17:22 25 September 2017
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    US-Geheimdienste stecken hinter Trump-Putin-Verschwörung – Newsweek-Journalist

    © AP Photo/ Robert F. Bukaty
    Politik
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    Der Fehler eines Sputnik-Redakteurs aus den USA hat womöglich zur Enthüllung der brisantesten Informationen seit Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes geführt: US-Geheimdienste scheinen aktiv die bevorstehende Wahl im November zu manipulieren, und dabei gleichzeitig Sputnik-Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten zu bespitzeln.

    Der 29-jährige amerikanische Sputnik-Journalist und Redakteur Bill Moran ist letzte Woche auf einen gefälschten, viralen Tweet hereingefallen. Der Post beinhaltete einen Screenshot der von WikiLeaks enthüllen E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfleiter John Podesta. Der Screenshot zeigte einen Ausschnitt eines Artikels über Bengasi, den „Newsweek”-Kolumnist Kurt Eichenwald unter dem Pseudonym „Sidney Blumenthal“ verfasst hatte. Moran las den Ausschnitt und veröffentlichte einen Artikel darüber – ohne anfangs zu wissen, dass dieser Ausschnitt ausschließlich Falschinformationen beinhaltet. 

    Der Redakteur bemerkte seinen Fehler nach knapp 20 Minuten und löschte den Artikel umgehend. Zu diesem Zeitpunkt war der Bericht rund 1000 Mal angeklickt worden.

    Gleichzeitig hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump denselben viralen Tweet bemerkt und ihn noch am selben Tag bei einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Pennsylvania zitiert. Trump behauptete, dass Blumenthal, eine angeblich enge Vertraute der demokratischen Kandidatin, selbst zugegeben hätte, dass Clinton Schuld an dem Angriff auf die US-Botschaft in Bengasi 2012 trägt.

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    Der menschliche Fehler des Redakteurs führte schließlich zu einem Artikel von Kurt Eichenwald für das Nachrichtenportal „Newsweek“ – über eine gewaltige Verschwörungstheorie, die man anders nicht nennen kann. Eichenwald beschuldigte Sputnik, und somit Russland, Trump zu unterstützen. Der Bericht wurde unter dem reißerischen Titel „Lieber Donald Trump und Wladimir Putin, ich bin nicht Sidney Blumenthal“ veröffentlicht.

    „Mein Name ist Sidney Blumenthal. Zumindest scheinen das Wladimir Putin und seltsamerweise auch Donald Trump zu glauben”, schrieb Eichenwald zu Beginn. „Und das sollte Bedenken auslösen – nicht nur über Moskaus Versuch, die Wahl zu manipulieren, sondern auch darüber, dass Trump russische Falschinformationen den amerikanischen Wähler  aufzwang.“ 

    Der „Newsweek“-Kolumnist wurde nach der Veröffentlichung seines dramatisierten Artikels zu sämtlichen amerikanischen Mainstream-Medien eingeladen, darunter auch von dem TV-Sender CNN. Sie alle boten Eichenwald die Möglichkeit, seine „Fakten“ darzustellen, ohne auch nur einmal bei Sputnik wegen eines Kommentars anzufragen.

    Gleichzeitig sahen es einige Journalisten – von denen viele, um es mild auszudrücken, nicht wirklich Sputnik zustimmen würden – als ihre Pflicht an, Widersprüche in Eichenwalds Artikel aufzudecken.

    John Passantino vom Portal „Buzzfeed” wies rasch darauf hin, dass Trump Ausschnitte des eigentlichen viralen Tweets zitierte, auf die auch der Sputnik-Redakteur Moran zu Beginn aufmerksam wurde – und nicht Ausschnitte des Spuntik-Artikels, der ja erst Stunden nach dem Post veröffentlicht wurde.

    Ebenso bemerkte der bekannte Journalist Glenn Greenwald schnell, wie lächerlich Eichenwalds Verschwörungstheorie ist – insbesondere für diejenigen, die wissen, wie eine moderne Redaktion arbeitet, und dass diese manchmal durchaus auch Fehler macht.

    „The Washington Post”, die wohl kaum als Trump-unterstützende oder Sputnik-freundliche Zeitung gilt, veröffentlichte diesbezüglich einen Artikel mit dem Titel „Die Trump-Putin-Verbindung, die keine war”. Darin wird die Berichterstattung von „Newsweek“ als das bezeichnet, was sie wahrhaftig ist: komplett erfundener Nonsens. 

    Dennoch hat Eichenwald, der von Moran mehrmals kontaktiert wurde, um die Fakten richtig zu stellen, den Sputnik-Redakteur auf Twitter blockiert. Als er jedoch endlich einem Gespräch mit Moran zustimmte, nahm die Geschichte eine interessante Wendung.

    Eichenwald drängte Moran in einem E-Mail dazu, mit der Geschichte nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Er bot ihm sogar einen Job bei „The New Republic“ an, um ihn somit zum Schweigen zu bringen. Beunruhigender ist jedoch, dass der „Newsweek”-Kolumnist sogar behauptete, dass seine Verschwörungstheorie, die auf komplett falschen Fakten basiert, eigentlich von amerikanischen Geheimdienstlern stammte.

