13:39 18 Februar 2020
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    Nachdem der russische Verband um den Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ auf den ursprünglich geplanten Zwischenstopp im spanischen Ceuta verzichtet hat, beschäftigen sich Experten mit den Hintergründen. Die Schiffe sind indes weiter unterwegs nach Syrien.

    Pjotr Swjataschow, einst Stabschef der russischen Schwarzmeerflotte, sagte der Onlinezeitung vz.ru, der Flugzeugträger habe eigentlich überhaupt kein Betanken im spanischen Hafen gebraucht: „Er kann während der Fahrt betankt werden. In Sewastopol haben wir beispielsweise das Tankschiff ‚Iwan Bubnow‘. Die Nord- und die Ostseeflotte haben ebenfalls eigene Tankschiffe (…) Ein Betanken durch ein Tankschiff ist am sichersten. Im Mittelmeer kann man ein passendes Gebiet finden, um ein Schiff unmittelbar während der Fahrt zu betanken.“

    Der russische Marine-Experte Michail Nenaschew stimmte zu: „Das Geschwader ist autonom – nicht nur hinsichtlich dem Betanken, sondern auch in Bezug auf die Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung (…) Die Autonomie des Flugzeugträgers ‚Admiral Kusnezow‘ beträgt 45 Tage – dies ermöglicht ihm eine Fahrt ins Mittelmeer und zurück.“ 

    Wozu brauchte der Verband dann einen Zwischenstopp in Spanien? Nenaschew bietet eine Erklärung an: „Einst war ich selbst bei der Marine und kann sagen, dass eine Erholung im spanischen Hafen unseren Seeleuten zugutegekommen wäre – nach all diesen Tagen auf See, mit Wind und Schlingern.“

    Das Geschwader war am 15. Oktober aus dem nordrussischen Seweromorsk ausgelaufen. Neben dem Flugzeugträger sind auch der atomgetriebene Lenkwaffenkreuzer ‚Pjotr Weliki‘, zwei große U-Jagd-Schiffe sowie Versorgungsschiffe mit dabei. Ab 28. Oktober war ein sechstägiger Aufenthalt im spanischen Ceuta an der Straße von Gibraltar geplant, wie das spanische Außenministerium in der laufenden Woche bestätigte. Nach seinen Angaben bekamen drei Schiffe des Verbandes die Erlaubnis, im Hafen vorübergehend zu weilen. 

    Doch im letzten Moment verzichtete der Verband auf diesen Zwischenstopp. Der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow erläuterte am Mittwoch, der eigentliche Flugzeugträger habe in Ceuta überhaupt nicht einlaufen wollen – Russland habe auch nicht darum gebeten. In Erwägung sei nur das Einlaufen anderer Schiffe des Verbandes gezogen worden. 

    © Ruptly .
    In norwegischer „Begleitung“: Russischer Flugzeugträger passiert Ärmelkanal – VIDEO

    Die russische Tageszeitung „Kommersant“ zitierte Konaschenkow am Donnerstag zu dem Thema: „Vertreter der spanischen Führung haben mitgeteilt, dass wegen des US- und Nato-Drucks auf sie ein Einlaufen russischer Schiffe in Ceuta unzweckmäßig sei.“ Eine derartige öffentliche Erklärung aus Madrid gab es allerdings keine, wie das Blatt feststellte.

    Der Experte Nenaschew kommentierte, ein Einlaufen in Ceuta hätte die militärtechnische Kooperation zwischen Russland und Spanien demonstrieren können: „Die spanische Führung, die nun ein Bashing durch ihre Nato-Mitstreiter erlebte, ist selbst am Kampf gegen den Terror im Nahen Osten interessiert. Noch im Jahr 2004 hatte Spanien einen Angriff islamischer Terroristen erlitten. Nahe seiner Grenze liegen nordafrikanische Länder, wo diese Bedrohung ebenfalls stark ist. Die Spanier sind selbst daran interessiert, dass die russische Flotte zum Einsatz kommt, um den ‚Herd‘ des gegenwärtigen internationalen Terrors zu vernichten.“

    Laut Nenaschew kann der russische Verband bei Bedarf auch woanders einlaufen: „Was jene Länder betrifft, die auf dem Weg nach Syrien liegen, haben wir keine schlechten Beziehungen mit Algerien, wo noch sowjetische Schiffe eingelaufen waren, aber auch mit Ägypten, wo unser gemeinsames Manöver kürzlich stattfand. Im Notfall gibt es schließlich noch Zypern, wo die ‚Kusnezow‘ zuvor geweilt hatte.“

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    Tags:
    Flugzeugträger Admiral Kusnezow, Pjotr Swjataschow, Michail Nenaschew, Igor Konaschenkow, Spanien, Russland