14:29 23 April 2019
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    Nato-Chef Jens Stoltenberg

    Stoltenbergs neue Sorgen: „Er will Trump dazu bewegen, die Nato liebzugewinnen“

    © AFP 2019 / Ozan Kose
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    Nachdem der Nato-Chef den designierten US-Präsidenten vor einem Alleingang in Sachen Sicherheit gewarnt hat, beschäftigen sich russische Experten mit der nächsten Zukunft des Nordatlantischen Bündnisses. Dieses habe aus ihrer Sicht eine massive Revision zu befürchten, weswegen seine Führung nervös werde.

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg
    © AFP 2019 / John Thys
    Der russische Politik-Experte Alexej Martynow sagte der Onlinezeitung vz.ru, in der Nato habe man Angst, dass jene Doktrinen, die mit der Osterweiterung zusammenhängen, nun revidiert werden könnten.

    Den jüngsten Gastbeitrag des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg für die britische Sonntagszeitung „The Observer“ bezeichnete Martynow als „verschleierte Erpressung“ des designierten US-Präsidenten. Stoltenberg hatte gemahnt: „Wir stehen vor den größten Herausforderungen für unsere Sicherheit seit einer Generation. Jetzt ist keine gute Zeit, die Werte der Partnerschaft zwischen Europa und den USA infrage zu stellen. (…) Der Alleingang ist weder für Europa noch für die USA eine Option.“

    Martynow kommentierte weiter, die Nato habe mit dem Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton gerechnet, damit alles beim Alten bleibe. Das amerikanische Volk habe jedoch überraschenderweise anders entschieden. Nun seien die Nato-Leute angesichts der drohenden Revision „völlig verwirrt“.

    Der russische Politik-Experte Alexander Perendschijew prognostizierte hinsichtlich Trumps mögliche Politik, in nächster Zeit sei zwar kaum eine Kürzung der Nato-Ausgaben zu erwarten, die neue US-Regierung werde aber wahrscheinlich von ihren europäischen Verbündeten eine sorgfältigere Rechenschaft für das bereitgestellte Geld fordern.

    Nach Trumps Sieg: „Die USA werden zwar kaum aus der Nato austreten, aber…“

    „Bisher gingen die europäischen Staaten davon aus, dass sie nicht für ihre Sicherheit sorgen müssen. Ihre Regierungen übertrugen die Verantwortung dafür eben auf die USA. Amerika hinderte sie nicht daran, forderte aber, gewisse Bedingungen einzuhalten. Nun wäre eine starke Umformatierung möglich“, so Perendschijew.

    Kurz zuvor hatte auch Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, auf Stoltenbergs Beitrag für „The Observer“ reagiert. Sie schrieb auf Facebook: „Wenn man den Inhalt des Beitrags zusammenfasst und sozusagen in die Sprache der Realpolitik übersetzt, so laute er wie folgt: Wer soll nun für unseren Lebensunterhalt sorgen und uns leiten? Wer soll uns nun für jenen Obskurantismus bezahlen, den Washington uns betreiben lässt? In den letzten Jahren haben wir ja selbständiges Denken und Handeln verlernt.“

    Der russische Parlamentarier und Auslandsexperte Alexej Puschkow twitterte: „Obama ist in Brüssel vergessen, alle Gedanken gelten nun Trump. Der erschrockene Stoltenberg versucht über Medien, Trump dazu zu bewegen, die Nato liebzugewinnen. Panik geht weiter.“

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    Tags:
    EU, NATO, Maria Sacharowa, Alexej Puschkow, Alexander Perendschijew, Hillary Clinton, Donald Trump, Jens Stoltenberg, USA