00:47 15 Dezember 2019
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    CDU unter 30 Prozent - Politologe: Merkel kommuniziert nicht aufrecht mit Bürgern

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    In einer bundesweiten Umfrage erhalten die Unionsparteien CDU und CSU immer weniger Zustimmung. Der aktuelle Insa-Meinungstrend für die Bild-Zeitung erhebt für die Union eine Zustimmung von 29,5 Prozent. Professor Werner Patzelt sieht darin einen Beweis mangelnden Vertrauens in die Bundeskanzlerin.

    "Wenn die Union in den Umfragen weiter absackt und Richtung unter 30 Prozent geht, wird in CDU und CSU oberhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle die Suche nach einer Alternative zu Angela Merkel beginnen", hatte der Parteienforscher Werner Patzelt von der TU Dresden im Mai 2016 der "Passauer Neuen Presse" gesagt.

    Die jüngsten Umfragewerte beim aktuellen Insa-Meinungstrend sehen die Union bei 29,5 Prozent. Ist es nun also an der Zeit, nach einem Nachfolger für Merkel zu suchen?

    "Die CDU wird sich damit beruhigen, dass das noch innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegt“, so Professor Patzelt in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „Erst wenn sich bei mehreren Umfrageinstituten wiederholt Werte unterhalb von 30 Prozent einstellen sollten, wird wohl eine ernsthafte Diskussion einsetzen, ob die Kanzlerin, wenn sie sich denn bereit erklärt, die bestmögliche Kanzlerkandidatin wäre. Nachdem Frau Merkel aber noch gar nicht erklärt hat, was sie denn tatsächlich anstrebe, eine erneute Kanzlerschaft, oder ob sie Platz machen wolle, ist das eine Diskussion, die in der Union auch noch gar nicht geführt werden kann, ohne erhebliche innerparteiliche Verstörungen auszulösen."

    Es sei sowieso kein Kandidat und keine Kandidatin abzusehen, die zumindest in gleicher Weise die Mehrheit der Partei hinter sich brächte, betonte der Experte. Infolge dessen schätzt Professor Patzelt, dass die Kanzlerin die Pflicht empfinden werde und auch objektiv habe zu kandidieren, ganz gleich wie schlecht die Umfrageergebnisse der CDU sind. Sie habe halt sämtliche möglichen Alternativkandidaten politisch aus dem Weg geschafft.

    Als Grund für die schlechten Umfragewerte sieht Patzelt weniger die Flüchtlingspolitik selbst. Die sei ja inzwischen weitestgehend korrigiert worden:

    „Es ist eher ein Beweis mangelnden Vertrauens in die Kanzlerin. Sie hat zwar ihre Politik geändert, aber nie erklärt, dass sie es getan hat. Sie hat sich dem Gespräch über die Probleme, welche die AfD groß gemacht haben, bislang verweigert. Infolgedessen personifiziert sich in ihr dasjenige, was eine beachtenswerte Minderheit im Land an der politischen Klasse nicht mag, nämlich stures Festhalten an einem Kurs — zumindest rhetorischer Art — und keine aufrechte Kommunikation mit der Bürgerschaft."

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    CDU, Angela Merkel