14:36 21 Juni 2018
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    Soldaten des Fernspähzugs der Luftlandekompanie 310 infiltrieren im Rahmen einer Vorübung zu Cold Response 2016 das Gelände Lakselv in Norwegen

    Bundeswehr an Russlands Grenzen: Bedenken eines ehemaligen Offiziers

    © Foto: Bundeswehr/LUI
    Politik
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    Im kommenden Jahr soll die Bundeswehr laut dem Bundesverteidigungsministerium neben Hunderten Soldaten nun auch Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 an den Grenzen Russlands stationieren. Über den Sinn und die Gefahren einer solchen Stationierung sprach Sputnik mit dem Publizisten und Oberstleutnant der Luftwaffe a.D., Jürgen Rose.

    Seit über 25 Jahren rückt die NATO immer näher an Russlands Grenzen. Im kommenden Jahr wird das Bündnis seine Militärpräsenz im Baltikum noch stärker ausbauen.

    Die NATO betreibe weiterhin eine eskalatorische Symbolpolitik, indem sie das ein oder andere Bataillon im rotierenden Wechsel in die baltischen Staaten verlegt, um militärische Stärke gegenüber Russland zu signalisieren, stellte Rose im Sputnik-Gespräch fest. Konkrete militärische Aufgaben der deutschen Bundeswehr seien schwierig auszumachen. Es gehe eher darum, den osteuropäischen NATO-Mitgliedsstaaten Bündnissolidarität zu demonstrieren. Militärisch mache eine solche Stationierung wenig Sinn, sagt der Oberstleutnant der Luftwaffe a.D.

    "Militärische Planer in der NATO haben große Bedenken. Wenn es zu einem militärischen Konflikt in dieser Region käme, würde es für die NATO-Truppen schwierig werden, praktische, militärische, durchschlagskräftige Hilfe zu leisten, weil man das Problem hat, dass russische Truppen sowohl in Kaliningrad, als auch im Osten stationiert sind und um NATO-Truppen nachzuschieben nur ein schmaler Korridor bleibt."

    Direkte Gefahren eines Konfliktes sieht der Militär-Experte nicht. Doch aus diesen symbolpolitischen Manövern der NATO könne es durchaus ernst werden, warnt Rose:

    "Es kann Missverständnisse und Unfälle geben. Oder Piloten passen nicht auf und fliegen in einen fremden Luftraum hinein. Wie tragisch sowas laufen kann, hat Russland in diesem Jahr erfahren, als ein Jagdbomber  von den türkischen Streitkräften abgeschossen wurde. Ganz schnell entstehen da relativ starke Konflikte zwischen den Beteiligten."

    Auf Druck der USA will die Kanzlerin Angela Merkel nun auch den Wehretat stärker als geplant aufstocken. Eine außerordentlich hohe Aufstockung hält der Experte allerdings für unwahrscheinlich: Da würde die pazifistische Einstellung der Bevölkerung, die Flüchtlingskrise und andere Faktoren eine Rolle spielen.

    Außerdem sehe der Militär-Experte kein pauschales Defizit in der Ausrüstung der Bundeswehr: Die erwähnten Leopard-2-Panzer seien mit die stärksten Kampfpanzer der Welt. Man müsse sich eher weiter von der Idee nationaler Streitkräfte entfernen, die nach wie vor in der NATO und in der EU vorherrscht und in Europa viel stärker über eine europäische Verteidigungsunion mit einer gemeinsamen Armee nachdenken, fügte Rose hinzu.

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    Tags:
    Bundeswehr, NATO, Deutschland, Russland
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