20:27 12 Dezember 2019
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    Polizisten nehmen Salafisten in Bonn fest - Archivfoto

    Deutschland: Drei von vier Terror-Rückkehrern bleiben im Milieu – kaum Inhaftierungen

    © AFP 2019 / HENNING KAISER / DPA / AFP
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    Drei Viertel der aus Dschihad-Kampfgebieten nach Deutschland zurückgekehrten Islamisten wollen nicht mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten, wie Die Welt unter Berufung auf eine neue Extremismus-Studie berichtet. Knapp die Hälfte der Heimkehrer bleibe ihrem extremistischen Milieu treu.

    Nur wenige Heimkehrer würden sich aus dem extremistischen oder salafistischen Milieu zurückziehen: 48 Prozent blieben dem Umfeld treu. Nur ein Viertel der Islamisten arbeitete mit den deutschen Behörden zusammen. Dies ergab eine gemeinsame Studie des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus (HKE), dem Bundeskriminalamt (BKA) sowie dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV).

    Demnach sind in den vergangenen Jahren insgesamt etwa 850 Islamisten von Deutschland aus nach Syrien oder in den Irak ausgereist – höchstwahrscheinlich um dort zu kämpfen. Für die Studie sollen 784 Lebensläufe radikalisierter Muslime untersucht worden sein. Etwa ein Drittel der ausgereisten Islamisten soll sich der Studie zufolge noch immer Kriegsgebiet aufhalten. Mit genau 274 sei etwa ein Drittel mittlerweile zurückgekehrt, zwölf Prozent von ihnen inhaftiert worden. Die restlichen Personen befänden sich wohl im weiteren Ausland, heißt es in dem Bericht, oder ihr Aufenthaltsstatus sei unbekannt.

    Die Islamismus-Experten setzen sich dabei auch mit den Beweggründen der Rückkehrer auseinander. Lediglich etwa jeder zehnte Ausgereiste sei zurückgekehrt, weil er vom IS enttäuscht wurde. Bei acht Prozent der Islamisten gehen die Behörden gar von einer „taktisch motivierten Rückkehr“ aus: Diese Personen seien zurückgekehrt, um sich zu erholen oder neue Ausrüstung oder Geld zu besorgen.

    Zugleich verweisen die Studienautoren laut dem „Welt“-Bericht auf einen spürbaren Rückgang der Ausreisen in Kampfgebiete. So seien zwischen Juli 2015 und Juni 2016 nur noch 49 Ausreisen registriert worden. Zum Vergleich: Zu Zeiten der Ausrufung des IS-Kalifats im Jahr 2014 seien es noch bis zu einhundert Ausreisen pro Monat gewesen.

    Diese Tendenz könne auf die abnehmende Anziehungskraft des IS zurückgeführt werden. Ein Grund könnte aber auch sein, dass der IS seine Anhänger im Westen seit geraumer Zeit ausdrücklich dazu aufrufe, nicht mehr auszureisen, sondern in ihren Heimatländern Anschläge zu verüben, heißt es. 

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    Tags:
    Salafisten, Rückkehr, Islamischer Staat, Terror, Deutschland