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    Wiederkehrende Eiszeit: „Russland war nie bereit, sich in die US-Welt einzubetten“

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    Politik
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    Die Beziehungen zwischen Russland und den USA gestalten sich zyklisch: Jede neue Präsidentschaft beginnt mit einem Tauwetter und endet dann mit einer Zuspitzung, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow feststellt. Er bietet eine Erklärung für das immer wieder entbrennende Zerwürfnis an.

    In einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru schreibt Lukjanow: „Der Sprecher des US-Außenministeriums verspricht Russland neue Verluste in Syrien. Das russische Verteidigungsministerium macht indes die amerikanischen ‚Strategen‘ (ausgerechnet so, in Anführungsstrichen) darauf aufmerksam, welche Reichweite die S-300- und S-400-Luftabwehrsysteme am Stützpunkt Hmeimim haben. Generell nähert sich die Informations-Atmosphäre den schlimmsten Mustern von Anfang der 1980er Jahre und geht in gewisser Hinsicht sogar weiter.“

    „Um nicht endgültig in Schwermut zu verfallen, muss man darauf hinweisen, dass die Laufbahn der russisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Kalten Krieg eigentlich äußerst stabil ist. Sie ist an die Wahlperioden gebunden. Innerhalb jeder davon sind zwar Schwankungen in diese oder in jene Richtung möglich, doch zum Schluss kommt es auf jeden Fall zu einer Zuspitzung“, so Lukjanow. 

    Verfehlte Welt-Dominanz: „Die USA sind in eine sehr gefährliche Phase eingetreten“

    In Bezug auf die Präsidentschaft von George W. Bush und dessen Beziehungen mit Wladimir Putin habe sich das Schema wiederholt: „Alles fing mit einer gegenseitigen Sympathie beim ersten Treffen in Ljubljana an. Ab September 2001 gab es einen rasanten Aufstieg, als sich Russland und die USA nahezu als Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus erwiesen (…) Im August 2008 (Bush war noch im Amt, Putin inzwischen Ministerpräsident) kam es dann zum russisch-georgischen Krieg, wobei die Beziehungen zwischen Russland und den USA ihren Tiefpunkt seit dem Kalten Krieg erreichten.“   

    Unter Barack Obama habe alles von Neuem begonnen, eine Entspannung mit Russland sei angekündigt worden: „Medwedew und Obama sympathisierten miteinander, es wurde aktiv am New-START-Vertrag gearbeitet, das Raketenabwehr-Programm der USA wurde vorübergehend ausgesetzt. Es gab Iran-Gespräche, Russland wurde WTO-Mitglied. All dies geschah vor dem Hintergrund des ‚Arabischen Frühlings‘, des Libyen-Einsatzes, der zunehmenden Syrien-Differenzen, der Wiederwahl Putins, der Überraschungen wie jener mit Edward Snowden, der Ukraine und erneut Syriens.“ 

    Lukjanow erläutert, was dem Zerwürfnis aus seiner Sicht zugrunde liegt: „Strukturell war Russland nie bereit, sich in die US-regierte Welt einzubetten, hatte aber nicht genug Kraft für eine ernsthafte Herausforderung. Den USA mangelte es indes immer an Kraft, um diese Welt richtig aufzubauen; sie sind aber auch nicht bereit, auf diese Idee zu verzichten.“  

    „Die zyklische und phasenartige Verschlechterung der Situation hat an eine äußerst gefährliche Grenze geführt. Der Grund: Das vor 25 Jahren imaginierte Modell der Weltordnung hat sich endgültig ausgeschöpft. Die Frage ist nun, zu welchem Stand und auf welche Weise man übergehen wird. Und die US-Präsidentschaftswahl möchte man möglichst schnell hinter sich bringen. Es gibt dann zumindest eine kurze Atempause – egal, wer die Wahl gewinnt“, so der Kommentar.

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    Tags:
    Wladimir Putin, George H. W. Bush, Fjodor Lukjanow, Syrien, Russland, USA