04:40 28 Oktober 2020
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    Die Bürgermeisterin des belgischen Molenbeek-Saint-Jean, Françoise Schepmans, hat in einem Interview mit Sputnik darüber gesprochen, was sich in ihrer Gemeinde geändert hat, seitdem diese vor knapp einem Jahr im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen auf eine traurige Weise berühmt geworden war.

    Innerhalb dieses Zeitraums habe sich nicht nur die Sicherheitslage der Gemeinde, sondern auch deren Erscheinungsbild, die Vorstellung davon geändert, so Schepmans.  „Einen Tag nach den Anschlägen  begannen richtige Attacken auf diese Kommune, die als ein ‚Nachschubstützpunkt des Dschihadismus in Europa‘ dargestellt wurde. Und es gab viel Aggression, auch seitens einiger internationaler Medien sowie vonseiten der Franzosen. Das ist aber verständlich, es waren ja Franzosen, die zu den ersten Opfern dieser Terroranschläge wurden."

    Dann aber habe man begriffen: Zwar habe Molenbeek bestimmte Probleme, es gebe aber auch andere Städte, die dieselben Probleme haben, so Schepmans weiter.  „Man sprach unter anderem von ‚hundert Molenbeeken in Frankreich'. Und da hatte man Recht, in Frankreich gibt es Situationen, die  viel problematischer sind, als die in Brüssel.  Heute haben wir eine positivere Vision von Molenbeek",  sagte sie.

    Schepmans plädiert  für mehr Befugnisse für die Gemeinden im Bereich Terrorbekämpfung und —vorbeugung: „Bislang haben Bürgermeister kein Recht, eine Einrichtung zu schließen, wenn auch für Terrorismus oder Radikalismus relevante Ereignisse  dort vorkommen.  Die Sicherheitsprobleme sind nicht gelöst.  Wir wollen, dass die Bürgermeister die Möglichkeit bekommen, eine Einrichtung zu schließen, falls festgestellt wird, dass diese Einrichtung problematisch ist, weil dort ein Prediger agiert oder eine Koranschule eröffnet wurde, die die Regeln nicht einhält."

    Die Bürgermeisterin von Molenbeek fühlt sich zu ihren Stellungnahmen berechtigt: Schließlich habe sie in Molenbeek seit 50 Jahren gewohnt, sei Augenzeugin aller kulturellen und sozialen Veränderungen in der Kommune gewesen. „Ich bin für Freiheit, und ich glaube, das ist wichtig. Apropos, die Frage der Kopftücher für Mädchen  bewegt mich ebenfalls sehr stark, weil ich mich für die Meinungsfreiheit einsetze und glaube, man darf die Kinder vom jüngsten Alter an nicht streng prägen, man soll sie heranwachsen lassen, und dann können sie selbst wählen."

    Außerdem betont Schepmans die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern. Diese solle aber nicht nur bei der  Steuerung der Flüchtlingsströme zutage kommen. „Die europäischen Länder müssen mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, sie  müssen die gleiche Außenpolitik haben, sei es gegenüber Russland oder den USA sowie der Türkei". 

    Im Großen und Ganzen sieht Schepmans die Lage eher optimistisch: „Ich glaube, dass sich Europa in einer ganz besonderen Etappe befindet, und nur in der Krise kann man sich wieder aufraffen", sagte sie abschließend.

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    Anschlag, Bürgermeister, Molenbeek, Belgien