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    Wolfgang Gehrcke

    EU-Parlament „auf beiden Augen blind“: MdB Gehrcke zu Propaganda-Beschluss

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    Politik
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    Der Abgeordnete von der Linken Wolfang Gehrcke hat sich in einem Interview mit Sputnik zu der jüngsten Resolution des EU-Parlaments geäußert. Ihm zufolge betreiben nicht die russischen Medien Propaganda, sondern jene, die das behaupten.

    „Die Leute, die hier von Propaganda sprechen, wenn sie die russischen Medien meinen, betreiben eine so ungenierte und so schlechte Propaganda, dass ihre Glaubwürdigkeit bei vielen Menschen in Deutschland tief angeschlagen ist“, so Gehrcke.

    „Wieso soll das, was russische Medien berichten, Propaganda sein, und das, was deutsche Medien berichten, sichere Aufklärung? Das zeigt, man ist einseitig und nicht nur auf einem Auge blind, sondern auf beiden Augen blind“, sagt der Linke-Abgeordnete.

    Statt angeblicher Anti-Propaganda-Resolutionen bräuchte man einen Dialog mit Russland. „Wir brauchen dringend eine Verstärkung des deutsch-russischen Dialoges, zwischen Abgeordneten, Städtepartnerschaften, Jugendaustausch, was immer man kann. Frieden schafft man nur, indem man miteinander redet, und nicht indem man den Kalten Krieg wieder anheizt“, betont Gehrcke.

    Dass Russland, das „die Last des Kampfes gegen den IS hauptsächlich trägt“, auf eine Stufe mit der Terrormiliz gestellt wird, sei außerdem „so unsinnig“, dass man sich damit eigentlich gar nicht auseinandersetzen sollte.

    „Sicherheit in Europa kriegt man nur mit Russland und nicht gegen Russland. Ein Ende der Gewalt in Syrien ist nur mit Russland möglich, und nicht ohne Russland. Deswegen täte Deutschland gut, eine vernünftige politische Haltung zu Russland an den Tag zu legen“, so Gehrcke, für den die deutsche Russland-Politik zur europäischen Sicherheit im kommenden Bundestags-Wahlkampf die entscheidende Frage spielen werde.

    Die umstrittene Resolution „Strategische Kommunikation der EU, um gegen sie gerichteter Propaganda von Dritten entgegenzuwirken“, welche sich ausdrücklich gegen russische Medien richtet, haben 304 Parlamentarier befürwortet, während sich 179 Abgeordnete dagegen äußerten und 208 sich der Stimme enthielten. Die Berichterstattung russischer Medien wie Sputnik oder RT wird in dem Entwurf mit Propaganda der islamistischen Terrororganisationen Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) und al-Qaida gleichgesetzt

    Der russische Präsident Wladimir Putin wies in seiner Stellungnahme auf die degradierte Demokratie-Vorstellung des Westens hin und gratulierte den Journalisten von Sputnik und RT zu ihrer „ergebnisreichen Arbeit“.

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    Tags:
    Propaganda, EU-Parlament, Wolfgang Gehrcke, Wladimir Putin, Europäische Union, Europa, Russland