00:43 25 September 2020
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    Warum bestellt Saudi-Arabien einen neuen Raketenkomplex in der Ukraine?

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    Die Ukraine hat einen neuen operativ-taktischen Raketenkomplex (OTRK) „Grom“ entwickelt, der es der Ukraine erlauben soll, Moskau im Visier zu behalten, wie das ukrainische Nachrichtenportal apostrophe.ua seinen Lesern erzählt. Das Militär wolle ihn bereits im Dezember testen.

    Laut dem Nachrichtenportal soll dieser Raketenkomplex das militärische Kräfteverhältnis zwischen der Ukraine und Russland verändern helfen.  Derartige Überlegungen wecken bei russischen Experten Befremden, da sich Russland ja  nicht im Kriegszustand mit der Ukraine befindet. Zudem sind es von der ukrainischen Grenze bis nach Moskau mehr als 500 Kilometer, und bodengestützte ballistische Raketen und Marschflugkörper mittlerer und  geringer Reichweite (mit einem Aktionsradius von mehr als 500 Kilometern) sind in Europa laut dem INF-Vertrag von 1987 (Intermediate Range Nuclear Forces, deutsch: Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme) verboten. Dieser Vertrag, der auch neue Waffen dieser Art in Europa verbietet, gilt auch für die Ukraine, und ein Verstoß dagegen würde ernsthafte internationale Konsequenzen haben.

    Die Agentur Sputnik hat nun russische Militärexperten befragt, was das für eine Waffe sei, die bald in der Ukraine auftauchen könne. Der namhafte Militärexperte und politische Analytiker Konstantin Siwkow, erster Vize-Präsident der Akademie für geopolitische Probleme, äußerte sich hierzu.

    Ashton Carter und Stepan Poltorak
    © AFP 2020 / Virginia Mayo / POOL

    „Ich denke nicht, dass man in der Ukraine fähig ist, irgendeine neue Superwaffe zu entwickeln. Zumindest aus dem einfachen Grund, dass nicht einmal die Amerikaner über eine solche Waffe verfügen. Die Entwicklung einer superneuen Waffe ist in jeder Hinsicht eine sehr komplizierte Sache. Und das, wo die Ukraine bislang nicht einmal etwas Neues bei der Panzertechnik hat schaffen können.“

    Allerdings gibt es ein Land, das Interesse an dieser ukrainischen Neuentwicklung bekundet hat – Saudi-Arabien. Es hat diese ukrainische Neuentwicklung bestellt und finanziert sie im vollen Umfang mit 40 Millionen US-Dollar. Die Experten sind verwundert, wozu dieses Königreich, das mit modernen amerikanischen Waffen und chinesischen ballistischen Mittelstreckenraketen „Dongfeng“ (Reichweite bis zu 2.800 Kilometern) ausgerüstet ist, ein Erzeugnis des Chemiewerkes Pavlohrad braucht. Dieses Werk ist in der Ukraine nur für seine Produktion von Sprengstoff, festem Raketentreibstoff sowie für den Großhandel mit Schotter bekannt.

    Manche Experten vermuten sogar, dass es sich beim Projekt „Grom“ nicht um einen Raketen-Auftrag für Riad handelt, sondern eher um eine getarnte  Militärhilfe für Kiew durch eine dritte Seite, und zwar für die künftige Konfrontation mit Moskau und die Umsetzung der ukrainischen Variante eines „globalen Schlages“. Eine solche Meinung vertritt auch Konstantin Siwkow.

    „Es ist so, dass Russland heute die Möglichkeiten Saudi-Arabiens, seine Kontrolle über den Nahen Osten herzustellen, stark und real einschränkt. Daher wahrscheinlich der Wunsch, Russland Unannehmlichkeiten zu bereiten. Dabei gehen die Saudis nie direkt vor. Das heißt, sie sind bereit, finanzielle Unterstützung zu erweisen, verfügen sie doch über große Geldressourcen, und sie sind bemüht, sie irgendwo anzulegen. Vielleicht handelt es sich um eine getarnte Form des Eindringens in die Ukraine.“

    Aber wie dem auch sei, bis zur Aufnahme der Serienproduktion des operativ-taktischen Raketenkomplexes „Grom“ (deutsch „Donner“) sind noch unzählige Testversuche erforderlich. Zuvor hatte die Ukraine derartige Waffen weder entwickelt noch hergestellt. Das saudische Geld könnte demnach quasi in einem „schwarzen Loch“ verschwinden, meinen Experten.

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    Tags:
    INF-Vertrag, Grom (Raketenkomplex), Konstantin Siwkow, Saudi-Arabien, Ukraine