     

    „Sie müssen sich selbst fragen – wie kann es sein, dass jemand wie ich, der mit Nachrichtendiensten tief verwurzelt ist, so schnell über Ihren Artikel Bescheid wusste? Es ist ja nicht so, als ob ich herumsitze und nur Sputnik lese. Andere tun dies jedoch 24 Stunden am Tag, und bestimmt nicht deshalb, um einfach in den Nachrichten auf dem Laufenden gehalten zu werden.” 

    Haben US-Geheimdienste Eichenwald Informationen zugespielt, damit dieser eine Verschwörungstheorie zu Trumps Verbindung mit den „bösen Russen“ publiziert?

    In seinem umfangreichen E-Mail behauptete der Kolumnist außerdem, dass Spuntik-Journalisten in den USA ständig unter der Beobachtung von Geheimdienstlern der US-Ermittlungsbehörde FBI stünden.

    „Ich versichere Ihnen eines: Es gibt bereits einen Akt über Sie in einer der Geheimdienst-Abteilungen des FBI”, schrieb Eichenwald. „Sie spielten im Sandkasten, umgeben von großen und meist ungesehenen Spielern – und zwar Spiele, die Sie nicht begreifen.“

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    © Sputnik/ Илья Питалев
    „Es gibt Dinge, die ich weiß, aber Ihnen nicht mitteilen kann. Aber was ich Ihnen sagen kann ist, dass was amerikanische Geheimdienste angeht, ist der Vorfall mit dem manipulierten Dokument bei Weitem noch nicht abgeschlossen”, schrieb er weiter. „Amerika befindet sich mitten in einem umfassenden Cyberkrieg mit Russland. Falls Sie das nicht wissen, dann sollten Sie Berichte zur aktuellen Lage lesen, einschließlich der Erklärungen des Weißen Hauses.“

    Später versicherte Eichenwald dem Sputnik-Redakteur, dass er bereit sei, ihm einen Job in einem anderen, größeren Nachrichtenportal zu verschaffen – bei „The New Republic“, wo sein Ruf nicht in den Dreck gezogen würde. Allerdings nur, wenn Moran ihm verspreche, dass er über die genauen Hintergründe der Verschwörungstheorie stillschweige. Sollte Moran mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, wäre das außerdem „Karriere-Selbstmord”, warnte Eichenwald den Redakteur.

    „Ich habe Sie nie für jemand Inkompetenten gehalten. Es sind aber Sie, der hervortreten und sagen will, dass Sie derjenige waren, der anonymes Zeug aus dem Internet nahm und es veröffentlichte. Hinsichtlich der Schädigung Ihres Rufes (…) sind Sie es, der diesen schädigt, nachdem Ihr Name ja kein einziges Mal erwähnt wurde”, schrieb Eichenwald.

    Moran informierte Eichenwald daraufhin, dass er sehr wohl damit an die Öffentlichkeit gehen und die Tatsachen ans Licht bringen würde – und zwar ausschließlich deshalb, weil es das Richtige sei, obwohl Moran nicht mehr bei Sputnik arbeitet. (Sein Arbeitsvertrag wurde nach seinem ursprünglichen Fehler gekündigt.)

    „Ich habe vor, weiterhin die Öffentlichkeit über die wahren Tatsachen zu informieren – dass ich am Columbus Day (10. Oktober – Anm. d. Red.) tatsächlich der einzige Journalist und Redakteur im Sputnik-Büro in DC war, dass ich unabsichtlich einen Fehler machte, eine Zigarette rauchte, und den Artikel 19 Minuten später löschte”, schrieb Moran.

    Er gab Eichenwald allerdings die Möglichkeit, das mit einer kleinen, einfachen Änderung am Ende dessen Artikels zu verhindern. Der „Newsweek“-Bericht führte nämlich zu Beleidigungen und Cyber-Angriffen – sowohl auf Moran als auch auf dessen ehemaligen Kollegen. Manche hätten sogar physische Drohungen und Fotos von toten Kindern zugeschickt bekommen.

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    Offensichtlich wütend über Morans Unwillen, sich ihm zu fügen, antwortete Eichenwald daraufhin einfach nur, dass jede weitere Kommunikation über „Newsweeks“ Anwälte laufen werde.

    Trotz Eichenwalds Drohungen veröffentlichte Moran am Montag einen Artikel darüber, was tatsächlich an diesem 10. Oktober, an Columbus Day, vorgefallen war.

    Obwohl Sputnik mehrmals versuchte, das Nachrichtenportal zu kontaktieren, hat „Newsweek” bis heute Eichenwalds Artikel weder widerrufen noch korrigiert. Ebenso ignorierte „The New Republic“ bislang jede Anfrage von Sputnik, den Vorfall zu kommentieren.

    All das lässt nun ein paar Fragen offen… Ist einer der bekanntesten und meist respektierten Journalisten aus Washington, der 2006 sogar mit dem Payne Award für Ethik im Journalismus ausgezeichnet wurde, ein Lügner epischen Ausmaßes? Oder manipulieren US-Geheimdienste aktiv die Berichterstattung zu den Wahlen zugunsten von einem der Kandidaten?

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    Tags:
    Kurt Eichenwald, Bill Moran, Donald Trump, Wladimir Putin, USA, Russland
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