14:51 23 September 2017
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    Marine Le Pen, Chefin des Front National in FrankreichDer frühere Premierminister François Fillon ist nach dem Ausscheiden von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy Favorit der französischen Konservativen für den Präsidentenposten

    Geheimtipp Fillon: Kann er Marine le Pen stoppen?

    © REUTERS/ Pascal Rossignol © AFP 2017/ Guillaume Souvant
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    Entgegen den Erwartungen hat Ex-Premier Francois Fillon am Sonntag eine Urabstimmung über den Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei mit 44 Prozent der Stimmen gewonnen. Nicolas Sarkozy musste sich mit dem dritten Platz zufrieden geben. Was bedeutet diese neue Wende für Frankreichs Präsidentenwahl 2017?

    Sieben Kandidaten standen am Sonntag zur Wahl, als Favoriten im republikanischen Lager galten der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und der ehemalige Außen- und Premierminister Alain Juppé. Ersterem wurde vor allem in der letzten Zeit unterstellt, im rechten Lager zu fischen und potentielle Wähler des Front National abwerben zu wollen. Sein Konkurrent hingegen gilt als Kandidat der gemäßigten Mitte, ist aber aufgrund einer missglückten Rentenreform und einer Affäre um die Parteienfinanzierung vorbelastet.

    François Fillon, der unter Sarkozy Premierminister war, hatte, so scheint es, niemand auf dem Zettel.

    „Auch für mich kam das überraschend. Ich hatte zwar nicht damit gerechnet, dass Sarkozy das Rennen macht, aber Viele haben Alain Juppé vorn gesehen. Fillon hat erst in den letzten Wochen dieses Vorwahlkampfes an Fahrt aufgenommen und ziemlich überraschend den großen Erfolg eingefahren“, bestätigt Dr. Sabine von Oppeln, Politikwissenschaftlerin und Frankreich-Expertin von der Freien Universität Berlin.

    Die ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung erklärt die Expertin damit, dass Frankreich im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl vor einer großen Herausforderung stünde. Es sei zu erwarten, dass Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Front National sehr viele Stimmen bekommen werde. Da Hollandes Sozialisten einen schwachen Eindruck machten und noch gar keinen Kandidaten bestimmt hätten, laufe es darauf hinaus, dass sie gegen einen Kandidaten von den Republikanern antreten würde.

    Aber wofür steht François Fillon?

    „Fillon kommt aus dem Lager der Conservatives de Provence – also den Konservativen aus den ländlichen Regionen Frankreichs. Unter seinen Anhängern sind alle die, die dem Katholizismus nahe stehen. Fillon steht für eine konservative Familienpolitik, er will sich gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare aussprechen.   Auf der einen Seite bedient Fillon also das konservative Lager, auf der anderen Seite spricht er sich für eine Révolution Néolibérale aus, was möglicherweise Viele aus dem Lager des Front National verschreckt“, so van Oppeln im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer.

    Bei den Themen Integration und Islam sei Fillon im Gegensatz zu seinem schärfsten Konkurrenten Juppé eher zurückhaltend.

    Im Inneren wolle Fillon einen strikten Sparkurs und die Streichung zahlreicher öffentlicher Stellen durchsetzen. Damit würde er die französische Wirtschaftspolitik EU-kompatibel machen und auch die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland stärken, meint die Frankreich-Expertin.

    „Wenn er also einen strikten Sparkurs fahren und Beamtenstellen einsparen will, spricht das dafür, dass er die von Frankreich lange verlangten Reformen umsetzen will. Damit würde er die französische Wirtschaft für den EU-Binnenmarkt und die Währungsunion kompatibel machen.“

    Beim Thema Außenpolitik und transatlantische Beziehungen sei Fillons Kurs jedoch nicht so einfach vorhersehbar. Gemeinhin gilt er als eher USA-kritisch einerseits und Russland-freundlich andererseits. Dr. Sabine van Oppeln kann sich sogar vorstellen, dass er in den spannungsgeladenen Beziehungen mit Russland als Vermittler agieren könnte.

    Andererseits lasse seine neoliberale Wirtschaftspolitik den Schluss zu, dass er Freihandelsabkommen wie TTIP befürworten werde.

    Am kommenden Sonntag entscheidet sich in der finalen Stichwahl zwischen François Fillon und Alain Juppé, wer als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Mai 2017 ins Rennen geht. Nachdem er bei der Vorwahl 44 Prozent der Wählerstimmen bekommen hat, gilt François Fillon nun als Favorit. Nicolas Sarkozy hat nach seiner Niederlage seinen Rückzug aus der Politik verkündet.

     

    Tags:
    Vorwahlen, François Fillon, Nicolas Sarkozy, Marine Le Pen, Frankreich
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