01:37 15 Dezember 2018
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    Der US-Flugzeugträger Dwight D. Eisenhower im Mittelmeer

    „Gute“ und „böse“ Bomben – Experte: „Propaganda ist Bestandteil eines Krieges“

    © AFP 2018 / Alberto Pizzoli
    Politik
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    Der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu (Linke) hat die Diskussionen über angebliche „gute Bomben“ der westlichen Koalition in Mossul bzw. „böse Bomben“ der Russen in Aleppo als „festen Bestandteil“ der Kriegspropaganda bezeichnet.

    Der Medienkrieg sei kein Novum, äußerte der Linke-Abgeordnete Dr. Alexander Neu bei der jüngsten von Sputnik organisierten Videokonferenz Berlin — Moskau: „Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat man festgestellt, dass die eigene Öffentlichkeit vor allem in der westlichen Demokratie von dem Krieg und seiner Wichtigkeit überzeugt werden muss. Nun läuft die Kriegspropaganda über die Medien, die öffentlich-rechtlichen wie privaten sowie auch über die Parteimedien. Eine solche Propaganda ist ein fester Bestandteil eines Krieges.“

    Jakob Augstein, Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“ und Spiegel-Online-Kommentator, polemisierte letzte Woche mit der „Bild“ und zog die These von den „guten“ und den „bösen“ Bomben in Zweifel. Dr. Neu meinte dazu: „Die Boulevardzeitung ‚Bild‘ ist stark transatlantisch orientiert. Ihr Auftrag ist es, die westliche Welt als eine richtige Welt darzustellen. Entsprechend sind die Bomben gut. Und die russische Welt soll als etwas Negatives dargestellt werden.“

    „Es gibt aber keine guten und keine bösen Bomben“, betonte der Abgeordnete. „Es gibt dafür viele tote Zivilisten. Und das ist das große Drama an dieser Geschichte.“

    Gutes US-„Bömbchen“ und böse „Russen-Bombe“
    © Sputnik / Vitaliy Podvitskiy
    Gutes US-„Bömbchen“ und böse „Russen-Bombe“

    Geopolitischer Konflikt

    Nach Meinung des Politikers handelt es sich beim Krieg in Syrien um einen geopolitischen Konflikt. „Russland ist jetzt wieder auf der Weltbühne, und wir bewegen uns zu einer multipolaren Weltordnung. Das bedeutet die Relativierung der westlichen Macht. Die neuen Akteure mischen mit. Das globale Gestaltungsmonopol des Westens wird aufgebrochen. Und das schafft im Westen Unsicherheit, aber auch den Willen, dieses Monopol aufrechtzuerhalten, das heißt allen zu sagen, wohin die Reise geht. Das ist jetzt nicht mehr selbstverständlich, wie es in den 90ern und Nullerjahren der Fall war.“   

    Dr. Neu betonte, dass es in jedem Krieg mehr zivile Opfer als Kombattanten gebe. „Die Zivilstruktur wird mehr zerstört, als die Militärstruktur, und das findet auch bei den Kämpfen um die IS-Hochburg Mossul statt. In Mossul kämpfen aber die Guten, also die Unseren, und in Ost-Aleppo die Schlechten, nämlich die Russen. Deshalb werden sie dämonisiert, während aus dem Irak eine geringere Berichterstattung in Deutschland kommt.“

    Nach seiner Schätzung bestehen die „Rebellen“ in Syrien mittlerweile nur aus Dschihadisten. Deshalb seien die USA und ihre Verbündeten gar nicht in der Lage, eine Trennung vorzunehmen: Die gemäßigte Freie Syrische Armee existiere nur auf dem Papier, und viele Mitglieder dieser Armee seien aus vielerlei Gründen zum IS übergelaufen. Insofern könne es diese Trennung gar nicht geben.

    Medienschlacht um Syrien-Einsatz: „Russland soll als Feind hingestellt werden“

    „Mehr noch: Die USA benötigen die Terrororganisation Dschabhat al-Nusra und andere Gruppierungen, um nach wie vor ihren Plan nicht aufzugeben, Assad zu stürzen. Und das erklärt, warum sie Russland und die syrische Regierung derart dämonisieren.“

    „Zivilisten dienen als Schutzschilde“

    „Als die Offensive auf Mossul begann, benutzten die Terroristen die Bevölkerung von Mossul als Schutzschilde. In Ost-Aleppo übrigens auch. Nur wird darüber bei uns nichts gesagt“, bemerkte der Linke-Politiker.      

    Der Herausgeber der Zeitschrift „WeltTrends“, Prof. Dr. Lutz Kleinwächter, der ebenso an der Videokonferenz teilnahm, fügte hinzu: „Der Westen will durch eine solche Berichterstattung und durch die Diffamierung dessen, was in Aleppo passiert, die Initiative zurückgewinnen, die er verloren hat, nachdem er die Liquidierung von Hussein und Gaddafi vorgenommen hatte. Dadurch hat man die ganze Region ruiniert. Und jetzt will man auch noch Assad liquideren.“

    Mit seiner Einmischung in den Syrien-Konflikt habe Russland die Initiative bewiesen und einen Stabilisierungsfaktor dargestellt, urteilte der Experte. Militärisch sei das Problem aber nicht zu lösen. „Das weiß Russland. Das wissen auch die Amerikaner und Europäer. Es kommt nun jedoch die Frage: Wer bestimmt die zukünftige Umwandlung des Landes? Hier versucht man in eine Vorrang-Position zu kommen. Auf diesem Weg ist die Regelung nicht möglich. Man muss verhandeln.“

    Mehrheit der Deutschen für vernünftige und kooperative Politik

    „Trotz massiver manipulativer Versuche, die Deutschen antirussisch zu beeinflussen, möchte die Mehrheit der Bundesbürger eine vernünftige und kooperative Politik“, betonte Prof. Kleinwächter. „Man will keine Auslandseinsätze von deutschen Truppen und steht natürlich positiv den Flüchtlingen gegenüber. Zwar spitzen sich die Probleme zu, die Mehrheit des Volkes agiert aber vernünftiger als Teile der rechtskonservativen Regierung.“

    Clinton ist interventionistische Politikerin

    Man müsse nun die Präsidentschaftswahl in den USA abwarten, fügte Lutz Kleinwächter hinzu. Mit höherer Wahrscheinlichkeit siege die demokratische Kandidatin Hillary Clinton, prognostiziert er, aber „sie ist für die Nahost-Regelung problematisch, weil sie eine interventionistische Politikerin ist. Und die Situation kann sich noch mehr verkomplizieren, wenn sie Präsidentin wird. Darauf müssen wir uns Europäer vorbereiten. Hier muss eine klare kritische Position gegenüber solchen Elementen der amerikanischen Außenpolitik aufgebaut werden, wie auch Kooperation im eurasischen Bereich. Zwar wollen wir die Amerikaner nicht ausschließen, aber wir müssen auch auf Russland mehr zugehen.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Propaganda, Jakob Augstein, Alexander Neu, Aleppo, Mossul, Syrien, Irak, Deutschland, USA, Russland