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21:39 23 Juli 2019
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    Durchsuchung in Chemnitz nach einem geplanten Bombenanschlag

    "Wie in Brüssel und Paris“: Plante Syrer al-Bakr in Chemnitz einen Terroranschlag?

    © AFP 2019 / Hendrik Schmidt / dpa
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    Nach dem Bombenfund von Chemnitz am vergangenen Wochenende wurde der Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr in Leipzig festgenommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Syrer Kontakt zum IS hatte. Auch habe der Mann ein Attentat mit einem Sprengstoffgürtel hier in Deutschland geplant - ähnlich wie bei den Anschlägen in Paris und Brüssel.

    Zwei Tage war das Bild des flüchtigen Syrers Dschaber al-Bakr in allen Medien. Nach dem Bombenfund in Chemnitz hatte die Polizei den bundesweit gesuchten Terrorverdächtigen dann am Montagmorgen in Leipzig festnehmen können. Dies war allerdings weniger ein Erfolg der Ermittlungsbehörden. Vielmehr konnte der 22-Jährige durch die Mithilfe zweier syrischer Landsleute gefasst werden, die den mutmaßlichen Attentäter erkannten und in ihrer Wohnung festhielten.

    Sachsens Innenminister Markus Ulbig verkündete bei einer anschließenden Pressekonferenz, dass der junge Mann noch am gleichen Tag einem Haftrichter in Dresden vorgeführt wurde. Der CDU-Politiker bestätigte auch, dass es sich bei al-Bakr um einen anerkannten Flüchtling aus Syrien handele, der bereits Anfang vergangenen Jahres nach Deutschland eingereist war:

    „Er wurde am 19. Februar 2015 in der Erstaufnahmeeinrichtung München registriert und einen Tag später in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Chemnitz gebracht. Im Februar 2015 stellte er beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Chemnitz einen Asylantrag. Dem wurde dann stattgegeben. Er hat also eine befristete Anerkennung auf drei Jahre. Bisher waren von ihm keine besonderen Auffälligkeiten bekannt.“  

    Der Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler möglicherweise Kontakte zur Terrororganisation Islamischer Staat. Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprächen derzeit für einen "IS-Kontext", so der Leiter des Landeskriminalamts Sachsen, Jörg Michaelis.

    BND und Bundesamt für Verfassungsschutz wurden aufgrund von verschiedenen Hinweisen ausländischer Nachrichtendienste auf den Fall aufmerksam. Laut Michaelis habe der Syrer gezielt auf einen Terroranschlag hingearbeitet:

    • Terroranschläge in Paris
      Terroranschläge in Paris
      © AP Photo / Jacques Brinon
    • Explosionen am Flughafen Brüssel
      Explosionen am Flughafen Brüssel
      © AP Photo / Ketevan Kardava/ Georgian Public Broadcaster
    • Nach dem Terrorüberfall auf den Club Bataclan in Paris, Freitag, 13. Nov. 2015
      Nach dem Terrorüberfall auf den Club "Bataclan" in Paris, Freitag, 13. Nov. 2015
      © AFP 2019 / Miguel Medina
    • Terroranschläge in Paris
      Terroranschläge in Paris
      © REUTERS / Christian Hartmann
    • Nach verheerender Explosion im Brüsseler Flughafen
      Nach verheerender Explosion im Brüsseler Flughafen
      © REUTERS / Het Nieuwsblad
    • Terroranschläge in Paris
      Terroranschläge in Paris
      © REUTERS / Christian Hartmann
    • Nach verheerender Explosion im Brüsseler Flughafen
      Nach verheerender Explosion im Brüsseler Flughafen
      © REUTERS / Het Nieuwsblad
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    © AP Photo / Jacques Brinon
    Terroranschläge in Paris

    „Nach diesen Informationen hatte al-Bakr im Internet Recherchen zur Herstellung von Sprengsätzen durchgeführt und sich entsprechende Grundstoffe beschafft. Es musste davon ausgegangen werden, dass der Sprengsatz möglicherweise in Form einer Sprengstoffweste kurz vor der Fertigstellung steht oder sogar einsatzbereit ist.“ 

    Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei am Samstag in Chemnitz mehrere hundert Gramm hochexplosiven Sprengstoff sichergestellt. Ein möglicher Komplize des Hauptverdächtigen, der 33-jährige Wohnungsmieter, kam in Untersuchungshaft. Er ist ebenfalls Flüchtling und war Mitte Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Chemnitz gezogen.

    Über das Wochenende waren die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen daraufhin verschärft worden. Die Bundesanwaltschaft führt nun die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

    Insgesamt waren zahlreiche deutsche Sicherheitsbehörden und Einsatzkräfte an dem Fall beteiligt, so Innenminister Ulbig:

    „Es ist ein großartiger Erfolg. Er zeigt, dass die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern ganz konsequent und auch erfolgreich zusammenarbeiten. Mein Dank gilt an dieser Stelle den Mitarbeitern von Polizei, Verfassungsschutz — zuallererst natürlich hier bei uns im Land Sachsen, aber auch in anderen Ländern und beim Bund — den Spezialeinheiten, den Ermittlern, denen die im Bereich der Fahndung tätig gewesen sind.“

    Das Landeskriminalamt Sachsen wehrt sich derweil gegen Kritik an ihrem Vorgehen in Chemnitz. Trotz eines Warnschusses konnte Dschaber al-Bakr dort bei dem Einsatz am Samstag entkommen. Die Einsatzkräfte seien dem Tatverdächtigen dann nicht einfach gefolgt, weil unklar war, ob der Mann möglicherweise Sprengstoff bei sich hatte. Das bis dahin noch nicht evakuierte mehrstöckige Wohnhaus habe deshalb geschützt werden sollen.

    Vor allem über soziale Netzwerke hätten die Behörden laut Sachsens Innenminister daraufhin eine Vielzahl von Hinweisen erhalten, ebenso wie angebotene Hilfe und Anteilnahme. Es habe zu einem kleineren Prozentsatz aber auch ein negatives Echo gegeben, so Ulbig weiter:

    „Die übrigen zehn bis 20 Prozent, das muss man klar konstatieren, waren rassistische Hassparolen und auch sinnlose Anmerkungen. Menschen, die in einer solchen Einsatzlage die Situation für ihre Zwecke missbrauchen und miese Stimmung gegen Asylbewerber und Flüchtlinge verbreiten, den erteilen wir eine ganz klare Absage.“

    So Sachsens Innenminister Markus Ulbig bei der Pressekonferenz am Montagmittag in Dresden.

    Die Bundesregierung dankte etwas später auch dem Syrer, der die Polizei über den Aufenthaltsort des Verdächtigen informiert hatte und somit entscheidend zur Festnahme beigetragen habe, so Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer.

    Innenminister Thomas de Maizière sieht auch Parallelen zu früheren Anschlägen: Die Vorbereitungen in Chemnitz ähnelten nach allem, was man heute wisse, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel. Der Minister betonte, dass die Bedrohungslage in Deutschland "unverändert hoch" sei.

    Die CSU forderte angesichts der Geschehnisse eine lückenlose Überprüfung aller Flüchtlinge. Auch all jene, die bereits im Land seien, müssten unter Beiziehung der Nachrichtendienste überprüft werden, so CSU-Chef Horst Seehofer.

    Autor: Marcel Joppa

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Chemnitz, Syrien