05:12 23 März 2017
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    Syrischer Panzer (Archivbild)

    Warum der Westen die Assad-Truppen stoppen will: „Schrecklicher als IS-Sieg“

    © AFP 2017/ Georges Ourfalian
    Politik
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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Die von Russland abgelehnte französische UN-Resolution könnte sich als „Falle“ für Baschar Assad erweisen, erläutert der russische Politik-Experte Georgi Bowt. Er klärt darüber auf, warum der Westen die syrischen Regierungstruppen daran hindern will, Aleppo zurückzuerobern.

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ skizziert Bowt zunächst die zentralen Schwerpunkte des französischen Resolutionsentwurfs: „Dieser sah eine Luftraumsperre über dem syrischen Aleppo vor, dessen östlicher Teil von den Assad-Truppen belagert ist, wobei die russische Luftwaffe ihnen beisteht. Vorgesehen war auch eine ‚Verantwortung‘ der Konfliktparteien (darunter auch der Regierung in Damaskus) für Verstöße gegen die Waffenruhe.“

    Die französische UN-Resolution könnte laut Bowt zu einer „Falle“ für Assad werden. Der libysche Diktator Muammar Gaddafi habe das einst erlebt. Die Einführung einer Flugverbotszone mit dem drauffolgenden Eingreifen der Nato-Kampfjets sei damals auf den Sturz des libyschen Regimes hinausgelaufen. 

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    „Damals vertraute Russland sich dem Westen an und ließ die Resolution passieren. Der Westen machte davon Gebrauch und ging schnell über den Rahman jener UN-Resolution hinaus, indem er auf der Seite der islamistischen Rebellen eingriff. Daraus resultierte nicht nur Gaddafis Sturz, sondern auch der faktische Zerfall des Landes, wo ein staatliches Regierungssystem bis heute ausbleibt und Chaos herrscht. Nun beschloss Moskau, seine Fehler nicht zu wiederholen“, kommentiert der Experte.

    Seine Prognose: „Hätte der UN-Sicherheitsrat die französische Resolution angenommen, könnten die weiteren Geschehnisse wie folgt aussehen. Man würde eine Flugverbotszone einrichten und einen Waffenstillstand ausrufen. Dann könnte etwa die Al-Nusra-Front (wie voriges Mal bei der vereitelten Waffenruhe) das Feuer gegen die Regierungstruppen eröffnen und Assad dazu zwingen zurückzuschießen.“

    Dies wäre laut Bowt ein Anlass, dem syrischen Präsidenten Verstöße gegen die Waffenruhe vorzuwerfen und US-geführte Luftangriffe gegen ihn zu starten: „Das haben wir bereits in Jugoslawien, Libyen und an vielen anderen Orten gesehen.“ 

    „Das Thema einer ‚humanitären Katastrophe‘ in Aleppo wurde inzwischen zu einer Dominante bei westlichen Medienberichten über Syrien. Als ob es dort keine grausame IS-Gruppe mehr gibt. Als ob die Islamischen vom östlichen Aleppo aus nicht jene Stadtteile unter Beschuss nehmen, die von den Regierungstruppen kontrolliert werden, wobei die Zahl der Zivilisten dort dreimal so hoch ist wie im Ostteil“, schreibt Bowt weiter. 

    Er schlussfolgert: „Der Westen und die sunnitischen Golf-Monarchien wollen bloß nicht, dass Assad die zweitgrößte Stadt des Landes, Aleppo, völlig unter seine Kontrolle stellt. Denn dies würde nicht nur eine grundlegende Wende im Krieg bedeuten, sondern auch bestätigen, dass Moskau mit seinem Eingriff in den syrischen Konflikt im vergangenen Herbst Recht gehabt hatte; dass es Putin gelungen ist, seine ‚Dienstleistungen‘ im Sinne der Konfliktregelung ‚aufzuzwingen‘. Und dies scheint aus Sicht des Westens etwas Schrecklicheres zu sein als ein Sieg der IS-Gruppe.“

    Themen:
    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)

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    Terrormiliz Daesh, UN, Baschar al-Assad, Aleppo, Syrien