05:44 19 November 2019
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    Tipps für Präsident Trump: „Man sollte nicht danach streben, Russland zu ändern“

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    Als Präsident sollte sich Donald Trump auf manche unangenehme Entdeckungen gefasst machen – und möglicherweise sogar auf Sabotage in der US-Gesellschaft. Darauf weist der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow hin. Er erläutert, was Russland und Amerika in ihren Beziehungen am meisten brauchen.

    Lukjanows Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, ist in Form eines offenen Briefes an Trump verfasst: „Sehr geehrter Herr 45. US-Präsident! Die Kampagne, die Sie soeben gewonnen haben, wird in die Geschichte Ihres Landes eingehen. Noch nie zuvor war der Wahlkampf so unberechenbar, nervös und inhaltslos gewesen, aber auch so erstaunlich in Sachen Verweise auf das Ausland.“

    „Mein Land stand erstmals nahezu im Mittelpunkt Ihrer Wahlen. Sie persönlich und vor allem Ihre Rivalin sagten viel zum Thema. Doch wir verstehen: Wahlen sind Wahlen, besonders in Amerika. Das ist eine Show, die ihre Gesetze hat. Was dabei gesagt wird, ist nicht unbedingt eine Anleitung zum Handeln nach dem Sieg. Wir werden deshalb unsere Erwartungen nicht übertreiben und mit keinem Wunder der Neugeburt rechnen. In der Politik gibt es fast keine Wunder, obwohl ihr Wahlsieg auch so eingestuft werden könnte“, schreibt Lukjanow.

    „Ihren Sieg haben Sie eher Ihren Opponenten zu verdanken als Ihnen selbst – Sie waren der Tropfen, der das US-Establishment und die ganze Linie nach dem Kalten Krieg zum politischen Bankrott brachte“, heißt es im Beitrag.

    „Sie haben versprochen, Amerika wieder groß zu machen. Ihre Vorstellung davon beinhaltet offenbar etwas in der Art der ‚guten alten‘ Fünfziger, als Amerika ein Sieger in einem schrecklichen, aber gerechten Krieg gewesen war; als es hohes Ansehen genossen, aber noch keine Political Correctness erlebt hatte. Doch es wird keine Rückkehr dorthin gelingen. Ebenso wenig wäre es Ihrer Wahlrivalin gelungen, in das ‚Goldene Zeitalter‘ ihres Ehemannes Bill zurückzukehren“, so Lukjanow.

    Er wendet sich weiter an Trump: „Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann und haben immer gesagt, dass Sie als Präsident in der Lage wären, ‚günstigere Deals‘ zu schließen. Nun werden Sie zwei Entdeckungen machen. Erstens kann nicht alles in der großen Politik als Gegenstand eines Deals behandelt werden. Zwar vieles, aber eben nicht alles. Zweitens kann ein Geschäftsmann, wenn es mit einem Deal nicht klappt, einfach aufstehen und weggehen, um einen anderen Partner zu suchen. Da wird so etwas nicht gelingen. Man kann weder irgendwohin weggehen noch den Gesprächspartner wechseln, der übrigens erfahrener und (sogar) klüger sein kann als Sie.“ 

    „Sie werden mit der zunehmenden Krise innerhalb der US-Gesellschaft zu tun haben müssen. Diese ist polarisiert – und Ihr Sieg wird die Polarisierung nur schüren. Wahrscheinlich werden Sie sogar auf Sabotage stoßen. Machen Sie sich darauf gefasst“, rät Lukjanow.

    Generell postuliert er, Russland und Amerika hätten wenig Gemeinsames. Ihre Weltanschauung sei unterschiedlich – genauso wie das System von Prioritäten und Werten. Was zwischen den beiden Ländern stabil aussehe, sei die Abwechslung von Zuspitzung und Entspannung. Der Versuch einer engen Partnerschaft in den 199er Jahren sei eine Anomalie gewesen und habe sich als schädlich erwiesen, denn das Pendel sei danach ebenso extrem in die entgegengesetzte Richtung geschwungen.

    „Man sollte deshalb keine Illusionen hegen, dass wir enge Partner und erst recht Verbündete werden könnten. Man sollte nicht so tun, als ob wir viele zusammenfallende Interessen hätten. Man sollte nicht danach streben, Russland zu ändern, das bringt nichts. Russland lässt sich von seiner eigenen Logik leiten. Dass diese anders ist als die amerikanische, bedeutet noch nicht ihre Fehlerhaftigkeit. Das scheinen Sie auch zu begreifen. Es lohnt sich nicht zu erwarten, dass  Russland Ihnen gegen China oder gegen den Iran beistehen wird, die Sie im Wahlkampf so heftig kritisiert hatten. Russland wendet sich dem Osten nicht wegen seines Zerwürfnisses mit dem Westen zu, sondern weil das Land dies strategisch braucht“, schreibt Lukjanow.

    Sein Wunsch in Bezug auf das russisch-amerikanische Verhältnis: „Wir sollten es lernen, mit den Widersprüchen zu leben, sie zu managen und Risiken zu reduzieren. Wir brauchen einender zu respektieren, selbst wenn wir miteinander nicht einverstanden sind. Wir sollten zu einem normalen Dialog über jene Dinge fähig sein, die uns gleichermaßen bedrohen.“

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    Fjodor Lukjanow, Donald Trump, Russland, USA