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03:01 20 September 2019
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    Ein Freiwillliger in der Stadt Askerane in der nicht annerkanten Republik Bergkarabach

    Was im Berg-Karabach-Konflikt noch zur Lösung fehlt – Sargsjan

    © Sputnik / Khrayar Badalyan
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    Karabach-Konflikt (134)
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    Armenien ist jederzeit zu Gesprächen zur Beilegung des Berg-Karabach-Konfliktes bereit, gegenseitige Kompromissbereitschaft ist dabei der Schlüssel zum Erfolg, wie der armenische Präsident Sersch Sargsjan im Interview mit Sputnik Armenian sagte.

    Kompromissbereitschaft und Vertrauen müssten jedoch von beiden Seiten ausgehen, so Sargsjan. Vorfälle wie im April dieses Jahres, so betonte er, würden Vertrauen nur abbauen.

    Armenien und Aserbaidschan hatten sich dem armenischen Staatschef zufolge zwar bereits mehrmals zur Unterzeichnung  eines Dokumentes, welches die grundlegenden Prinzipien zur Beilegung des Konfliktes definieren sollte, getroffen. Bislang jedoch ohne sichtbaren Erfolg. Wie Präsident Sargsjan erläuterte, klärt schon der erste Punkt dieses Dokuments, dass der rechtliche Status von Berg-Karabach per Referendum der Einwohner entschieden werden sollte.

    „Die armenischen Seiten d.h  Berg-Karabach und Armenien verlassen die besetzten Gebiete, wie die Sicherheitszone, die Gebiete welche die Aserbaidschaner für besetzt halten“, so der armenische Staatschef. Armenien erkenne zwar selbstverständlich die territoriale Integrität Aserbaidschans an, dennoch könne der vorliegende Konflikt nur unter Beachtung des Selbstbestimmungsprinzips der Völker  gelöst werden. „Wir erkennen die territoriale Integrität  jedes Staates an, auch von Aserbaidschan“, so Sarsjan weiter. Aber das Selbstbestimmungsrecht der Völker widerspreche auch nicht dem Prinzip der territorialen Integrität. „Die  territoriale Integrität betrifft die Beziehungen zwischen den Staaten und das Selbstbestimmungsrecht – die Hauptstädte und das Volk, welches kompakt in zivilisierter Welt lebt“, so Armeniens Präsident.

    Sersch Sargsjan im Interview mit Sputnik Armenian
    © Foto : Pressedienst des armenischen Präsidenten
    Sersch Sargsjan im Interview mit Sputnik Armenian

    Aserbaidschan sehe das jedoch eher skeptisch und stellt sich dem dagegen, so Sargsjan. Nur ein Referendum sei eine richtige Grundlage „für die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts, die aserbaidschanische Seite tritt aber jedes Mal mit anderen Forderungen“, hieß es weiter.  Grundsätzlich aber müsse der Konflikt auf Grundlage der von der Minsker OSZE-Gruppe (die USA, Russland und Frankreich), welche seit 1992 Verhandlungen über die friedliche Beilegung des Konflikts führt, entwickelten Prinzipien gelöst werden.  Eriwan sei auch darum stets zu Gesprächen mit Baku bereit — „aber nur auf Grundlage der Einhaltung dieser Prinzipien“, so Sargsjan. Weitere nötige Bausteine zur Konfliktlösung seien Vertrauen und Kompromissbereitschaft, wovon in den Beziehungen mit Aserbaidschan nicht die Rede sein könne.

    „Es gibt eine Lösung und wir wissen, dass die auf Kompromissen basieren muss“, so Armeniens Staatschef abschließend.

    Der Berg-Karabach-Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan war erstmals mit der Unabhängigkeit der beiden Staaten nach 1918 aufgetaucht und während des Zerfalls der Sowjetunion seit 1988 neu ausgebrochen. Infolgedessen erklärte sich die Republik Berg-Karabach für unabhängig, wird seitdem international jedoch von keinem Staat offiziell anerkannt.

    Armenien und Aserbaidschan hatten am 2. April die Zuspitzung der Situation um Bergkarabach bekanntgegeben: Das Verteidigungsministerium in Baku meldete den Beschuss des aserbaidschanischen Territoriums durch armenische Streitkräfte. Die armenische Seite sprach von einer „Offensive“ der aserbaidschanischen Armee. Bei der Eskalation des Konflikts sollen etwa 120 Menschen auf beiden Seiten getötet worden sein.

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    Themen:
    Karabach-Konflikt (134)
    Tags:
    Sersch Sargssjan, Berg-Karabach, Armenien