch am Widerstand der USA.

    Die Idee einer EU-Verteidigungsunion geht offenbar auf den Wunsch zurück, die politische Komponente des geeinten Europas zu festigen. Diese Meinung äußerte Wladislaw Below, Leiter der Deutschland-Studien am Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Mehr zum Thema: London bremst Aufstellung einer EU-Armee

    „Eine Verteidigungsunion braucht man, um kollektive Entscheidungen zu treffen. Ihre Aufgabe bestünde darin, die EU zu einem Subjekt des Völkerrechts zu machen“, sagte Below der Onlinezeitung gazeta.ru.

    Es handle sich außerdem um Europas Versuch, von den USA militärisch unabhängiger zu werden. „Die Verteidigungsunion würde ihren eigenen Etat bekommen. Gegen diese Idee werden sich aber die proamerikanischen Länder wie Polen und Großbritannien aussprechen“, so Below. 

    Tatsächlich hatte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon am Dienstag gegen eine EU-Verteidigungsunion plädiert. „Die Nato soll ein Eckstein unserer Verteidigung und der Verteidigung Europas bleiben“, so Fallon bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen, wie die Onlinezeitung weiter berichtete.

    Schrumpfender US-Einfluss: „Keine Möglichkeit mehr für offensive Geopolitik“

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat hingegen kaum Einwände gegen eine gemeinsame EU-Armee. Gazeta.ru zitierte ihn mit den Worten: „Ich begrüße die aktuelle Diskussion im Sinne einer Stärkung der europäischen Verteidigung und der  europäischen Kooperation im Verteidigungsbereich. Denn es gibt keinen Widerspruch zwischen einer starken europäischen Verteidigung und einer starken Nato. In Wirklichkeit stärkt man dadurch einander.“ Zuvor hatte auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für die Aufstellung einer EU-Armee plädiert.

    Wladimir Bruter, Experte des in Moskau ansässigen Internationalen Institutes für Geistes- und Politikwissenschaften, hält Junckers Worte allerdings für einen Bluff. Laut Bruter hat Europa einfach kein Geld für eine eigene Armee – die EU-Mitglieder erfüllen ihre finanziellen Verpflichtungen im Rahmen der Nato ja auch nur ungern.

    Nach Ansicht des Experten nehmen Washington und London die Diskussion über eine EU-Verteidigungsunion nicht ernst. „Die USA und Großbritannien sehen solche Äußerungen als Humor. Doch wenn diese Initiative beginnt, in eine praktische Dimension überzugehen, werden sie handeln“, so Bruter. Er sagte, Washington habe nach wie vor die Instrumente, um auf jene Länder einzuwirken, die die Nato-Dienstleistungen nicht bezahlen wollen.

    Krise der Außenpolitik: „Die Welt wird immer unfreundlicher zu den USA“

    Solche EU-Länder kritisiert auch US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Beim jüngsten TV-Duell gegen Hillary Clinton sagte er: „Sie zahlen uns nicht für eine ausgezeichnete Dienstleistung, die wir ihnen zur Verfügung stellen. Die USA selbst geben unterdessen riesige Summen für diese Zwecke aus.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Londons Nein zu EU-Armee: Vorteile für Washington
    Tschechiens Premier treibt EU-Armee voran: Gegen Migranten und „russische Aggression“
    Nach Brexit: EU treibt Pläne für eigene Armee voran
    EU will Verteidigung stärken und keine eigene Armee aufstellen
    Tags:
    EU-Armee, NATO, Hillary Clinton, Jean-Claude Juncker, Michael Fallon, Europäische Union, USA