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    Washington vs. Moskau: Überlegenheits-Rechnung der USA – und was mit ihr nicht stimmt

    © Sputnik / Alexander Vilf
    Politik
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    Obwohl die USA wirtschaftlich stärker sind als Russland und sich einen deutlich größeren Militäretat leisten, gibt es doch wichtige Nuancen im direkten Vergleich der Zahlen, wie Andrej Klimow, Vizechef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Oberhaus), in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt.

    „Im Wahlkampf-Schlagabtausch haben die Anwärter auf die höchsten Ämter in Washington mehrmals verkündet, die USA seien nahezu 16-mal so mächtig wie Russland“, schreibt Klimow in dem Beitrag. „Offenbar resultierte diese Zahl daraus, dass das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt durch das russische geteilt wurde, umgerechnet in Dollar.“

    „Zwar sind die USA in Sachen Wirtschaft tatsächlich reicher und effizienter als Russland – zumindest vorerst. Doch seit zwanzig Jahren – die nicht leicht waren – hat sich das russische BIP verdoppelt und dessen Anteil am weltweiten BIP um einen Prozentpunkt zugenommen. Der US-Anteil ging indes um sieben Prozentpunkte zurück. Dabei ist die Bevölkerungszahl in den USA mehr als doppelt so groß wie die in Russland – die Vereinigten Staaten erlitten im 20. Jahrhundert keine Verluste durch Revolutionen, Umstürze und Kriege wie Russland. Trotzdem kommt es plötzlich, wie durch ein Wunder, zu einer ‚Russischen Wiedergeburt‘, die die amerikanischen ‚Weltspitzenreiter‘ erschreckt“, so Klimow.

    Das Bruttoinlandsprodukt werde dabei nicht nur von Industrieproduktion, Verkehr, Landwirtschaft und Bauwesen bestimmt, so Klimow. Auf diese Branchen entfielen in den USA höchstens ein Fünftel des BIP in Dollar. Der Rest habe mit der materiellen Produktion nur wenig zu tun: „Dazu zählen insbesondere amerikanische Tricks mit Wertpapieren, Bank- und Versicherungs-Aktivitäten sowie ‚Finanzblasen‘, Arbeit von Anwälten und Lobbyisten, kostenpflichtige Schulen und Unis, Tourismus, Showbusiness, darunter auch das berühmte Hollywood, und so weiter.“ 

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    Im russischen BIP sei der materielle Anteil viel deutlicher spürbar: „In Bezug auf das Verhältnis des BIP zu Auslandsschuld, Gold- und Devisenreserven sowie Etatdefizit sind die russischen Werte eindeutig besser als die US-amerikanischen – die Vereinigten Staaten sind ja das meistverschuldete Land weltweit. Die US-Verschuldung beläuft sich mittlerweile auf knapp 20 Billionen Dollar.“

    Zum Thema Militärstärke schreibt Klimow, dass die US-Streitkräfte zahlenmäßig fast doppelt so stark wie die russischen; die Ausgaben für ‚Verteidigungszwecke‘ in einer anderen Größenordnung lägen. „Doch die US-Amerikaner haben weltweit Hunderte Militärbasen im Ausland. Die globale Militärpräsenz kostet Uncle Sam rund 160 Milliarden US-Dollar jährlich. Dabei führen die Amerikaner praktisch ununterbrochen Dauer-Kampfhandlungen im Ausland. Die Verluste für den US-Haushalt durch den Afghanistan-, Irak- und Syrien-Krieg haben seit 2001 insgesamt mehr als eine Billion Dollar betragen.“

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    Russland beanspruche keine solche „Weltherrschaft“: „Wir brauchen keine mehrfache Offensiv-Überlegenheit. Wir finanzieren keine Staatsstreiche und Farbrevolutionen, verfügen aber über das notwendige Potenzial zur Verteidigung unseres Landes und sind bereit, jedem Aggressor ‚unannehmbaren Schaden‘ zuzufügen.“

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    Tags:
    Wirtschaft, BIP, Andrej Klimow, USA, Russland