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    Abschied von Lech Kaczyński

    Unregelmäßigkeiten nach Absturz bei Smolensk: Polens Ex-Präsident Kaczyński exhumiert

    © REUTERS / Kacper Pempel
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    Im Wawel zu Kraków sind die sterblichen Hüllen des ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczyński und seiner Ehefrau Maria exhumiert worden, die im Jahr 2010 bei einem Flugzeugabsturz nahe Smolensk ums Leben gekommen waren, wie die Agentur PAP meldet.

    Wie der Ermittlungsleiter der polnischen Staatsanwaltschaft, Marek Pasionek, erläuterte, war in den medizinischen Dokumenten „eine Vielzahl von Verstößen“ festgestellt worden. Nun soll eine 14-köpfige Expertengruppe innerhalb von vier Monaten ein Gutachten erstellen.

    Der Sarg, in dem das Ehepaar seine letzte Ruhe gefunden hat, sei nach der Schließung des Wawels für Besucher geöffnet worden, in der Wawel-Kathedrale sei dazu eine Messe für die nächsten Angehörigen der Kaczyńskis, darunter Tochter Marta und der Zwillingsbruder des Präsidenten und Vorsitzende der Partei „Recht und Gerechtigkeit“, Jarosław Kaczyński, zelebriert worden.

    Nach der Messe wurden die sterblichen Überreste den Experten der Pathologie des Collegium Medicum der Jagiellonen-Universität Kraków übergeben. Neben der traditionellen Obduktion sei eine Computer-Tomographie im 3-D-Format geplant, um den Experten eine Untersuchung beider Körper zu ermöglichen, wie sie bei einer gewöhnlichen Untersuchung nicht möglich ist. 

    Mehr zum Thema: Polen gibt Dokumente zu Flugzeugabsturz bei Smolensk frei

    Am 18. November sollen die Kaczyńskis im Beisein ihrer Angehörigen bereits wieder bestattet werden können. Eine offizielle neue Bestattungszeremonie sei nicht vorgesehen, heißt es.

    Mit der Exhumierung der Kaczyńskis werden erstmals Opfer des Flugzeugabsturzes bei Smolensk zusätzlich obduziert. Insgesamt sollen 83 Tote der Tragödie exhumiert und untersucht werden. Diese Prozeduren sollen laut der polnischen Generalstaatsanwaltschaft bis Ende 2017 abgeschlossen sein.

    Die Regierungsmaschine Tu-154 mit Lech Kaczynski und anderen ranghohen Vertretern der polnischen Führung an Bord war am 10. April 2010 beim Landeanflug auf den Militärflugplatz Smolensk-Nord im russischen Gebiet Smolensk verunglückt. Alle 96 Insassen – 88 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder — kamen dabei ums Leben.

    Im Jahr 2011 veröffentlichte das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (MAK) seinen endgültigen technischen Untersuchungsbericht, laut dem als unmittelbare Absturzursache die Entscheidung der Crew genannt wurde, keinen Ausweichflugplatz anzufliegen, und als weitere Ursachen – Mängel bei der Organisation des Flugbetriebs und bei der Flugvorbereitung der Crew.

    Die neue polnische Kommission, die jetzt die Umstände des Flugzeugabsturzes bei Smolensk untersucht, stellte am 15. September erste Untersuchungsergebnisse vor. Wie die Experten erklärten, hat die Zerstörung der Maschine schon 900 Meter vor der Absturzstelle noch in der Luft eingesetzt, und von den Flugschreibern seien die letzten Sekunden der Aufzeichnungen verschwunden.

    Der Kommission soll es nun gelungen sein, Zugang zu den vollständigen Versionen der Aufzeichnungen zu bekommen, die bezeugen würden, dass in den letzten Flugsekunden bei dem Flugzeug der Generator, ein Triebwerk und der Höhenmesser ausgefallen waren. Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz hatte entschieden, die mit dem Flugzeugabsturz verbundenen Dokumente freizugeben.

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    Exhumierung, Internationales Luftfahrtamt (MAK), Marek Pasionek, Jaroslaw Kaczynski, Lech Kaczynski, Polen, Smolensk