08:34 20 April 2019
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    EU-Kommissar für Digitalwirtschaft, Günther Oettinger

    Zu „Schlitzaugen und Pflicht-Homo-Ehe“: Oettinger rechtfertigt seine Aussagen

    © AP Photo / Virginia Mayo
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    Die Aussagen des EU-Kommissars für Digitalwirtschaft, Günther Oettinger, über Frauen, Homosexuelle und Chinesen im Rahmen des „Europa Abends“ sind auf scharfe Kritik gestoßen. Nun hat der Politiker sich in einem Gespräch mit der „Welt Online“ diesbezüglich zu Wort gemeldet. Dabei verteidigte er sich gegen den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit.

    Demnach sei das Wort „Schlitzauge“, das Oettinger in Bezug auf die Chinesen verwendete, nicht anstößig gemeint gewesen.

    „Das war eine etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war“, erläutert Oettinger. „Ich wollte im digitalen Sektor, generell bei technologisch geprägten Sektoren aufzeigen, wie dynamisch die Welt ist. Und welche Herausforderung das enorme Tempo der Aufholjagd von Ländern wie China und Südkorea für uns darstellt. Und ich wollte in diesem Zusammenhang vor Selbstzufriedenheit warnen. (…) Die Chinesen sind einfach clever“, fügte er hinzu.

    Oettinger, der zudem von einer „Pflicht-Homo-Ehe“ gesprochen hatte, habe auch diese als solche nicht angreifen wollen. „Ich habe die Homo-Ehe in einer Liste von Themen, Initiativen und Debatten genannt, die in Deutschland die politische Tagesordnung bestimmen. Mir geht es darum, diese Liste an Themen zu ergänzen – insbesondere um das Thema Wettbewerbsfähigkeit.“

    Hinsichtlich der Frauenquote rechtfertigte sich der Politiker wie folgt: „Man muss den Gesamtzusammenhang sehen, in dem ich mich geäußert habe“, sagte er. 

    Auch aus den politischen Kreisen erntete Oettinger Kritik: SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte gegenüber dem „Spiegel Online“: „Jemand der offene rassistische und homophobe Ressentiments bedient, disqualifiziert sich für politische Spitzenposten. Günther Oettinger sollte mal dringend sein Weltbild überprüfen. Ein EU-Haushaltskommissar mit solchem Gedankengut könnte der ganzen EU Schaden zufügen“, so die Politikerin.

    Erst am Freitag wurde bekannt, dass Oettinger zum EU-Haushaltskommissar befördert worden war.

    Verleger Sebastian Marquardt, der einen Teil von Oettingers Rede mit seinem Handy gefilmt hatte, schilderte gegenüber „Focus Online“, wie die Reaktionen des Publikums ausgefallen waren. Zwar kann man in den Aufnahmen teilweise Lacher aus dem Publikum hören, doch insgesamt seien die Reaktionen sehr unterschiedlich ausgefallen.

    „Am Anfang war das Publikum eher verhalten. Einigen gefiel es gut, dass jemand das mal so deutlich sagt. Ein paar waren aber auch empört und haben den Saal früh verlassen. Und die größte Gruppe hat die Aussagen relativiert und gesagt, solche Pointen könnten die Diskussion befruchten“, so der Verleger. „Ich habe es so empfunden, dass Oettinger seine teilweise sachlich durchaus richtigen Forderungen durch diese Art konterkariert hat.“

    „Es hat mich überrascht, dass er eine Delegation von Ministern, die er empfangen hat, so beleidigt. Ich finde, so sollte ein Repräsentant der Europäischen Union nicht sprechen“, sagte Marquardt.

    Am Mittwochabend hatte Günter Oettinger vor rund 200 Gästen des „Europa Abends“ des AGA Unternehmerverbands in Hamburg eine Rede gehalten. Dabei machte er sich über Chinesen, Frauen und Homosexuelle lustig.

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    Tags:
    EU, Günther Oettinger, China