16:21 26 September 2017
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    Demonstration in Berlin

    Rahr: Merkel alternativlos – wenn nichts Außerordentliches geschieht

    © AFP 2017/ Tobias Schwarz
    Politik
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    Spätestens nachdem US-Präsident Barack Obama bei seinem jüngsten Berlin-Besuch erklärt hatte, Angela Merkel werde nach seinem baldigen Abtreten die Top-Figur der liberalen Welt sein, gab es nach den Worten des namhaften Politologen Alexander Rahr keinen Zweifel mehr, dass die Bundeskanzlerin erneut kandidieren wird.

    Alle potentiellen Opponenten in ihrer Partei, die als Alternative zu Merkel in Frage kommen könnten, habe sie in den letzten Jahren aus der politischen Arena verdrängt, stellte er in einem Interview für die Tageszeitung „Rossijskaja gaseta“ fest.

    Die CDU/CSU werde jetzt von 30 bis 40 Prozent der Wähler unterstützt, so der Experte, während die zweitbedeutendste Partei, die Sozialdemokraten, in den letzten zehn Jahren höchstens 20 bis 25 Prozent der Deutschen für sich gewinnen konnte.

    Ein sozialdemokratischer Kanzler wäre nur im Falle einer rot-rot-grünen Koalition denkbar. Dabei müsse man allerdings berücksichtigen, dass die Grünen selbst eine Koalition mit Merkels Partei anstreben.

    „Man kann sagen, dass die Hälfte der Wähler Merkels Kandidatur unterstützen“, so Rahr. „Hinter ihr stehen Wähler der älteren Generation. Das sind Millionen von Rentnern, deren Anteil mit der Alterung der Bevölkerung mit jedem Jahr zunimmt.“

    Reichstagsgebäude - Deutscher Bundestag
    © AP Photo/ Michael Sohn
    „Diese Menschen hoffen natürlich auf Stabilität, und die Partei Merkels verspricht ihnen diese Stabilität“, betonte er. Sollte nichts Außerordentliches geschehen – etwa in der Art von spektakulären Terrorakten oder einer neuen Flüchtlingskrise – wird Merkel also erneut am Ruder Deutschlands stehen.

    Die zukünftigen Beziehungen mit Russland hängen in vieler Hinsicht davon ab, mit wem die CDU/CSU die nächste Regierung bilden würde. Bei einer weiteren Koalition mit der SPD werde alles beim Alten bleiben. „Merkel wird weiterhin kritisch auf Russland blicken, ihre Außenpolitik wird aber von der Sozialdemokratischen Partei korrigiert, die sich traditionsgemäß für eine Normalisierung der Beziehungen und sogar für engere Beziehungen mit Moskau.“

    Im Falle einer Koalition mit den Grünen würde der Dialog zwischen Deutschland und Russland allerdings in eine konfliktgeladene Phase eintreten, räumte er ein.

    Die Partei Alternative für Deutschland könnte mit etwa zehn Prozent der Wählerstimmen rechnen, schätzte der Experte. „Das Wachstum dieser Partei wurde gestoppt, weil Merkel, so kann man sagen, der Stimme des Volkes Gehör geschenkt hat“, meinte er. „In der Flüchtlingskrise hat sie ihren Kurs sehr schnell um 180 Grad umgedreht.“ Insofern werde die AfD Merkels Pläne kaum radikal behindern können.

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    Tags:
    CDU/CSU, Angela Merkel, Deutschland
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