11:30 16 Dezember 2019
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    So schreibt die Ukraine ihre Geschichte um – schwedische Zeitung

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    Am ukrainischen Institut für nationales Gedächtnis wird kein Hehl daraus gemacht, dass man die neue Geschichte der Ukraine schreibt und dem Land eine neue „nationale Identität“ verschafft. In Wirklichkeit kann es jedoch um wahlweise Korrekturen gehen, um unangenehme Tatsachen zu verbergen, wie die schwedische Tageszeitung „Dagens Nyheter“ schreibt.

    Das 2006 vom Präsidenten Viktor Juschtschenko gegründete und vom 39-jährigen Historiker Wladimir Wjatrowitsch geleitete ukrainische Institut für nationales Gedächtnis soll die positiven Seiten der ukrainischen Geschichte publik machen. Die Kritiker der Idee, eine neue ukrainische Identität zu schaffen, seien jedoch überzeugt, dass es sich um ein Umschreiben der Geschichte handelt, um zum Beispiel die Morde an den Polen und Juden im Zweiten Weltkrieg zu verschweigen, betont der Autor des Artikels.

    Wjatrowitsch selbst weist indes die Vorwürfe, selektiv an die Geschichte heranzugehen, zurück.

    „Viele Jahrzehnte hat man uns gelehrt, dass die Faschisten den ukrainischen Kampf um die Unabhängigkeit geführt hätten. Wir müssen die Vorstellung davon ändern, wenn wir uns tatsächlich von der sowjetischen Vergangenheit lösen wollen“, erklärte er der Zeitung gegenüber.

    Der deutsche Historiker Andreas Umland hat Wjatrowitsch, wie die Zeitung schreibt, wegen des Verschweigens der dunklen Seite in der ukrainischen Geschichte kritisiert, insbesondere wegen der Darstellung der ukrainischen nationalen Organisation OUN-B (mit „B“ sind die Anhänger von Stepan Badera gemeint – Anm. d- Red.) und der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) als Befreier der Ukraine. Seinen Worten zufolge wissen viele Ukrainer gar nicht, dass die Mitglieder der UPA an den Juden-Pogromen im Zweiten Weltkrieg beteiligt waren. Umland meint, eine derartige Herangehensweise an die Geschichte könne die Beziehungen der Ukraine zum Westen erschweren.

    In der ausländischen Presse waren zuvor Daten aufgetaucht, dass Mitarbeiter des Instituts für nationales Gedächtnis Korrekturen in Archivdokumente einbringen und vor deren Veröffentlichung alles herausstreichen würden, was dem Ansehen der UPA schaden könnte.

    Wie „Dagens Nyheter“ schreibt, sind manche ukrainischen Historiker kritisch gestimmt, was die Idee eines Instituts des Gedächtnisses selbst betrifft. Der Professor für Geschichte Sergej Stelmach von der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew meint, Wjatrowitsch sei nicht kompetent genug, um eine derartige Institution zu leiten, da er nicht einmal den Doktorgrad besitze.

    „Ihre Aufgabe ist es, Episoden aus der ukrainischen Geschichte herauszugreifen, die sie in den Vordergrund rücken wollen, und das zu verschweigen, was sie nicht anerkennen wollen. Aber die Arbeit eines Historikers besteht nicht darin. Unser Ziel ist es, herauszufinden, was in Wirklichkeit passiert ist“, betonte der Professor.

    Wie er sagte, ist es nicht richtig, dass das Institut für Gedächtnis das Archiv kontrolliert und zugleich auch erforscht.

    „So geht das nicht. Das bedeutet, dass sie die Möglichkeit besitzen, den Zugang zum Archiv einzuschränken, um die restlichen Wissenschaftler daran zu hindern, ‚falsche‘ Schlüsse zu ziehen“, sagte Stelmach.

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    Tags:
    Geschichte, Wladimir Wjatrowitsch, Ukraine