06:36 21 Februar 2018
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    US-Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot (Archivbild)

    Washington: Raketenabwehr-Daten-Austausch mit Moskau gewünscht

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    US-Raketenabwehr in Europa (57)
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    Die USA sind nach wie vor bereit, Informationen über Raketenabwehrsysteme und deren Möglichkeiten mit der russischen Regierung auszutauschen, wie Sprecher des US-Außenministeriums John Kirby am Mittwoch mitteilte.

    „Ich denke, dass wir auf diesen Vorschlag nie verzichtet haben“, wird Kirby von der russischen Zeitung „Kommersant“ zitiert. „Wir denken nach wie vor, dass die Einrichtung des Raketenabwehrsystems auf dem Kontinent nötig ist, weil der Iran seine ballistischen Raketen weiter entwickelt“, fügte er hinzu.

    Die Außenminister Russlands und Weißrusslands hatten im Mai die militärischen Aktivitäten der USA und angemessene Gegenmaßnahmen erörtert:  Anfang Mai hatte Minsk von Russland kostenlos eine vierte Division von Flugabwehrkomplexen S-300 PS erhalten. Falls nötig, könnte auch eine Stationierung von Iskander-M-Raketen in Weißrussland in Erwägung gezogen werden. Laut einer „Kommersant“-Quelle sei dies eine logische Antwort auf den Ausbau des US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa. Allerdings hieß es aus Minsk, Weißrussland habe keinen entsprechenden Bedarf.

    Die USA waren 2002 von dem Vertrag zur Begrenzung der Raketenabwehrsysteme mit Russland einseitig zurückgetreten und hatten die Aufstellung von Abfangraketen und Radaranlagen in Osteuropa angekündigt, die im Notfall russische Interkontinentalraketen abfangen können sollen. Formell begründete Washington diese Pläne mit dem Schutz vor dem Iran, der wegen seiner Atom- und Raketenprogramme international unter Druck steht.

    Das amerikanische Luftabwehrsystem in Europa soll die beiden bestehenden US-Raketenschirme auf Alaska und in Kalifornien verstärken. De facto würde das den Aufbau eines globalen Raketenabwehrsystems bedeuten, womit das jetzige Kräftegleichgewicht in der Welt zerstört würde. Russland besitzt nur einen strategischen Raketenschirm, der die Hauptstadt Moskau schützt. Diese US-Pläne stießen bei Russland auf Widerstand, weil die USA es ablehnen, rechtsverbindlich zu garantieren, dass der entstehende Raketenschirm nicht Russlands Atomraketen zum Ziel hat. Moskau machte sich für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit stark. Washington lehnte von Russland vorgeschlagene Prinzipien für einen gemeinsamen Raketenschild ab. Nach jahrelangen ergebnislosen Verhandlungen, die schließlich von den USA abgebrochen wurden, drohte Russland, als Gegenschritt in der Ostsee-Exklave Kaliningrad Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander aufzustellen und weitere Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

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    US-Raketenabwehr, Stationierung, S-300-System, Iskander-M, John Kirby, Europa, Weißrussland, USA, Russland
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