03:13 24 Oktober 2020
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    Russland hat die atlantische Weltordnung herausgefordert. Die aktuelle Eskalation hängt damit zusammen, dass die Positionen der USA im Nahen Osten schwächer werden. Die Syrien-Krise stört den US-Einfluss, weshalb Washington Moskau unter Druck setzt, wie die russische Onlinezeitung vz.ru in einem Kommentar feststellt.

    Vz.ru schreibt: „Russland und der Westen sind seit Sommer 2013 auf dem geopolitischen Kriegspfad – also seit dem Fall Snowden und der ausgebliebenen US-Attacke auf Damaskus. Alles Weitere, einschließlich der Ukraine, der Krim, der Sanktionen und des russischen Syrien-Einsatzes, war nur eine Folge und eine Fortentwicklung des damals begonnenen Konflikts.“

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    Von einer Rückkehr auf den einstigen Stand könne nicht die Rede sein. Russland habe die „atlantische Weltordnung herausgefordert“. Es nehme allerdings vielleicht fünf, zehn oder zwanzig Jahre in Anspruch, eine grundsätzliche Änderung der weltweiten Spielregeln zu verankern: „Doch Russland, China und die ganze Menschheit haben keine plausible Alternative.“

    Die Konfrontation könne vorübergehend zu- und abnehmen. Die derzeitige Zuspitzung des Konflikts hänge insbesondere mit der Verschlechterung der US-Positionen im Nahen Osten und konkret in Syrien zusammen, indem Russland dort stärker werde. Eine Rolle spiele auch der US-Wahlkampf, hieß es. 

    „Die Syrien-Krise ist ein Stein am Hals des US-Einflusses im Nahen Osten. Nach Russlands Eingriff müssen die USA diese Krise möglichst schnell lösen. Je länger sie dauert, desto mehr sind die Nahostländer von den USA enttäuscht“, so der Kommentar.

    Washington wolle die Krise ohne große Zugeständnisse gegenüber Moskau lösen und dessen künftigen Einfluss in der Region einschränken: „Für diese Zwecke muss man nicht nur Vereinbarungen auf Ebene von (US-Außenminister John – Anm. d. Red.) Kerry treffen, sondern auch den Kreml unter Druck setzen und die allgemeine Atmosphäre in den russisch-amerikanischen Beziehungen anheizen.“ 

    Russland setze strategisch nach wie vor auf den Aufbau einer multipolaren Welt: „Darauf wird in allen Richtungen und Dimensionen der globalen Politik und Wirtschaft hingearbeitet. Doch taktisch können wir ruhig auf eine neue Phase im Rahmen der aktuellen Konfrontation mit dem Westen warten, und zwar darauf, dass die heutige ‚psychologische Attacke‘ gegen Russland durch eine ‚Entspannung im Rahmen des Konflikts‘ abgelöst wird.“

    Laut vz.ru ist eine (zumindest vorübergehende) Entspannung im kommenden Jahr zu erwarten – unabhängig vom Wahlausgang in den USA, in Frankreich und in Deutschland: „Selbst wenn Clinton und Juppé die Präsidentschaftswahlen gewinnen, während ein standhafter Atlantiker zum neuen Bundeskanzler wird, bleiben die bereits laufenden Vorgänge bestehen: Der US-Einfluss auf die weltweiten Angelegenheiten geht zurück, die atlantische Einheit wackelt. Washington, Berlin und Paris werden sich (wenn auch mit verschiedenen Motiven) um einen Abbau der Spannungen mit Russland bemühen.“

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    Tags:
    Russland, Syrien, USA