17:53 19 Januar 2017
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    Kalter Krieg (Symbolbild)

    Russland vs. die USA: „Konflikt als Fortsetzung eines Annäherungs-Versuchs“

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    Politik
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    Die Beziehungen zwischen Russland und den USA ähneln Pendelschwingungen – auch der aktuelle Konflikt lässt sich von diesem Standpunkt aus erklären. Diese These vertritt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    In einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru schreibt Lukjanow, mit der diesjährigen US-Präsidentschaftswahl gehe eine ganze Phase der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten zu Ende. Diese Phase habe 1992 begonnen – nach dem Zerfall der Sowjetunion: „Das Verschwinden des im Kreml ansässigen Systemopponenten ebnete damals den Weg für eine US-Dominanz weltweit. Dies hatte sehr große Folgen für Amerikas außen- und innenpolitischen Kurs.“

    „Im globalen System, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen kräftigen Impuls bekommen hatte, sind internationale Aktivitäten des Landes mit der Lage im Inland unzertrennlich verbunden. Bei der diesjährigen US-Wahl kam das anschaulich zum Vorschein: Das Chaos in den beiden Parteien hängt mit dem Aufstieg jener Kräfte zusammen, die mit dem Einwirken der globalen Wirtschaft unzufrieden sind“, so Lukjanow.  

    Der US-Wahlkampf habe auch das russisch-amerikanische Verhältnis beeinflusst. Dieses sei ziemlich paradox. Einerseits seien die Beziehungen äußerst personifiziert, verbale Attacken auf konkrete Persönlichkeiten beispiellos. Andererseits sei die Laufbahn der Beziehungen nur wenig von Personen abhängig, denn sie wiederhole sich zyklisch in verschiedenen geschichtlichen Phasen, hieß es. 

    „Der gegenwärtige Konflikt zwischen Russland und dem Westen ist eine logische Fortsetzung jenes Versuchs einer drastischen und beispiellos tiefen Annäherung, der nach dem Kalten Krieg unternommen worden war“, postuliert Lukjanow.  

    „Damals ging man davon aus, dass Russland auf die eine oder andere Weise Teil eines westlichen, US-zentrischen Projekts werden soll, obwohl ein präzises Integrations-Muster dafür nie existierte. Der Versuch scheiterte (…), das Pendel schwang zurück – ebenso weit, wie zuvor in Richtung einer Kooperation. Ein erneutes (wenn auch schwächeres) Vorschwingen ist später unumgänglich“, prognostiziert der Experte. 

    Die Zukunft der Beziehungen zwischen Moskau und Washington hänge nun eher von der generellen Konstellation weltweit ab: „Wer auch immer im Kreml und im Weißen Haus arbeitet, wird das russisch-amerikanische Verhältnis zu einem großen Teil nicht durch bilaterale Faktoren bestimmt, sondern dadurch, wie sich die Herausbildung eines neuen Weltordnung gestaltet.“ 

    „Die Rolle Chinas und die Dynamik der Veränderungen im Asien-Pazifik-Raum, die Geschehnisse innerhalb der Europäischen Union, die Situation im Nahen Osten – all dies sind für Russland und die USA nicht bloß Zusammenhänge, sondern entscheidende Umstände“, so der Kommentar. Etwa die weitere Erosion des europäischen Projekts könne das Misstrauen und die Rivalität zwischen Moskau und Washington schüren, während die Nahost-Krise in der Lage sei, das Vorhandensein gemeinsamer Gefahren zu unterstreichen.  

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    Ein Wandel des Weltbau-Modells fange nur an. Vorerst habe die Welt eine Funktionsstörung des bisherigen Modells erfolgreich nachweisen können. Was dieser Wandel mit sich bringe, werde die Welt erst später erfahren, schreibt Lukjanow zum Schluss.

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Fjodor Lukjanow, USA, Russland
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