04:14 23 Juni 2018
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    Befreiung von Mossul – Irakische Offensive gegen IS

    Mossul-Offensive: US-Strategie führt in Katastrophe

    © AFP 2018 / Ahmad Al-Rubaye
    Politik
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    Washingtons Außenpolitik fußt auf falschen Grundsätzen und erzeugt deshalb permanent Probleme – auch im Irak, wie Oberstleutnant a. D. der US-Armee, Daniel Davis, in einem Gastbeitrag für The National Interest schreibt. Demnach kann auch die Schlacht um Mossul in einer Katastrophe enden.

    Dass die US-geführte Koalition vor erheblichen Problemen stehe, sei schon vor Beginn der Offensive gegen die IS-Terrormiliz in der nordirakischen Stadt Mossul klar gewesen, schreibt Davis. Zwar habe die Befreiungsoperation erst in der Nacht auf Montag begonnen, doch schon jetzt sei deutlich, dass es schwieriger sei, die vielen politischen und diplomatischen Hürden zu überwinden, als den IS in der Stadt selbst zu bekämpfen.

    Deshalb kann auch die Schlacht um Mossul in einer Katastrophe enden – vor allem für die Zivilbevölkerung. Millionen von Menschen würden ihre Häuser verlassen müssen. Dabei fehle es den Hilfsorganisationen laut Vereinten Nationen an Geld, „um sich angemessen auf den Worst case vorzubereiten“, warnt der Militärexperte. Es entstehe der Eindruck, dass die irakische Führung das Ausmaß der humanitären Katastrophe herunterspiele und die Stadtbevölkerung nur dazu aufrufe, die Häuser nicht zu verlassen, sondern in der Stadt Schutz zu suchen. Der IS seinerseits hindere die Menschen daran, aus der Stadt zu fliehen. Wie Bagdad die Menschen in Mossul dann mit Wasser, Nahrung und Medikamenten versorgen wolle, sei noch völlig unklar. 

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    Das Kernproblem aber bestehe darin, dass die USA den Krieg im Irak beenden wollten, indem sie sich auf einen „unausgereiften Plan“ und eine „labile Koalition“ stützten, betont der ehemalige US-Oberstleutnant. „Washington verlässt sich im Kampf gegen den IS auf mehrere Kräfte mit gegenläufigen Interessen“, erklärt der US-Offizier.

    Dies macht Daniel Davis anhand der Kräfteverhältnisse in der Region deutlich: Die irakischen Streitkräfte hätten sich seit der IS-Invasion in 2014 nur teilweise regeneriert, schreibt er. Die kurdischen Peschmerga erklärten, sie würden alle Gebiete behalten, die sie vom IS zurückerobert haben. Iranische Schiiten hassen die irakischen Sunniten und drohten zudem bereits damit, US-Amerikaner umzubringen. Die irakischen Sunniten hätten ihrerseits eine Reihe ungelöster Probleme mit der irakischen Zentralregierung in Bagdad, die mehrheitlich von Schiiten gestellt wird. Die Türkei, ein Nato-Mitglied, habe Gebiete in zwei Nachbarstaaten besetzt und drohe damit, die Koalition zu zerschlagen, während der irakische Premierminister, Haider al-Abadi, Ankara offen mit Krieg drohe.

    Diese Situation sei Ergebnis des unnachgiebigen Strebens der US-Regierung, alle den eigenen Interessen zu unterwerfen – und zwar militärisch. Dabei pochten die Vereinigten Staaten ständig auf schnelle Lösungen „komplexer und vielschichtiger Probleme“, schreibt Davis. Eine Außenpolitik, die auf solchen Grundsätzen basiert, führe zur permanenten Vertiefung von Problemen und der Schwächung nationaler Sicherheit. Es sei an der Zeit, dass die USA ihre Neigung zum Intervenieren überwinden und sich mit Militäreinsätzen zurückhaltender zeigen, rät der Offizier.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Irak, USA, Mossul
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