Widgets Magazine
17:20 15 Oktober 2019
SNA Radio
    Alt-Stadt von Aleppo. Syrien

    Assads Sturz ist den USA wichtiger als Terrorbekämpfung – Experten

    © Sputnik / Mikhail Alaeddin
    Politik
    Zum Kurzlink
    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
    3932
    Abonnieren

    Russische Außen- und Militärexperten haben in Interviews mit Sputnik den Verzicht der USA, die Verhandlungen zur Regelung der Lage in Syrien fortzusetzen, kritisiert. Allerdings ist dieses Verhalten für sie keinesfalls überraschend.

    Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Föderationsrat (russisches Oberhaus, Konstantin Kossatschow, bezeichnete die jüngsten Handlungen der USA als durchaus kalkulierbar. „Das Ziel der USA war von Anfang an der Wechsel des Regimes im Land gegen ein solches, das aus der Sicht der amerikanischen Interessen bequemer und loyaler ist", sagte er.

    „Zuerst versuchten sie, als Vorwand das Vorhandensein von Chemiewaffen in Syrien zu nutzen. Das war nicht gelungen. Russlands Eingreifen hatte das Szenario in eine andere Bahn gelenkt. Mehrere Jahre später war es gelungen, die Bürgergesellschaft in Syrien aufzuwiegeln, einen Bürgerkrieg zu provozieren und die Opposition moralisch, finanziell und durch direkte Waffenlieferungen zu unterstützen", so Kossatschow. 

    Die Bekämpfung des Terrorismus sei für die USA eine zweitrangige Aufgabe, die man auch nach dem Machtwechsel lösen könne. Russland sehe dies anders, es bleibe ein Anhänger des politischen Prozesses und halte die Vernichtung des Terrorismus auf dem Territorium Syriens für die Hauptaufgabe. Außerdem sei dieses Problem nur gemeinsam zu bewältigen, „indem die Bemühungen Russlands, der USA und anderer Länder koordiniert und ebenso die Bemühungen der Regierung und der gemäßigten Opposition in Syrien selbst konsolidiert werden". 

    Dieselbe Auffassung vertritt der Vizechef des USA- und Kanada-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Pawel Solotarjow:

    „Die USA wollen heutzutage nicht auf ihr Hauptzieles verzichten, Bashar al-Assad zu stürzen", so Solotarjow. Die USA hätten nicht begriffen, dass danach ein noch schlimmeres Chaos im Lande ausbrechen werde, oder vielleicht seien sie sich völlig darüber im Klaren — dennoch seien sie der Hoffnung, „irgendwie aus dieser Situation herauszufinden".

    Die strategischen Ziele der USA in Syrien beständen nach wie vor darin, den legitimen Präsidenten Syriens, Bashar al-Assad zu stürzen oder zu vernichten, sagte der Militärexperte und Chefredakteur der Zeitschrift „Nazionalnaja Oborona" („Nationalverteidigung"), Igor Korotschenko.

    Die USA hätten demonstriert, dass sie kein zuverlässiger Partner seien, und  mit ihrem Beschluss faktisch den internationalen Terrorismus in Syrien unterstützt, indem sie  ihr Bestes getan hätten, um die endgültige Vernichtung der Terroristen zu verhindern, sagte Korotschenko.  Einer der Schlüsselpunkte der Vereinbarung  zwischen Lawrow  und Kerry sei die Trennung  der von ihnen kontrollierten gemäßigten syrischen Opposition und der Kräfte der Al-Nusra-Front gewesen, die die Angriffe gegen die Stellungen  der Terroristen durch die russische Luftwaffe und die US-angeführte Koalition ermöglichen sollte. Die USA hätten das nicht getan, betonte Korotschenko. Mehr noch, sie hätten einen offenen Informationskrieg eingeleitet und versuchen, Russland für die fehlende Friedensregelung  in Syrien verantwortlich  zu machen. 

    Der Verzicht der USA auf die Verhandlungen werde sich auf die Situation in Syrien „nur negativ auswirken", ist sich Solotarjow sicher.  Der Anstieg der Verluste unter der Zivilbevölkerung sei eine objektive Gesetzmäßigkeit. „Das sind objektive Verhältnisse der gegenwärtigen bewaffneten Konflikte", sagte er.  Dies hätten die Amerikaner selbst bei den Militäroperationen in Afghanistan und dem Irak veranschaulicht, als es ähnliche Aktivitäten ihrerseits und Verluste gegeben habe.

    „Und dass sich die amerikanische Seite damit befasst, uns immer massiver zu beschuldigen, das ist natürlich nicht ehrlich", betonte er. 

    Die USA hätten endgültig auf den Einsatz von militärischer Gewalt gesetzt, aber nicht etwa  gegen die Terroristen, sondern gegen das Regime, sagte Kossatschow. „Erst danach wollen sie darüber nachdenken, was sie weiter tun sollen. Sie haben auf diese Weise im Irak und in Libyen gehandelt, und jetzt sehen wir, was da heraus gekommen ist", so Kossatschow.

    Diese Vorgehensweise werde zu einer „Degradation der Situation" und zur Besetzung neuer Territorien durch die Terroristen führen, sagte er.

    Die Terrorbekämpfung in Syrien werde deswegen einen dauerhaften, unberechenbaren und blutigeren Charakter annehmen, fügte Korotschenko hinzu.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)

    Zum Thema:

    Syrische Armee auf Vormarsch: Terroristen erleiden ernsthafte Verluste
    De Mistura zu Syrien-Regelung: Russland und USA haben gemeinsames Interesse
    Moskau: Müssen um Militär-Kanäle zu USA in Syrien kämpfen
    Moskau: USA scheitern in Syrien und machen Russland verantwortlich
    Lawrow zu Syrien: Gewaltbefürworter sprengten Russland-USA-Abkommen
    Tags:
    Verzicht, Verhandlungen, Pawel Solotarjow, Konstantin Kossatschow, Igor Korotschenko, Syrien, USA, Russland