20:36 08 April 2020
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    Donald Trump hat die Wahlen gewonnen - trotz zahlreicher Meinungsumfragen, die seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton bessere Chancen auf einen Wahlsieg zugesprochen hatten. Warum verschätzen sich Soziologen in ihren Prognosen? Der Politologie-Dozent Geworg Mirsajan macht unter anderem den Sender CNN dafür verantwortlich.

    „Eine wichtige Rolle hat die Wahlbeteiligung gespielt. Trump hat seine Wähler zu den Wahllokalen geführt. Er hat sie überzeugt, zu kommen, denn nicht derjenige gewinnt, der mehr Stimmen sammelt, sondern derjenige, der seine Wähler dazu bringt, an der Wahl teilzunehmen“, sagte Mirsajan im Gespräch mit Sputnik.

    Der zweite Faktor, der zum Wahlsieg Trumps wesentlich beigetragen hat, waren aus der Sicht des Politologen die sogenannten „scheuen Trumpisten“.

    „Es kam zu einer identischen Situation wie mit dem Brexit, als es in Großbritannien einfach unsittlich war, sich für den Brexit auszusprechen“, so der Politologe weiter. Viele Briten hätten öffentlich nur das gesagt, was man von ihnen erwartete. „Doch als sie in die Wahllokale kamen, haben sie so gestimmt, wie sie fühlten – für den Brexit. Etwas Ähnliches hat sich nun in den USA wiederholt.“

    Die US-Medien hätten sich unglaublich bemüht, die Bürger für ihre Sympathie gegenüber Trump zu beschämen: „Den Menschen wurde lange eingeredet, dass es unanständig ist, Trump zu unterstützen, deshalb haben viele ihre wirklichen Sympathien einfach verschwiegen. Und so waren sie umso motivierter, aus Protest (für Trump – Anm. d. Red.) zu stimmen.“

    Besonders habe sich dabei CNN hervorgetan. Der Sender ist aus Sicht des Politologen auch daran schuld, dass der Wahlausgang sich komplett von den Erwartungen der amerikanischen Elite unterscheidet.

    „Im Laufe des gesamten Präsidentschaftsrennens redete CNN den Wählern aktiv ein, Trump sei der schlimmste Kandidat, ein Verräter und Faschist und versuchte, in der Öffentlichkeit Hass gegen Trump entwickeln zu lassen“.

    Damit habe CNN aber genau das Gegenteil erreicht: Er habe mit seiner Beschämung die Wähler dazu gezwungen, zu verheimlichen, dass sie tatsächlich für Trump stimmen wollten. Und die Soziologen seien dieser Situation zum Opfer gefallen.

    „Das ist eine Art Rebellion der weißen Mittelklasse gegen die Verarmung und Veränderung des Images des alten guten Amerikas, der Vorstellung, dass jeder für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist und dass jeder Millionär werden kann“, so der Politologe abschließend.

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    Tags:
    Umfrage, Donald Trump, Großbritannien, USA