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    Das Märchen vom Fachkräftemangel? – Ein Experte klärt auf

    © AFP 2019 / Tobias Schwarz
    Politik
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    Das große Jammern der Industrie um den Fachkräftemangel reißt nicht ab. Nun stellen die Grünen einen "Fünf-Punkte-Plan-zur-Fachkräfte-Einwanderung" vor. Der Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Karl Brenke sagt: "Es gibt keinen Fachkräftemangel in Deutschland".

    Bei dem neuen „Fünf Punkte Plan zur Fachkräfte-Einwanderung“ soll eine Einwanderungskommission gebildet werden, die jährlich eine Aufnahmequote für Fachkräfte und Hochqualifizierte aus dem Ausland anhand von „transparenten Kriterien“ festlegt. Die ausgewählten Fachleute sollen eine sogenannte „Talentkarte“, also ein einjähriges Visum zur Arbeitsplatzsuche, erhalten.

    Die Debatte um Fachkräfte sowie neue Zuwanderungsgesetze seien in Deutschland überflüssig, da bereits alles geregelt und der Markt im Hinblick auf die EU völlig frei sei, kritisiert der Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Karl Brenke.

    „Nach meinen Berechnungen haben wir gar keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Wenn es einen flächendeckenden  Fachkräftemangel geben würde, dann würde man auch sehen, dass sich die Löhne sehr viel schneller entwickeln, gerade bei Fachkräften. Das war aber in den letzten Jahren nicht der Fall.“ sagt der Arbeitsmarktexperte vom DIW im Interview mit Sputnik-Korrespondent Paul Linke.

    Außerdem besteht für Personen aus Drittstaaten bereits eine Regelung, die sogenannte Blaue Karte EU, die die Fachkräftezuwanderung seit 2012 regelt. Der Nutzen der Blauen Karte EU für den Arbeitsmarkt ist umstritten. Vor allem Gewerkschaften sehen diese als Einladung zum Lohndumping. Es seien jedoch nicht sehr viele Leute gekommen, meint der Experte.

    „Da stellt sich die Frage: Warum ist das so? Die erste Frage, die sich stellt: Werden Fachkräfte überhaupt gebraucht? Die zweite Vermutung wäre: Wenn es tatsächlich so wäre, dass Fachkräfte gebraucht werden, aber es trotzdem einen Mangel gibt, dann scheint Deutschland nicht hinreichend attraktiv zu sein. Weiter stellt sich die Frage: Warum ist das so? Scheint das Lohnangebot nicht zustimmen?“ so Karl Brenke.

    Trotz der geringen Nachfrage wurden im Jahr 2015 in Deutschland rund 14.500 Karten ausgegeben. Somit entfallen immerhin 87 Prozent aller Blue Cards in der EU auf die Bundesrepublik.

    Natürlich gibt es Berufsgruppen, bei denen tatsächlich Arbeitskräfte knapp sind. So sei davon der Pflegebereich stark betroffen. Hier müsse man sich nicht wundern: Arbeitskräfte seien hier deswegen knapp, weil die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen schlecht sind, so der Experte.

    „Hier ist die Bildungspolitik, aber vor allem sind die Arbeitgeber selbst gefragt, was Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten anbelangt und nicht zuletzt die Entlohnung. Ich würde sagen, es geht um Publicity und im Kern um viel Rauch um nichts“, meint Brenke.

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    Tags:
    Arbeitslosigkeit, Deutschland