04:24 25 November 2020
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    Die EU verstärkt ständig die Sicherheitsbesorgnisse Moskaus statt einen wahren Versöhnungsdialog mit Präsident Wladimir Putin aufzunehmen, schreibt Renaud Girard in der französischen Zeitung „Le Figaro“.

    Bei der nächsten Sitzung des Europäischen Rates am 20. und 21. Oktober werden die europäischen Staats- und Regierungschefs offenbar die Verschärfung der antirussischen Sanktionen besprechen, wie es im Artikel heißt. Dies deutete bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Allerdings sollte sich Frankreich Gedanken darüber machen, ob man Deutschland folgen oder sich für eine eigene Politik entscheiden soll. Es liegt auf der Hand, dass die europäische Sanktionspolitik gegen Moskau kontraproduktiv ist und den Kurs einer sturen und stolzen Nation wie Russland nicht ändern kann, so Girard.

    „Die europäischen Handelssanktionen trafen unsere eigenen Industrie- und Agrarproduzenten. Sie vergifteten unsere Beziehungen zu Russland, wobei die Position des Kremls bei der Ukraine-Frage unverändert blieb“, schreibt der „Le Figaro“-Journalist.

    Laut Girard sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen derzeit in einem trübseligen Zustand. Moskau sei davon überzeugt, dass gegen Russland Verschwörungen geplant und Einmischungen vorbereitet werden. Das Nato-Vorgehen verschärft die russische Paranoia bezüglich der Sicherheit. Die Strategie der EU und der USA sei auf die Abschreckung Russlands gezielt, führe jedoch zu entgegengesetzten Ergebnissen, so der Kolumnist.

    Parallele zur UdSSR-Zerfall: „Die EU hat noch Zeit, um sich zu besinnen“

    Dem Verfasser zufolge befinden sich Russland und der Westen in einem Teufelskreis. Moskau verteidigt seine Grenzen und könne sich deswegen in benachbarte Länder einmischen, während der Westen Sanktionen ergreift und seine Militärstärke ausbaut, was Russland noch mehr beunruhige.

    Darüber hinaus sei Russland mittlerweile ein westliches Land und für den Westen sei es wichtig, dass Moskau bei einer möglichen Konfrontation mit China auf der Seite der EU und der USA stehe. Außerdem, so heißt es im Artikel, spielt Russland eine Schlüsselrolle im Nahen Osten, wo es gegen den Terrorismus kämpft. Ohne Moskau werde es unmöglich sein, den Krieg in Syrien zu beenden.

    „Wir verurteilen Russland wegen der Einmischung in Syrien, doch ohne Russland wäre Damaskus im September 2015 in die Hände der Islamisten geraten, im Lande hätte der Genozid der Schiiten und bestenfalls die Vertreibung der Christen begonnen“, so Girard.

    Russland müsse in die europäische Familie zurückgeholt werden und um das zu erreichen müsse man zuallererst mit Moskau eine Einigung erzielen. Die Seiten sollten ihre wichtigsten Interessen nennen und nach Berührungspunkten suchen. Darüber hinaus sollte sich der Westen daran erinnern, dass die geopolitischen Forderungen Russlands berechtigt sind. Frankreich könnte bei der Versöhnung Russlands und der EU eine Vermittlerrolle spielen, was die Positionen von Paris in Europa stärken würde, schreibt der Kolumnist.

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    Tags:
    EU, Angela Merkel, USA, Russland