20:40 18 November 2017
SNA Radio
    Tag der Deutschen Einheit in Dresden

    AfD Sachsen: „Tag der Deutschen Einheit eher Tag des Nachdenkens als des Feierns“

    © REUTERS/ Fabrizio Bensch
    Politik
    Zum Kurzlink
    111377643

    Auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sieht Dr. Thomas Hartung, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen, kein geeintes Deutschland. Dass diese Meinung viele teilen, zeigten die Proteste bei der Einheitsfeier in Dresden am Wochenende, an denen auch er teilnahm.

    „Wir sind der Ansicht, das wir noch sehr weit von einer Demokratie in unserem Sinne entfernt sind“, sagte er in einem Sputnik-Interview. „Weit entfernt von dem, wofür wir 89/90 auf die Straße gegangen sind.“

    Die AfD werde aus dem politischen Diskurs einfach ausgegrenzt. Die Direktiven kämen eben heute aus Washington oder Brüssel, während sie früher aus Moskau kamen. Daher sei der Tag der Deutschen Einheit für ihn mehr „ein Tag des Nachdenkens, aber nicht unbedingt des Feierns“.

    Auf die Frage, wie geeint seiner Meinung nach Deutschland nach 26 Jahren nun ist, antwortete Thomas Hartung: „Das, was uns heute als Einheit verkauft wird, war ja letztendlich ein Beitritt, den die letzte DDR-Volkskammer nicht einstimmig beschlossen hat. Und genau diese Art der Aufarbeitung, die danach hätte stattfinden müssen, die von sehr vielen Intellektuellen auch angemahnt wurde, hat einfach noch nicht stattgefunden.“ Diese fehlende Aufarbeitung schlage nun zurück. 

    Nicht rechtsextrem, sondern asylkritisch: Sachsens eigener Blick auf Pegida

    Damals habe es ein Ideal von Demokratie gegeben und man habe vermutet, die Bundesregierung würde es teilen. Im Rückblick werde nun aber klar, dass die heutige Politik der Bundesregierung nicht mit den Idealen der Bundesregierung übereinstimmen, äußerte der AfD-Politiker. Man sei für mehr Mitbestimmung und Basisdemokratie auf die Straße gegangen und würde genau das bis heute schmerzlich vermissen. Auch die Meinungsfreiheit sei nicht gegeben, so Hartung.

    Auf die Frage, warum gerade in Sachsen die Proteste so groß seien, antwortete Thomas Hartung, Sachsen wäre eben ein sehr konservatives Bundesland und Dresden eine konservative Stadt, man habe prinzipiell ein relativ gespanntes Verhältnis zu Berlin. Die Ursache dafür sieht Hartung darin, dass die Sachsen stolz darauf seien, was sie in den Wendejahren 89/90 und auch danach geleistet hätten: „Viele sind der Meinung, dass sie einfach nicht die Früchte geerntet haben, die ihnen eigentlich jetzt, nach einem Vierteljahrhundert, zustehen.“

    Zum Thema:

    Uneinige Einheitsfeier in Dresden: Merkel und Gauck ringen um Respekt ihrer Bürger
    Tag der deutschen Einheit in Dresden: Polizeiautos in Brand gesteckt
    Tags:
    Partei Alternative für Deutschland (AfD), Thomas Hartung, Deutschland, Sachsen, Dresden
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren