00:51 27 Januar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1282)
    91035
    Abonnieren

    Der Vorschlag des deutschen Innenministeriums, auf See gerettete Migranten zurück nach Afrika zu bringen, bleibt wahrscheinlich nur heiße Luft, wie ein russischer Experte prognostiziert. Er erläutert, woran es Deutschland mangelt, um die Idee umzusetzen.

    Der russische Politik-Experte Oleg Matwejtschew, Professor an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, sagte der Onlinezeitung vz.ru, die Regierung in Berlin sei gezwungen, der öffentlichen Meinung zuzuhören. Die bisherige Willkommen-Rhetorik in Sachen Flüchtlinge habe Angela Merkels Zustimmungswerte negativ beeinflusst.

    Der Vorschlag des deutschen Innenministeriums klingt allerdings laut Matwejtschew nur auf Papier attraktiv: „In Wirklichkeit sieht er die Einrichtung von Lagern in Tunesien oder Ägypten vor, wo die Flüchtlinge dann auf Asyl in Deutschland warten sollen. Dafür werden die deutschen Steuerzahler aufkommen.“ 

    Horror-Tat in Brüssel: Afrikaner werden die Augen ausgerissen

    Es komme außerdem darauf an, wie streng die zuständigen EU-Diplomaten die Asylbewerber in diesen Flüchtlingslagern unter die Lupe nehmen würden. Die Frage sei, ob es gelinge, Kriminelle und Terroristen abzufiltern, hieß es.

    „Die Migranten haben bereits viele Methoden parat, um ihre wahre Identität zu verheimlichen und gefälschte Papiere zu nutzen. Europäische Geheimdienste wurden seit der Nachkriegszeit indes absichtlich geschwächt, denn die Politik der USA und Großbritanniens setzte voraus, dass nur die Sicherheitsbehörden und Geheimdienste dieser beiden Länder in der Lage seien sollen, effizient zu arbeiten. Deutschland mangelt es an qualifizierten Fachkräften und Ressourcen für ein solches Abfiltern“, so Matwejtschew. 

    Er prognostizierte, die Erklärung des deutschen Innenministeriums bleibe nur heiße Luft. Sie ziele nur darauf ab, jene komplizierte Situation zu lockern, in der die deutsche Führung wegen der Flüchtlingskrise stecke, so der Kommentar.

    Generell sagte der russische Experte: „Die Libyer haben nicht sich selbst gebombt. Dies haben die Nato und die proamerikanische Koalition getan. Sie müssten auch die Verantwortung dafür übernehmen.“

    Flüchtling vergewaltigt Frau: „Wusste nicht, dass es in Deutschland strafbar ist“

    Dass das deutsche Innenministerium dafür plädiert, im Mittelmeer gerettete Migranten nach Afrika zurückzuschicken, hatte eine Sprecherin von Thomas de Maizière kürzlich mitgeteilt. Sie sagte der „Welt am Sonntag“: „Ziel muss es sein, den Schleuserorganisationen die Grundlage für ihre Geschäfte zu entziehen und die Migranten vor der lebensgefährlichen Überquerung des Mittelmeeres zu bewahren.“

    Flüchtlinge, die von Libyen aus in See stechen, sollen dem Vorschlag zufolge in ein anderes nordafrikanisches Land gebracht werden (etwa nach Tunesien oder Ägypten), um dort ihren Asylantrag für Europa stellen zu können.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1282)

    Zum Thema:

    Vergewaltigung im Dschungel von Calais: Drei Flüchtlinge verhaftet
    Gruselfund in Dänemark: Tote Flüchtlingskinder in Eisschrank - Vater unter Verdacht
    Sanktionen gegen die Türkei? - Die EU im Flüchtlingsdilemma
    „Unwürdig“: Hollande will alle Flüchtlingslager in Frankreich räumen
    Tags:
    Migranten, Oleg Matwejtschew, Mittelmeer, Libyen, Großbritannien, USA, Deutschland, Ägypten, Tunesien, Europäische Union