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    Berlaymont-Gebäude in Brüssel, der Sitz der Europäischen Kommission

    Trumps Sieg als Crashtest: „EU-Schwäche geht nicht auf Moskaus Aktivitäten zurück“

    © REUTERS / Francois Lenoir
    Politik
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    Es sieht danach aus, dass die EU-Spitze überhaupt keinen Plan für Donald Trumps Wahlsieg hatte. Es fällt ihr schwer, die veränderte Realität zu akzeptieren. Das wäre ein Beispiel dafür, dass die Schwäche der Europäischen Union nicht etwa auf Moskaus Umtriebe zurückgeht. In diesem Sinne kommentiert die russische Onlinezeitung vz.ru die Lage.

    Wie die Onlinezeitung schreibt, haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche auf die veränderte Welt zu vorbereiten versucht, wo Donald Trump als US-Präsident fungieren wird.

    „Die Europäer sollten unabhängig vom US-Regierungswechsel ihre eigene Sicherheit festigen und die Kooperation im Bereich der Verteidigungspolitik ausbauen“, zitiert vz.ru im Hinblick darauf die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

    „Der Optimismus der EU-Außenbeauftragten ist zu beneiden. Wie gerechtfertigt ist er aber?“, kommentiert die russische Onlinezeitung und weist darauf hin, dass die Chefdiplomaten Großbritanniens, Ungarns und Frankreichs beim jüngsten EU-Außenministertreffen gefehlt hatten.

    „Vorerst ist es unklar, ob Donald Trump tatsächlich fähig sein wird, die US-Außenpolitik auf die Weise zu ändern, die die europäischen Spitzenvertreter so beängstigt. Es geht also darum, ob jene Geldmengen drastisch schrumpfen, die aus dem US-Haushalt für die europäische Sicherheit – oder genauer gesagt, für eine sinnlose Konfrontation mit Russland – bereitgestellt werden“, heißt es im Kommentar.

    Vz.ru klärt über mögliche Hürden für einen US-Kurswechsel auf: „Trumps Umfeld machen System-Republikaner aus, deren Überzeugungen, darunter auch in Sachen Außenpolitik, sich jahrzehntelang herausgebildet hatten. Sie verstehen die Sprache der Gewalt und ziehen auch vor, von dieser Position aus mit anderen zu sprechen.“

    Die Atmosphäre, die seit Trumps Wahlsieg in Europa herrsche, sei aber bemerkenswert. Denn es habe sich herausgestellt, dass Brüssel und Berlin überhaupt keinen Plan B für den Wahlausgang hätten, hieß es. Mit Hillary Clintons Niederlage hätten sie nicht gerechnet.

    „Russland wird regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, die EU ‚zerrütten‘ und ‚schwächen‘ zu wollen. Trumps Sieg zeigte, dass die Schwäche der Europäischen Union nicht auf irgendwelche Aktivitäten Moskaus zurückgeht, sondern auf die Einseitigkeit der EU-Spitze, die keinen alternativen Gesichtspunkt berücksichtigen will“, schreibt die russische Onlinezeitung ferner.

    Die EU-Spitze weigere sich, die veränderte Realität zu akzeptieren, und hoffe, dass alles wieder gut werde. Zwar sei es wirklich nicht auszuschließen, dass ein Wandel in der US-Außenpolitik ausbleibe: „Doch es ist jetzt offensichtlich, dass Trumps Sieg (obwohl er, objektiv gesagt, bei weitem nicht die größte Bedrohung für die europäische Einheit ausmacht) zu einem Crashtest für die europäische Diplomatie wurde, die ihn nicht bestehen konnte.“

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    Tags:
    Sieg, Kursänderung, Crash, Test, Donald Trump, Hillary Clinton, Federica Mogherini, Europa, USA, Russland