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    Studentenproteste in Nizza (Archivbild)

    Frankreich: 45 Prozent der Jugendlichen wollen nächster Präsidentenwahl fernbleiben

    © AP Photo / Lionel Cironneau
    Politik
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    Der Leiter der Politikabteilung des französischen Meinungsforschungsinstituts (IFOP), François Kraus, hat in einem Interview mit Sputnik die unter den Jugendlichen verbreitete Politikenttäuschung kommentiert.

    Eine Umfrage, die im Auftrag der Zeitschrift „L'Etudiant" vorgenommen wurde, hat ergeben, dass 45 Prozent der  Studenten  in Frankreich die Präsidentschaftswahl von 2017 ignorieren werden. Dabei hatte François Hollande 2012 verkündet, es sei die Jugend des Landes, für die er Staatspräsident werden wolle.

    Um das Phänomen zu erklären,  beziehen sich einige auf die Arbeitsmarktreform oder auf Ereignisse wie die Abschiebung der 15-jährigen Roma Leonarda Dibrani, die während eines Schulausfluges festgenommen wurde, oder den Tod des Naturschützers Rémi Fraisse, der bei einer Protestdemonstration  von einer Blendgranate getroffen wurde, die die Polizei einsetzte.

    Allerdings seien diese  Stimmungen  auf soziale Hintergründe zurückzuführen, sagte Kraus: «Ich glaube, das hängt eher damit zusammen, ob sich die Studienbedingungen verbessert haben.  Sind die Hörsäle nach wie  vor überfüllt? Haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert? Ist die  finanzielle Hilfe in den Bereichen Unterkunft und Verkehr gewachsen? Ist die Krankenversicherung besser geworden? Das sind  konkrete Probleme. Und es wird auch verständlich, dass die Studenten, von denen es  mit jedem Jahr immer mehr gibt, nicht wahrnehmen, dass es ihnen besser geht». Außerdem seien die Regierungen, die während Hollandes  Amtszeit tätig waren, bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit  gescheitert, die den Jugendlichen die größten Sorgen mache.

    Die französischen Studenten würden eindeutig nach rechts rücken, so Kraus. «Was den  politischen Kontakt anbetrifft, haben die Linken etwa zehn Prozentpunkte eingebüßt, und immer mehr Studenten fühlen sich keiner Partei nahe».

    Laut der Umfrage ist der Anteil der Studenten, die linke Parteien unterstützen, tatsächlich um 9,7 Prozentpunkte zurückgegangen, die Unterstützung von Zentristen und rechten Parteien hat um 1,5 Prozentpunkte zugenommen und  der Anteil der Anhänger der Front National ist  um 4,5 Prozentpunkte gestiegen.

    Dies zeuge davon, dass die jungen Leute die Politik von François Hollande ablehnen, der 2012 versprochen habe,  dass die französische Jugend im Mittelpunkt seiner  Tätigkeit auf dem Posten des Staatspräsidenten stehen werde, betonte Kraus. Zum Nachweis ging er wieder auf das Ergebnis der IFOP-Umfrage ein.

    Unter anderem habe das Meinungsforschungsinstitut  die Studenten gefragt, ob die Politiker, die sich zur Präsidentschaftswahl  im Jahr 2017 aufstellen lassen haben oder das tun können, ihre Probleme  beachten würden. In Bezug auf den heutigen Präsident  haben lediglich 20 Prozent  der Befragten mit „Ja" antworten können. Damit sei François Hollande ganz am Ende der Liste gelandet, zusammen mit Philippe Poutou von der Neuen Antikapitalistischen Partei.

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    Tags:
    Präsidentenwahl, Studenten, Umfrage, Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich, IFOP, François Hollande, Frankreich