19:06 19 September 2017
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    „Der leichteste Weg, Europa zu infiltrieren“ - IS tarnt Kämpfer als Flüchtlinge

    © AP Photo/ Sergey Ponomarev/The New York Times/Columbia University
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    Innenminister de Maizière verbietet den salafistischen Verein "Die wahre Religion" und der IS verliert an Boden in Syrien und dem Irak. Trotzdem, oder gerade deswegen, besteht hierzulande weiterhin die Gefahr von islamistischen Anschlägen erklärt der Terrorexperte Rolf Tophoven im Sputnik-Interview.

    Die Verhinderung schwerer Terrorschläge in Deutschland, die den Sicherheitskräften in den letzten Wochen gelungen ist, ist nach des Worten des Terrorexperten Rolf Tophoven ein Zeichen dafür, dass die militant islamistische Szene weiterhin aktiv ist und diese Aktivitäten zunehmend nach Europa verlegen wird.

    Unter diesen Aktivitäten versteht der Direktor des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik sowohl Propaganda, als auch die Rekrutierung aktiver Kämpfer, die dann nicht nur in Deutschland aktiv sein sollten, sondern auch in den Kampfgebieten in Syrien und im Irak. Deutschland müsse mit Anschlägen rechnen, betont der Experte.

    „Je größer die Rückschläge für den IS auf militärischer Basis sind, umso mehr werden sie versuchen, im Ausland, auch in Europa und Deutschland, Präsenz zu zeigen durch Aktionen, durch Rekrutierungen, durch Propaganda, um sozusagen für diese Rückschläge zu kompensieren.“

    Den Gedankengang, der IS würde nicht die Chance nutzen, um Kämpfer nach Europa und auch nach Deutschland einzuschleusen, die ihm Millionen Flüchtlinge geboten haben, hat Tophoven immer für sehr kurzsichtig und naiv gehalten. Auch die „Welt am Sonntag“ berichtete unter Berufung auf einen Warnhinweis des Bundesnachrichtendienstes, dass IS-Kämpfer, als Flüchtlinge getarnt, nach Europa kommen. Sie würden gezielt trainiert, um im Asylverfahren zu bestehen. Tophoven erklärt:

    „Die leichteste Art, Europa zu infiltrieren, war ja in der Vergangenheit die sogenannte Balkan-Route über Österreich und dann weiter nach Deutschland. Seit den Anschlägen vom 13. November letzten Jahres in Paris wissen wir, dass alle Attentäter beim IS ausgebildet wurden und über die Flüchtlingsroute nach Europa gekommen sind. Das ist das deutlichste und signifikanteste Zeichen, dass der IS bewusst Kämpfer ausbildet, sie mit Verhaltensnormen und —regeln ausstattet, um in den europäischen Ländern nicht nur nicht aufzufallen, sondern auch im Stillen operativ tätig zu werden.“  

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    Das Verbot der Organisation "Die wahre Religion“ bezeichnet der Terrorexperte als einen absolut richtigen Schritt. Hier sei ein Propaganda- und Rekrutierungsnetzwerk militanter Islamisten zerschlagen worden. Man müsse allerdings davon ausgehen, dass dies nicht das Ende der Rekrutierungs- und Propagandaversuche der militanten Salafisten sei. Es werde sicher weitere Zugriffe dieser Art geben.

    Einen Königsweg der Terrorismusbekämpfung gebe es nicht, so Tophoven:

    „Die Unterschiede sind häufig von Land zu Land verschieden. Gleichwohl befindet sich Terrorismus aber nicht in einem eigenen nationalstaatlichen Operationsrahmen. Der Terrorismus von heute ist eine internationale, überstaatliche, man kann sagen globalisierte Aufgabe. Die Staaten müssen mit ihren Sicherheitsbehörden kooperieren, um den gemeinsamen Weg der Terrorismusbekämpfung zu suchen und zu finden.“

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