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    Bundeskanzlerin Angela Merkel

    FPÖ-Chef Strache: Richtung Osten orientieren statt Merkels verlängerter Arm zu sein

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Politik
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    Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Österreich, bei der dem Kandidaten der Freiheitlichen Partei (FPÖ), Norbert Hofer, gute Chancen eingeräumt werden, hat sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache für mehr Nähe zu Osteuropa plädiert. Und im Interesse des Weltfriedens sollte sich „Deutschland neutral erklären“, meint er.

    Im Exklusiv-Interview mit Sputnik verwies FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache unter anderem darauf, wie sehr gerade Österreich unter den Wirtschaftssanktionen leide. 

    „Die Sanktionen sind heuchlerisch oder ein ganz großer Fehler gegenüber Russland. Wir, die Freiheitliche Partei, haben uns von Beginn an gegen die Sanktionen ausgesprochen. Wir waren hier leider allein in Österreich, auf weiter Flur. Wir haben bereits 40.000 Arbeitsplätze pro Jahr verloren und haben einen Schaden von über eineinhalb Milliarden Euro pro Jahr. Damit hat Österreich sich selbst einen Schaden zugefügt. Und gerade als Österreicher sollten wir nicht bei Sanktionen mitmachen.“

    Sollte er bei der kommenden Wahl Kanzler werden, würde er die Sanktionen abschaffen, so Strache. Und damit stehe er nicht allein da: Viele Partner in der EU, wie beispielsweise die Visegrad-Staaten, stünden den Sanktionen kritisch gegenüber.

    Auch im Sinne des europäischen Friedens müsse man sich Russland wieder annähern. Problematisch sei hierbei vor allem die Osterweiterung der Nato, die damit internationale Verträge breche. Außerdem sei es bedenklich, dass die EU sich so sehr mit der Nato identifiziere.

    „Das ist genau das Problem, das wir in der Europäischen Union haben: Dass die Europäische Union fast überall identisch ist mit der Nato. Das ist nicht gut für einen nachhaltigen europäischen Friedens- und Zukunftsprozess. Gerade wenn ich Deutschland als Beispiel nehme: Nach zwei Weltkriegen wäre es für Deutschland doch das Vernünftigste, sich neutral zu erklären, um nie wieder in so einen Kriegswahnsinn hineinzugeraten. Wir Österreicher sind stolz auf unsere Neutralität und wir kämpfen für diese Neutralität, die wir nicht aufgeben wollen.“ 

    Auch im Sinne der wirtschaftlichen Zusammenarbeit müsse sich Europa langfristig von der NATO lösen, so Strache.

    „Wenn Europa sich eine nachhaltige, freie Position schaffen wollte, müsste die Europäische Union aus der Nato austreten. Wir haben ja erlebt, dass Putin vor fünf Jahren zu Merkel und Sarkozy gereist ist und ein Freihandelsabkommen zwischen EU und Russland angeboten hat. Das wäre sehr zum Vorteil und im Interesse Europas gewesen. Aber es war nicht im amerikanischen Interesse. Sie hatten nämlich das Interesse, mit CETA und TTIP ihre Handelsabkommen aufzustellen.“

    Der FPÖ-Kanzlerkandidat plädiert für die Rückbesinnung auf gemeinsame christliche Werte zwischen EU und Russland und spricht sich für eine gute Zusammenarbeit aus. Insgesamt solle man sich in Österreich stärker nach Osten ausrichten.

    „Das ist etwas, das Norbert Hofer sehr bewusst machte, als er in Tschechien, in Slowenien, jetzt auch in Serbien zu Gast war. Und das er natürlich auch mit Ungarn und Polen in Zukunft weiter vertiefen will. Gerade in dieser Region sollte es unsere historische Aufgabe als Österreicher sein, viel stärker mit Südost- und Osteuropa eine vertiefte Zusammenarbeit vorzunehmen und nicht nur als verlängerter Arm von Merkel zu agieren.“

    Bereits in den vergangenen Wochen waren aus Österreich immer wieder vorsichtige Signale zu vernehmen, dass keine neuerlichen Sanktionen gegen Russland verhängt und die bestehenden abgebaut werden sollten. In diesem Sinne, wenn auch etwas zurückhaltender,  sprachen sich unter anderem Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und der Präsident der österreichischen Wirtschaftskammer Christoph Leitl aus.

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    Tags:
    TTIP, CETA, NATO, EU, Angela Merkel, Deutschland