23:18 10 Dezember 2019
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    AfD nach Trump-Wahl gelassen – Gauland: „Wir müssen auf Vorschläge warten"

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    In Deutschlands Politik überwiegt der Schock über den unerwarteten Wahlsieg Trumps. Spitzenpolitiker äußerten sich skeptisch, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen könnte. Dr. Alexander Gauland, Vizechef der Alternative für Deutschland, gibt sich dagegen gelassen: "Uns sollte es um deutsche Interessen gehen."

    Herr Dr. Gauland, die europäischen Regierungen gaben sich heute fast durchweg entsetzt über das Ergebnis der US-Wahlen. Mit welchen Gefühlen schauen Sie nun über den Atlantik? 

    Völlig neutral. Ich mische mich nicht gern in Angelegenheiten, die mich nichts angehen. Die Amerikaner haben gewählt und wir werden sehen, welche Politik der neue Präsident Trump betreiben wird. Uns sollte es in jedem Fall um die deutschen Interessen gehen.

    Deutsche Medien haben bereits getitelt, der Wahlsieg Trumps sei das größte „Fuck you“ in der Geschichte von US-Wahlen. Warum glauben Sie, haben sich die Wähler mehrheitlich so entschieden? 

    Es gibt viele inneramerikanische Probleme, wie die Deindustrialisierung, der Abstieg der weißen Arbeiterschaft, die nicht mehr vorhandene Vollbeschäftigung und natürlich der Fakt, dass die großen Erwartungen, die man in Obama gesetzt hatte, nicht erfüllt wurden. 

    Dazu kommt — und das gilt für alle westlichen Gesellschaften — eine Spaltung zwischen Volk und Eliten. Viele westliche Eliten neigen unter der Überschrift "Wir machen das schon" dazu, das Volk nicht mehr zu fragen. Diese Stimmung hat Trump ausgenutzt und damit einen Erfolg erzielt, den viele nicht erwartet hatten.

    Hierzulande wurde in den vergangenen Monaten massiv für Hillary Clinton Stimmung gemacht. Auch die Bundesregierung hatte sich ungewöhnlich früh auf einen Kandidaten festgelegt – und der hieß nicht Trump. War das rückblickend ein Fehler? 

    Jede Einmischung in einen fremden Wahlkampf ist immer ein Fehler. Das geht uns nichts an. Da hat die Bundesregierung einen großen Fehler gemacht.

    Außenminister Steinmeier hat als Reaktion bereits verkündet, Vieles würde nun schwieriger werden. Würden Sie das so unterschrieben? 

    Das kann man einfach noch nicht sagen. Viel hat Trump ja noch nicht zur Außenpolitik geäußert. Ja, er deutete mal an, dass die Europäer mehr in die Nato einzahlen sollten. Er meint auch, mit Putin gut auszukommen und er hat wohl Probleme mit dem Freihandel. Das sind die Dinge, die wir kennen. Freihandel ist ein Problem für Deutschland, weil wir eine Exportnation sind. Mit Putin gut auszukommen soll mir recht sein. Und bei der Nato müssen wir auf konkrete Vorschläge warten.

    Auch in vielen europäischen Ländern ist die Bevölkerung unzufrieden mit den etablierten Parteien. Wünschen Sie sich einen Donald Trump auch in Europa, damit sich etwas ändert?  

    Ich glaube, jedes Land ist völlig verschieden. Wir haben ja zum Beispiel schon in Österreich, in Frankreich, in Großbritannien mit dem Brexit oder in Deutschland mit der AfD Entwicklungen, die solche Änderungen vorantreiben. Wir brauchen also gar keinen Donald Trump mehr in Europa, da es hier bereits verschiedene Ausprägungen eines anderen politischen Willens gibt.

    Aber Sie würden schon sagen, dass das Volk auch hier unzufrieden ist mit dem so genannten Establishment?

    Ja, es ist ein durchgehendes Motiv, dass die Menschen das Gefühl haben, ihre Positionen und politischen Meinungen werden von den Eliten nicht ernst genommen. Und darum wählen sie diese politischen Eliten ab.

     

    Interview: Marcel Joppa

     

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    Wahlen, US-Präsidentschaftswahl 2016, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Donald Trump, Alexander Gauland, Hillary Clinton, Deutschland, USA