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    Iskander-Raketen in Kaliningrad: „Es ginge auch mit Wikingerschiffen“

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    Politik
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    Russische Iskander-Raketen in Kaliningrad (2016) (6)
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    Nachdem Russland Kurzstrecken-Raketensysteme des Typs Iskander in seine Ostsee-Exklave Kaliningrad verlegt hat, beschäftigen sich Experten mit den politischen Hintergründen und logistischen Einzelheiten.

    Der russische Militärexperte Konstantin Siwkow sagte der Agentur Ria Novosti: „Dass Russland seine Truppe im Gebiet Kaliningrad aufgestockt hat, ist ziemlich naheliegend – angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA. Die Verlegung der Iskander-Raketen in ein Gebiet, das an Nato-Standorte grenzt, ist eine prognostizierbare Reaktion auf mögliche Bedrohungen.“

    Auch Sergej Kisiun, einst Stabschef des mittlerweile aufgelösten russischen Militärbezirks St. Petersburg, hält die Iskander-Verlegung für eine völlig verhältnismäßige Reaktion auf die Stationierung von Luft- und Raketenabwehrsystemen in Polen.

    Kisiun sagte der Onlinezeitung gazeta.ru, die Region Kaliningrad biete einer Raketenbrigade genug Bewegungsraum an, um dort bei Bedarf zu manövrieren: „Das Gebiet ist außerdem waldreich genug, man kann sich problemlos vor Aufklärungsmitteln des angenommenen Gegners verstecken.“

    Die Onlinezeitung vz.ru berichtete über die Vorgeschichte: „Im November 2008 (kurz nach dem Südossetien-Krieg) hatte der damalige Präsident Dmitri Medwedew in seiner Ansprache vor dem Parlament angekündigt, Russland werde seine Iskander-Raketen ins Gebiet Kaliningrad verlegen, falls die USA ihre Raketenabwehr in Polen stationieren.“ Das europäische Raketenabwehr-Programm der USA sei dann zunächst gebremst, doch gegen Ende 2011 reanimiert worden, hieß es. 

    Im Hinblick auf die aktuellen Spannungen zwischen Moskau und Washington schreibt vz.ru, die Iskander-Verlegung nach Kaliningrad sei betont demonstrativ verlaufen: „Die Systeme wurden auf den Frachter ‚Ambal‘ verladen. Der Vorgang gestaltete sich bewusst so, dass ein US-Satellit ihn beobachten konnte. Die Erläuterung des russischen Verteidigungsministeriums, man habe damit die Funktions-Parameter dieses Satelliten klären wollen, sieht aus wie ein förmlicher Spott.“

    „Die Fähre ‚Ambal‘ ist dermaßen zivil, dass man leicht Tickets kaufen kann, um sich das dürftige Vergnügen zu sichern, die Ostsee von Nord nach Süd im Herbst zu überqueren (…) Für mehr Anschaulichkeit hätte man die Iskander-Raketen eigentlich auch mit Wikingerschiffen transportieren können“, so der Kommentar von vz.ru.

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe des Westens zurück und betonte, das Gebiet Kaliningrad sei russisches Territorium. „Die USA haben die Finanzierung für den Aufbau des Militärprogramms in Osteuropa vervierfacht. Ihre Militär-Infrastruktur nähert sie unserer Grenze (…) Die modernsten US-Kampfjets F-35 mit modernsten Atombomben-Versionen sollen nun vor der russischen Grenze stationiert werden, obwohl das kein US-Territorium ist“, sagte Lawrow in einem CNN-Interview.

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    Iskander, NATO, USA, Kaliningrad, Russland