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    1000 Jahre Russophobie: Ist diese Seuche noch heilbar?

    © Sputnik / Vladimir Astapkovich
    Politik
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    Die Russen sind das Böse! So lautet das ewiggleiche Lied westlicher politischer Eliten und Medien. Der Westen versinkt in negativen Vorurteilen über Russland, wie der schweizerische Geschichtsprofessor und Vorsitzender der Schweizerisch-Russischen Handelskammer, Guy Mettan, im Sputnik-Interview sagt.

    „So paradox es auch klingen mag, doch ist die Russophobie älter als Russland selbst“, sagt der Historiker im Interview mit Sputnik Italia.

    Die tiefsitzenden Ursachen dafür beschreibt Mettan in seinem Buch „Russofobia, mille anni di diffidenza“ (Die Russophobie, tausend Jahre des Misstrauens), welches bereits in der Schweiz, in Russland und Italien erschienen ist und kurz vor seiner US-Premiere steht. Nächstes Jahr soll es außerdem in Serbien und China, möglicherweise auch in Schweden veröffentlicht werden. 

    Die Russenfeindlichkeit habe ihren Ursprung in der politischen und religiösen Konfrontation des Heiligen Römischen Reichs mit dem Oströmischen Reich von Konstantinopel. Im Grunde gehe es um den Konflikt der Katholischen mit der Orthodoxen Kirche.

    Damals waren zwei zentrale Vorurteile vorherrschend: Die östlichen Völker seien Barbaren, ihre Herrscher allesamt Tyrannen und Despoten.  Ihnen sei das Streben nach Expansion und Annexion eigen. Sie seien aggressiv und träumten davon, den reinen und edlen Westen zu erobern, sagt Mettan im Interview.

    „Und das sind dieselben Stereotype, die wir heute in den antirussischen Medien beobachten“, betont der Professor.

    Der gegenwärtige Schub der Russophobie nimmt seinen Anfang in Frankreich des 18. Jahrhunderts: „Damals fälschten die Geheimräte von Ludwig XV. ein Testament von Peter dem Großen, in dem der Zar seinen Nachfolgern angeblich vermachte, Europa zu erobern“, erläutert Mettan. „Napoleon veröffentlichte die Fälschung 1812, um seinen Russland-Feldzug zu rechtfertigen. Die Engländer übersetzten das Papier und begründeten damit den Krim-Krieg von 1853. Erst im 19. Jahrhundert wurde dieses Schriftstück als Fälschung entlarvt – nach Jahrzehnten der Russenfeindlichkeit in Frankreich und England“, erklärt der Historiker. 

    „Böse Russen“: Doppelmoral des Westens gegenüber Moskau — Experte

    Das alles habe Bezüge zur Gegenwart, unterstreicht der Handelskammerpräsident. Die US-Amerikaner hätten die gleichen Tricks im Februar 2014 in der Ukraine angewandt, um Russland zu beschuldigen. „Dass der Sturz der rechtmäßigen ukrainischen Regierung von den USA vorbereitet und finanziert wurde, hat Victoria Nuland vor dem US-Kongress eingeräumt“, stellt Mettan klar.

    Doch in den westlichen Medien bleibt Russland nach wie vor die Gefahr. Und wie vor tausend Jahren kämen auch heute die gleichen zwei Vorurteile zum Einsatz. „Der Westen ist die Verkörperung des Guten: Universelle Werte, Demokratie, Freiheit – vor allem die wirtschaftliche. Russland steht für Autokratie, Nationalismus und die Ablehnung individueller Freiheit“, konstatiert Mettan.

    Diese Schwarz-Weiß-Malerei werde der Öffentlichkeit schamlos aufgezwungen. Auf diese Weise werde die erneute Militarisierung Europas und die Verstärkung der Nato flankiert, deren Ausweitung gen Osten seit 20 Jahren nicht aufhört. „Nun ist Montenegro an der Reihe, von solchen Nato-Vasallen wie der Ukraine, Schweden und Georgien ganz zu schweigen. Und selbst die neutrale Schweiz beteiligt sich am Militärmanöver der Allianz“, so der Historiker.

    Die Redakteure westlicher Medien würden sich nicht wie Profis verhalten, die die Öffentlichkeit aufklären wollen, sondern wie Regisseure. Sie verteilen Rollen in einem Szenario: Die guten westlichen Länder und die bösen Russen. Der Großteil westlicher Medieninhalte bestehe aus dieser Bewusstseinsmanipulation, unterstreicht der schweizerische Professor und Diplomat.

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    Tags:
    Russophobie, Guy Mettan, Russland