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    CETA als TTIP-Testfall: „Damit Europa gottbehüte nicht Richtung Pazifik wegdriftet“

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    Europäische Gemüter und Gelder werden derzeit hart umkämpft – Amerika will sie daran hindern, gen Osten zu driften. In diesem Zusammenhang betrachtet der russische Wirtschaftsexperte Alexander Karejewski die Handelsabkommen CETA und TTIP.

    In einem am Dienstag veröffentlichten Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Karejewski, das kürzlich unterzeichnete Freihandelsabkommen CETA zwischen Kanada und der EU sei eine Art Versuchsballon auf dem Weg zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen Europa und den USA.

    „Das Streben der USA nach Freihandelsabkommen hat generell einen offensichtlichen, globalen Hintergrund. Zwar versprechen die Befürworter solcher Abkommen viele Vorzüge für die Mitgliedstaaten – darunter eine Zunahme des gegenseitigen Handels, mehr Arbeitsplätze und Konkurrenz, wovon die Verbraucher profitieren sollen. Doch in Wirklichkeit bringt der freie Handel vor allem jenen mächtigen Großkonzernen Vorteile, die weder wirtschaftliche noch politische Grenzen anerkennen“, so Karejewski.

    Das Wachstum der Weltwirtschaft und des Welthandels verlangsame sich derzeit deutlich: „Die Schwellenländer werden stärker, die wirtschaftliche Macht bewegt sich aus dem Westen in den Osten. Das ist ein objektiver Vorgang. Er läuft, obwohl der Westen ihn nicht akzeptieren will.“

    „Zunächst bestand dieser Vorgang darin, dass Produktionen und Produktivkräfte in den Osten verlegt wurden, während der Westen eine mythische postindustrielle Wirtschaft aufbaute, die in Wirklichkeit ohne Industriebasis nicht existieren kann. Dann begriffen die westlichen Eliten, dass sie mit der Verlegung von Produktionskapazitäten in den Osten die Schraube überdrehten. Nun wollen sie zurückrudern, indem sie Bedingungen schaffen, um einen Teil der Produktion zurück nach Amerika zu bringen“, heißt es im Kommentar.  

    Auch die Durchsetzung globaler Handelspartnerschaften hänge damit zusammen – sie verfolge eher politische als wirtschaftliche Ziele, postuliert der russische Experte.

    Europa werde derzeit hart umkämpft: „Eine repräsentative Delegation deutscher Politiker und Industrieller verhandelt in diesen Tagen beispielsweise in China über einen weiteren Ausbau der bilateralen Kooperation.“

    Ein anderer Teil der europäischen Elite, der dem Atlantismus treu bleibe und die Beziehungen mit Amerika ausbauen wolle, habe deshalb den Vertrag mit Kanada durchgesetzt, um den Weg zu TTIP zu verkürzen, so Karejewski weiter.  

    Er schreibt zum Schluss: „Europa wird deshalb in den Atlantismus hineingezogen, damit es gottbehüte nicht aus dem Atlantik irgendwohin Richtung Pazifik wegdriftet. Es wird um europäische Gemüter und Beutel, um die europäische Wirtschaft im Allgemeinen gekämpft.“

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    Wirtschaft, EU, CETA, TTIP, Kanada, USA