19:07 05 Dezember 2019
SNA Radio
    Anti-Trump-Proteste in Berlin (Archivbild)

    Rätseln über US-Dominanz unter Trump: „Deutschland hat es besonders schwer“

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Politik
    Zum Kurzlink
    Donald Trump wird US-Präsident (182)
    201795
    Abonnieren

    Seit einem Vierteljahrhundert hat sich die Welt an eine US-Dominanz gewöhnt. Der Wahlsieg von Donald Trump schafft diesbezüglich nun Unklarheit, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow feststellt. Er erläutert, mit welchen Fragen Europa, China und Russland in diesem Zusammenhang konfrontiert werden.

    In einem Gastbeitrag für die russische Zeitschrift „Ogonjok“ schreibt Lukjanow, Trumps Vorgehen im Ausland sei eine offene Frage. Die neue US-Außenpolitik werde kaum auf den spektakulären Parolen aus dem Wahlkampf basieren.

    „Die Verbündeten der USA haben Zweifel an deren Verlässlichkeit und Bereitschaft, Verpflichtungen zu erfüllen. Das war auch früher der Fall, wird sich nun aber verschärfen. Europa ist verwirrt, denn es befürchtet, außerhalb der Prioritäten der neuen US-Regierung zu landen“, so Lukjanow.

    „Besonders schwer hat es Deutschland, das versucht, die zunehmenden Herausforderungen in Europa irgendwie zu meistern, und kürzlich beschloss, sich ernsthaft an die gewohnte US-Schulter anzulehnen. Ob diese Schulter nun bleibt, steht in den Sternen“, heißt es im Kommentar.

    Auch in Asien herrsche Unklarheit über Trumps künftige Politik: „Japan und Südkorea denken ernsthaft darüber nach, wie sie ihre Sicherheit im Angesicht Chinas und des aggressiven Nordkoreas gewährleisten sollen, aber auch darüber, wie sich Washington im Fall einer Eskalation verhalten wird. China passt aufmerksam darauf auf, inwieweit Trump seine scharf antichinesische Wahlrhetorik nun umsetzen wird. Der Iran will wissen, was mit dem Versprechen des designierten US-Präsidenten geschehen wird, Obamas Atom-Deal mit Teheran zu kündigen“, so Lukjanow weiter.

    „Im Nahen Osten ist Israel die einzige angekündigte Priorität, alles andere nebulös. Ein Regimewechsel in weiteren Ländern der Region ist eher nicht zu befürchten – das neue Team in Washington wird dazu offenbar nicht geneigt sein“, lautet die Prognose des Experten.

    Es stehe auch nicht fest, wie Trumps Politik gegenüber Russland aussehen werde. Dem Kreml gefalle zumindest die Überzeugung des designierten US-Präsidenten, dass sich Amerika nicht überall einmischen solle: „Etwas fraglicher wirkt Trumps Streben nach Aufrüstung – ebenso wie überhaupt seine Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, damit man Amerika respektiert. Die antichinesische und antiiranische Einstellung entspricht keineswegs den aktuellen Prioritäten Russlands, obwohl Donald Trump wahrscheinlich versuchen wird, auf eine Annäherung mit Russland zu setzen, um China einzudämmen.“

    Generell schreibt Lukjanow: „Seit einem Vierteljahrhundert hat sich die Welt tatsächlich an eine US-Dominanz gewöhnt. Diese gefiel, gelinde gesagt, nicht allen, machte aber auf ihre Weise das Tragewerk der Weltpolitik aus. Ein Verzicht der USA auf diese Rolle bzw. die Befürchtungen, dass er möglich wäre, eröffnet allzu viele undurchschaubare Perspektiven. Vorerst ist niemand dazu ernsthaft bereit, obwohl die Lücke zweifelsohne mit etwas gefüllt werden wird.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Donald Trump wird US-Präsident (182)

    Zum Thema:

    Knappe Hälfte der Deutschen glaubt an Erfolg eines „deutschen Trumps“
    Trump-Apokalypse naht: US-Amerikaner rüsten sich für Weltuntergang
    „Warnung an Deutschland“: Gabriel zu Trumps Sieg
    Alexander Rahr: Trumps Triumph wird die Welt verändern
    Tags:
    Donald Trump, Deutschland, USA