02:44 17 Juni 2019
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    Kämpfer der Terrorgruppierung Daesh (Islamischer Staat) in Mossul

    Augenzeugenberichte aus Mossul: Daesh-Terroristen folterten Kinder und Behinderte

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    Einwohner des vom Daesh befreiten irakischen Dorfes Faziliye, 20 Kilometer nördlich von Mossul, haben in einem Gespräch mit der Agentur Sputnik Türkiye über ihr leidvolles Leben in den zurückliegenden 28 Monaten berichtet.

    Der seit seiner Kindheit behinderte Fadil Cuma (37) wurde nach eigenen Worten wegen Rauchens auf der Straße mit Peitschen geschlagen. „Die Dschihadisten haben uns verboten, Telefon und Internet zu nutzen. Wir durften weder Fernseher noch Radio einschalten noch Musik hören“, so Cuma. Er durfte nicht einmal das Dorf verlassen, um einen Arzt in der Stadt aufzusuchen.

    Der zwölfjährige Yunus Evdi hat 20 Peitschenschläge erhalten, weil er auf der Straße mit der Tochter seiner Tante gesprochen hatte. Der Junge wurde auf dem zentralen Dorfplatz öffentlich ausgepeitscht und mit einer Geldstrafe von 20.000 Dinar belegt.

    Der 22-jährige Talal Abdullah hat wegen Rauchens in seinem Haus 50 Peitschenschläge erhalten und musste zudem eine Geldstrafe von 30.000 Dinar zahlen.

    Laut einem anderen Dorfeinwohner, Hemed Yusuf, wurde er von den Daesh-Leuten verdächtigt, einem Verwandten, einem Mitglied der Peschmerga-Miliz, zu helfen. „Die Dschihadisten drangen in unser Haus ein und brachten mich und meinen Vater in ihren Stab. Zehn Tage lang folterten sie mich und quälten mich und meinen Vater, sie schlugen mit einem Metallrohr und einem Schlauch auf meine Beine und auf meinen Rücken ein“, so Yusuf. Seither ist er behindert und kann nicht mehr mit dem linken Fuß auftreten.

    Wie die 40-jährige Hyzim Isa sagt, hatte Daesh das Dorf zwei Jahre und vier Monate unter seiner Kontrolle gehalten. „Wir lebten all diese Zeit wie Sklaven. Die Lage der Frauen war besonders schwer.“ Jeder Verstoß gegen die geltenden Regeln sei hart bestraft worden. „Die Tochter meiner Tante wurde für zwei Wochen ins Gefängnis gesperrt, weil sie mit einem Ring am Finger gesehen worden war“, so die Dorfeinwohnerin.

    Mossul
    © AFP 2019 / MARWAN IBRAHIM
    Die irakischen Truppen sind in der Daesh-Hochburg Mossul eingerückt, meldete Reuters unter Berufung auf einen Armeekommandeur.

    Die irakische Armee, unterstützt von kurdischen Peschmerga-Einheiten, regierungstreuen Milizen und US-Truppen sowie Kampfflugzeugen der Anti-IS-Koalition, hatte am 17. Oktober eine Großoffensive auf die zweitgrößte Stadt des Irak gestartet. Die Terrormiliz Daesh hatte seit Juni 2014 die strategisch wichtige Millionenstadt beherrscht.

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    Behinderte, Folter, Kinder, Terrormiliz Daesh, Mossul, Irak